17. November 2020 / 08:13 Uhr

Leutzsch-Präsident Kai Hebestreit: "TuS steht für Familie, Zusammenhalt und Vielfalt"

Leutzsch-Präsident Kai Hebestreit: "TuS steht für Familie, Zusammenhalt und Vielfalt"

Andreas Neustadt
Leipziger Volkszeitung
TuS-Leutzsch-Präsident Kai Hebestreit spricht mit dem SPORTBUZZER über das 30-jährige Bestehen seines Vereins.
TuS-Leutzsch-Präsident Kai Hebestreit ist über die positive Entwicklung des Vereins sehr erfreut. © André Kempner
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Der Kultverein TuS Leutzsch wird 30: Präsident Kai Hebestreit spricht im SPORTBUZZER-Interview über die Entwicklung, Erinnerungen und Ziele.

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Leipzig. Der TuS Leutzsch 1990 e.V. ist aus dem Leipziger Westen längst nicht mehr wegzudenken. Kein Wunder: Schließlich feiert der Kultverein im 30. Jahr nach der deutschen Wiedervereinigung sein 30-jähriges Bestehen. Vereinspräsident Kai Hebestreit spricht im SPORTBUZZER-Interview über die Bedeutung des Vereins für den Leipziger Westen das Kinder-Fußballfest und wie man bisher durch die Corona-Zeit gekommen ist.

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Der Verein feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen. Wie hat sich der Verein in den vergangenen Jahren entwickelt?

Der Verein ist nicht nur 30 Jahre alt geworden, sondern steht mit seinen Vorgängervereinen für 160 Jahre Sport in Leutzsch. Der Verein hat sich total positiv entwickelt. Wir können derzeit jedes Jahr steigende Mitgliederzahlen verzeichnen, vor allem im Nachwuchsbereich stehen jede Woche neue Kids da und wollen kicken lernen. In unserer U9 haben wir derzeit einen Aufnahmestopp, bei 27 Kindern mit zwei Trainern ist die Kapazitätsgrenze längst überschritten. Somit sieht man auch die derzeit größte Herausforderung, nämlich Trainer im Ehrenamt zu finden, die bereit sind, sich 2 bis 3 Mal pro Woche bei Wind und Wetter auf den Platz zu stellen und Kindern und Jugendlichen die schönste Nebensache der Welt zu vermitteln. Auch Aufwandsentschädigungen und weitere Vergünstigungen machen die Suche nicht einfacher. Nach den Turbulenzen im Jahr 2014, steht der Verein wieder auf gesunden Beinen und lässt uns total positiv in die Zukunft blicken.

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Was macht TuS Leutzsch aus?


TuS steht für Familie. Ich sehe immer wieder Generationen von Spielern, die seit Jahren im Verein sind. Da verbringen nicht nur die Kids Ihre Freizeit miteinander, sondern auch die Eltern. TuS steht für Zusammenhalt auf und neben dem Platz. Unsere Gegner wissen, wie schwer es ist Punkte oder gar Siege vom TuS mitzunehmen. TuS steht für Vielfalt. In unseren insgesamt 14 Mannschaften (5 x Herren, 1 x Damen, 7 Nachwuchs und 1 x Volleyball) trainieren ebenso Menschen verschiedener Herkunft, wie Menschen mit Handicap. Nur eines hat bei uns keinen Platz: Rassismus egal in welcher Form.

Gibt es ein Ereignis aus den vergangenen 30 Vereinsjahren, dass Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben ist?

Für diese Frage habe ich Rücksprache mit unserem Ehrenratsvorsitzenden Thomas Schleif genommen, der den Verein vor 30 Jahren mit gegründet hat und uns auch heute noch mit Rat und Tat zur Seite steht. Aus sportlicher Sicht die Aufstiege in die Landesklasse und das Bundesligadebüt von Tom Kraus, der von seinem fünften bis 12. Lebensjahr das Fußballspielen beim TuS gelernt hat. Sein Opa Roland, sein Vater Holger waren dem Verein immer verbunden und auch Tom steht mit uns regelmäßig in Kontakt. Unvergessen sind aber auch die Festveranstaltungen „Tag der Leutzscher“, wo unter Anderem schon Karat aufgetreten und die Uwe-Seeler-Traditionself angetreten sind. Im letzten Jahr waren ohne Zweifel der Stemax Cup (U9 Turnier) und das Leutzscher-Kinder-Fußballfest zwei absolute Highlights. An beiden Turnieren waren mehrere 100 fußballbegeisterte Kids und insgesamt über 1000 Zuschauer auf unserem Sportplatz.

