09. Mai 2014 / 09:21 Uhr

„Leutzscher Legende“: Neuauflage der Chemie-Bibel zum 50. Meister-Jubiläum

„Leutzscher Legende“: Neuauflage der Chemie-Bibel zum 50. Meister-Jubiläum

Matthias Puppe
SPORTBUZZER-Nutzer
Die Leutzscher Legende ist im Eigenverlag erschienen. Im Hintergrund: Chemie-Anhänger beim Triumph in Erfurt (Archivfoto) USER-BEITRAG
Die "Leutzscher Legende" ist im Eigenverlag erschienen. Im Hintergrund: Chemie-Anhänger beim Triumph in Erfurt (Archivfoto) © LVZ / Buchcover "Leutzscher Legende"
Anzeige

Das Standard-Werk mit dem schlichten Titel „Leutzscher Legende“ wurde in der Neufassung um 19 Kapitel erweitert.

Anzeige

Leipzig. Pünktlich zum Meister-Jubiläum in Leipzig-Leutzsch ist eine Neuauflage der Chemiker-Bibel erschienen. Das Standard-Werk mit dem schlichten Titel „Leutzscher Legende“ wurde in der Neufassung um 19 Kapitel erweitert. „Es fehlte ja bisher noch der Teil zum FC Sachsen Leipzig nach der Wende“, erklärt Autor Jens Fuge. Als dieser im Sommer 2011 endgültig zu den Akten gelegt wurde, setzte sich Fuge noch einmal an den Schreibtisch. Sein Wälzer enthält nun nicht nur mitreißende Schilderungen der heroischen Fußball-Triumphe in Leipzig-Leutzsch sowie eine Chronik vom langen Überlebenskampf. Die „Leutzscher Legende“ ist in der vierten Auflage jetzt auch ein erschreckendes Dokument des totalen Absturzes.

 „Ich glaube, es gibt keinen Verein im Ostfußball, der so tief gefallen ist, wie Chemie“, sagt Fuge. In den Wendetagen, als die Restriktionen im ostdeutschen Fußball wichen, schien für den jahrzehntelangen Underdog Chemie Leipzig eine goldene Zeit anzubrechen. „Man ging mit Euphorie ans Werk, schließlich hatten wir ja nun endlich die gleichen Chancen, wie die anderen, die gleichen Chancen wie auch Lok“, erinnert sich der Journalist und Verleger. Doch weit gefehlt. Der FC Sachsen, der die Chemie-Traditionen in eine neue Zeit führen wollte, geriet zum grün-weißen Albtraum. „Es wurden praktisch die gleichen Fehler gemacht, wie bei allen anderen Ostvereinen – außer vielleicht in Aue. Aber diese Fehler wurden ständig wiederholt“, so Fuge, der selbst zwischenzeitlich im Vorstand des FCS saß.

Mehr zum Thema

Wut und Ärger über Niedergang – Neue Hoffnung mit der neuen BSG Chemie

Beim Rekapitulieren der Ereignisse für seine Leutzscher Chronik konnte er das Ausmaß der Inkompetenz kaum fassen: „Wenn man sehen muss, wie alles in die Hose ging und das so geballt – da kam mir beim Schreiben oft Wut und Ärger“, sagte der 50-Jährige. Auch deshalb markiert er im Buch nun schonungslos jahrelange Verschwendung, Überheblichkeit, Naivität, Alleingänge, Neid und Egoismus im Namen des Leutzscher Fußballs. Am Ende, im Sommer 2011, wurde der FC Sachsen nach der zweiten Insolvenz aus dem Vereinsregister gestrichen. Und die einstmals umfangreiche und weithin respektierte Leutzscher Anhängerschaft zerfiel in zwei Hälften.

Der jahrelange Begleiter Fuge war danach selbst kaum noch beim grün-weißen Fußball. Er suchte Distanz, verfolgte den Streit zwischen BSG Chemie Leipzig und SG Sachsen meist nur noch aus der Ferne. Ironie des Schicksals mag es sein, dass nun, pünktlich zur Neuausgabe seines Buches schon wieder ein Leutzscher Insolvenz Schlagzeilen macht. „Das wundert mich nicht, die Geschichte der SG Sachsen war auf tragisch-komische Weise auch noch einmal die des FC Sachsen – stark zusammengefasst, in kürzerer Zeit“, so Fuge weiter.

Und dennoch hat der Chemie-Experte Hoffnung, dass die grün-weiße Tradition Zukunft haben kann. „Wenn die Entwicklung bei der BSG so konstant weiter geht, wie bisher, wenn sie weiterhin so solide und selbstbewusst arbeiten, dann wird auch irgendwann wieder der größere sportliche Erfolg kommen“, sagt Fuge in Richtung des aktuellen Bezirksligisten. Zumal ihn gerade auch die schon sichtbaren Vorbereitungen für das Meisterjubiläum am kommenden Wochenende optimistisch stimmen. „Auf Facebook werden Erinnerungsfotos gesammelt, auf der Georg-Schwarz-Straße ist ein Schaufenster mit einer Chemie-Collage geschmückt, auf dem Schleußiger Weg hängt ein großes Banner – die Art und Weise, wie die Leute jetzt wieder mit Chemie umgehen, das begeistert mich“, so Fuge und schiebt hinterher: „Schon beim FC Sachsen wollte man Teile unseres Stadions sanieren. Und es ist nichts draus geworden. Jetzt haben die Fans der BSG das einfach gemacht.“

Der Autor hofft, dass das anstehende Jubiläum im Kunze-Sportpark, an dem auch die 1964er Meisterelf teilnehmen wird, ein weiteres positives Signal für die grün-weißen Zukunft sein mag – „gegen alle Widrigkeiten muss es heißen: Ja, wir leben noch“, so Fuge. Ein Teil der Einnahmen aus den Verkäufen seiner Chronik sollen deshalb auch der BSG Chemie zu gute kommen.

Die „Leutzscher Legende“ von Jens Fuge kostet 30 Euro, ist in seinem Verlag Backroad Diaries erschienen und über die Homepage backroad-diaries.de erhältlich. Am kommenden Samstag wird das Buch zudem während der Meisterfeier verkauft.