10. November 2017 / 13:35 Uhr

Ein leuchtendes Beispiel: 96-Fußballschule will Spielintelligenz mit Technik verbessern

Ein leuchtendes Beispiel: 96-Fußballschule will Spielintelligenz mit Technik verbessern

Christian Purbs
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Gerade noch Gegner, im nächsten Moment schon wieder Mitspieler: Die Exerlights schulen Handlungsschnelligkeit und Wahrnehmung.
Gerade noch Gegner, im nächsten Moment schon wieder Mitspieler: Die "Exerlights" schulen Handlungsschnelligkeit und Wahrnehmung. © Sielski
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Die 96-Fußballschule setzt auf die neue Technologie Exerlights, um die Handlungsschnelligkeit, Wahrnehmung sowie Spielintelligenz zu verbessern.

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Robin hat ein Problem. Zwei Gegenspieler hat er schon super ausgespielt, auch sein Schuss ist klasse und landet im Tor. Leider im falschen. „Oh, Robin, Eigentor! Wahrnehmung, darum geht’s hier“, sagt Torsten Bartsch, der das Training der 96-Fußballschule an diesem Tag leitet – und für die Nachwuchskicker eine neue Technik mitgebracht hat: exerlights.

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Exerlights, ein Mischwort aus exercise und lights, was übersetzt Übungslichter bedeutet, besteht aus LED-Shirts, die sich die Spieler überstreifen, und vier Leuchtstreifen, mit denen Tore markiert werden können. Der Clou: Während der Übung kann der Trainer per App und Smartphone die Farben der LED-Shirts verändern. Haben Lennart und Ben gerade noch zusammen im roten Team gespielt, leuchtet das Shirt von Ben plötzlich blau. Von einem Moment zum nächsten ist Lennart für Ben nicht mehr Mit-, sondern Gegenspieler. Auch die Tore lassen sich, etwa bei Übungen auf kleinem Feld mit mehreren Toren, mit Leuchtstreifen markieren, die jederzeit farblich verändert werden können. Wer da nicht aufpasst und den Kopf nicht oben hat, der schießt, wie Robin, ins eigene Tor.

Fußball auf einer anderen Ebene

„Mit diesem System wird die Handlungsschnelligkeit und Wahrnehmung enorm geschult“, sagt Marko Kresic, Leiter der 96-Fußballschule. Erst seit ein paar Wochen probieren die Roten als erster Verein in Niedersachsen diese Technik bei ihrem Nachwuchs aus – und sind begeistert. „Durch die Möglichkeit, die Lichter zu tauschen, wird ständig die Umwelt der Spieler verändert. Dadurch werden sie gezwungen, permanent aufmerksam zu sein, um nicht ins falsche Tor oder zum falschen Mitspieler zu spielen“, erklärt Kresic. „Das System trainiert die Aufmerksamkeit, das Umschaltverhalten und die Spielintelligenz. Wir haben dadurch die Möglichkeit, den Fußball auf eine andere Ebene zu heben. Und bei den Kindern kommt es extrem gut an“, sagt Kresic.

Dem 41-Jährigen geht es ganz besonders darum, die „Arbeit im Kopf“ bei den Talenten zu trainieren. Im Fußball gebe es bei jeder Aktion vier Phasen: wahrnehmen, verstehen, entscheiden und handeln, erklärt Kresic. „Fast 80 Prozent der Fehler finden in den ersten drei Phasen statt. Trainiert wird jedoch zu mehr als 90 Prozent nur die vierte Phase, die Aktion. Wenn ich nur um Hütchen dribble und dann aufs Tor schieße, kann ich das Gehirn auch gleich ausschalten.“


​"Ein Schachspieler denkt zehn bis zwanzig Züge voraus"

Spielintelligenz als Schwerpunkt der Trainingseinheiten: Damit liegt der Leiter der 96-Fußballschule ganz auf einer Wellenlänge mit Joachim Löw. „Ein Schachspieler denkt zehn bis zwanzig Züge voraus, das muss der Fußballer in Zukunft auch können“, so fordert der Bundestrainer, das Trainieren der kognitiven Fähigkeiten mehr in den Vordergrund zu stellen.

Weg vom Traditionellen, Neues ausprobieren und Reize setzen: Kresic, selbst einst bei den A-Junioren und der U23 von Hannover 96 am Ball, weiß aus eigener Erfahrung, dass Spieler auch gefordert werden wollen. „Wenn ich durch neue Übungen gefordert wurde, hat mich das immer sehr gereizt. Ich war dann viel konzentrierter und hatte mehr Spaß, als wenn ich einfach nur 50-mal aufs Tor geschossen habe.“

Die lange Liste aller Nationalspieler, die seit der Saison 2000/01 für Hannover 96 gespielt haben (Stand: 11. November 2020):

<b>Kenan Karaman</b>, mittlerweile in Düsseldorf unter Vertrag, wurde im November 2017 erstmals zur A-Nationalmannschaft der Türkei eingeladen, stand bisher 15-mal auf dem Feld und erzielte drei Tore - unter einem eins im Test gegen Deutschland. Zur Galerie
Kenan Karaman, mittlerweile in Düsseldorf unter Vertrag, wurde im November 2017 erstmals zur A-Nationalmannschaft der Türkei eingeladen, stand bisher 15-mal auf dem Feld und erzielte drei Tore - unter einem eins im Test gegen Deutschland. © Frank Neßler

Training auf höchstem Niveau

Auch deshalb ist der Kroate überzeugt von den Möglichkeiten, die Exerlights bietet. Ein weiterer Vorteil des Systems ist die einfache Anwendung. Jeder Trainer kann unabhängig von seiner Erfahrung per App über das Smartphone die hochgradig standardisierten Übungen abrufen und so seiner Mannschaft ein Training auf höchstem Niveau anbieten.

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Und wie gefällt’s den Kindern? „Das macht viel mehr Spaß, als mit Leibchen zu speilen. Es ist spannend, weil ich nie weiß, mit wem ich gleich in einem Team sein werde“, sagt Robin. Nur Ben hat ein kleines Problem mit dem kalten Blau des LED-Shirts. „Mir macht’s ja auch Spaß“, sagt der Zehnjährige: „Aber ich finde es auch ein bisschen gruselig.“

Ab November an zwölf Standorten

Wer das System einmal ausprobieren möchte, kann sich beim Individualtraining der 96-Fußballschule anmelden. Angeboten wird das Training ab November an zwölf Standorten in der Region. Im Sommer will 96 Exerlights auch bei den Vereinen vorstellen. Das Einstiegspaket Exerlights Goals gibt es für 999 Euro. Die Variante Exerlights Team mit acht LED-Shirts und vier LED-Markern kostet 2999 Euro.