Mit welchen Zielen geht der Verein in die nächsten 30 Jahre?

Wir wollen weiterhin die Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche im Leipziger Westen sein. Das bedeutet für uns aber auch, dass wir nachhaltig in die Infrastruktur des Vereins investieren müssen. Wir planen daher für 2021 unsere Duschen und WC`s zu sanieren, außerdem wollen wir unseren Kleinfeld-Kunstrasenplatz sanieren und auf den neuesten Stand bringen. Ohne Zuschüsse von Stadt und Land würde das nicht funktionieren. Auch wenn die Zusammenarbeit mit zuständigen Behörden gut ist, sehe ich den immensen bürokratischen Aufwand sehr kritisch. Hier wird von Ehrenamtlern absolute Professionalität erwartet. Was man hier an Zeit für solche Dinge „opfert“, ist schon immens. Wenn ich dann aber in den Verein komme und die Kids trainieren, dann wissen meine Vorstandskollegen und ich, warum wir das machen. Sportlich gesehen wollen wir unsere 1. Herrenmannschaft mittelfristig in der Landesklasse etablieren. Im Nachwuchs liegt der Focus auf einem gut strukturierten Training, in dessen Zentrum immer die Art und Weise unseres Fußball stehen sollte und weniger das Ergebnis. In diesem Jahr haben drei Spieler unserer U19 den Sprung in die 1. Herren geschafft. Das ist Klasse.

Welche Bedeutung hat der Verein für den Leipziger Westen?

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Wir sind ein Stadtteilverein, der einen wesentlichen Beitrag zum sportlichen und kulturellen Angebot im Leipziger Westen beiträgt. Wenn beim TuS das Osterfeuer brennt, dann ist man beim TuS, das hat einfach Tradition. Unsere Trainer führen in Zusammenarbeit mit den angrenzenden Schulen Sport AG`s durch und bringen so den Verein an die Schulen. Auch Kindergärten machen Ihren Sport auf unserer Anlage. Wir sind Kultur und Sportangebot in Einem, so wie die anderen Vereine im Leipziger Westen auch.

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Was bedeutet Ihnen der Verein persönlich?

Der Verein ist für mich wie eine zweite Familie geworden. Ich bin 2006 als Vater in den Verein gekommen und hatte vorher überhaupt keinen Bezug zum TuS, dann wurde ich Mannschaftsleiter, Trainer, sportlicher Leiter und jetzt Präsident. Da meine Frau auch stark im Vereinsleben engagiert ist, mein Sohn mittlerweile im Herrenbereich spielt und meine beiden Stiefsöhne auch die Schuhe für den TuS schnüren, kann man im doppelten Sinne von einer Familie besprechen. Ich muss aber ganz klar auch meine Vorstandskollegen hervorheben, ohne die hervorragende Zusammenarbeit mit diesen positiv Verrückten, würde das alles nicht funktionieren.

Große Feierlichkeiten sind bzw. waren in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr nicht möglich. Konnte trotzdem ein bisschen gefeiert werden?

Ein klein wenig, ja. So konnten wir unser Saison-Opening feiern. Hierzu laden wir alle Mitglieder, Trainer, Sponsoren ein, mit uns gemeinsam in die Saison zu starten. Andere beliebte Veranstaltungen, wie das Osterfeuer oder unsere legendäre Halloween-Wanderung, an der letztes Jahr über 100 Teilnehmer teilgenommen haben, mussten leider ausfallen.

Im Juli sollte mit dem 25. Leutzscher Kinder-Fußballfest ein weiteres Jubiläum stattfinden. Das Turnier wurde auf das kommende Jahr verschoben. Was ist das Besondere an dieser Veranstaltung? Was können Teilnehmer und Zuschauer erwarten?

Das Leutzscher Kinder-Fußballfest ist eine Institution und als sportlicher Höhepunkt für Spieler der U13 bis zur U7 weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Zu uns kommen Mannschaften aus Berlin, Chemnitz, Magdeburg und Dresden angereist, um sich mit Leipziger Mannschaften zu messen. Neben den sportlichen Highlights finden die Kids in den Pausen bei Fußballdart, Torwandschießen, Hüpfburg genügend Abwechslung.

Wie ist der Verein bislang durch die Corona-Zeit gekommen?

Dank unserer Mitglieder und Förderer eigentlich ganz gut. Es gab nicht ein Mitglied, das in dieser Zeit gekündigt hat oder seinen Beitrag nicht gezahlt hat. Ganz im Gegenteil: bei einer Spendenaktion, initiiert durch zwei Mitglieder, konnten Einnahmeverluste teilweise wieder ausgleichen werden.