19. Mai 2021 / 20:58 Uhr

Meistertrainer, Sprachtalent und akribischer Arbeiter: So tickt der neue Leverkusen-Trainer Gerardo Seoane

Meistertrainer, Sprachtalent und akribischer Arbeiter: So tickt der neue Leverkusen-Trainer Gerardo Seoane

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Gerardo Seoane ist der neue Trainer von Bayer Leverkusen.
Gerardo Seoane ist der neue Trainer von Bayer Leverkusen. © IMAGO/Geisser (Montage)
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Bayer Leverkusen präsentiert einen neuen Trainer. Der Schweizer Gerardo Seoane folgt auf Hannes Wolf, der vom Deutschen Fußball-Bund ausgeliehen war. Der SPORTBUZZER stellt den Schweizer vor.

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Bayer Leverkusen geht mit dem Schweizer Trainer Gerardo Seoane in die neue Saison. Der 42-Jährige folgt auf Hannes Wolf, wie der Bundesligist am Mittwoch mitteilte. Wolf hatte die Werkself Ende März als Nachfolger von Peter Bosz übernommen, ist aber nur vom Deutschen Fußball-Bund ausgeliehen. Seoane kommt vom Schweizer Meister Young Boys Bern und erhält einen Vertrag bis 2024. Wolf kehrt als U19-Nationaltrainer zum DFB zurück.

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"Mit Gerardo Seoane wollen wir in der kommenden Saison wieder angreifen", sagte Bayer-Sportdirektor Simon Rolfes. Der neue Coach präge eine "attraktive und offensive" Spielidee. "Über einen angriffslustigen, dominanten und technisch anspruchsvollen Stil definieren wir uns hier seit Langem. Und diese Spielweise wollen wir in den kommenden Jahren gemeinsam mit Gerardo Seoane weiterentwickeln und damit erfolgreich sein." An dem Schweizer war Medienberichten zufolge auch Eintracht Frankfurt interessiert. Seoane war in Bern 2018 auf Adi Hütter gefolgt, der damals zur Eintracht gewechselt war und in der kommenden Saison bei Borussia Mönchengladbach arbeitet.

Seoane überzeugt mit Bern gegen Bayer

In Leverkusen ist Seoane kein Unbekannter. In der Zwischenrunde der Europa League hatten sich die Young Boys im Februar mit zwei Siegen gegen Bayer Leverkusen überraschend durchgesetzt – mit einem 4:3 in Bern und einem 2:0 in Leverkusen. Diese Niederlagen waren auch ein Grund für das Ende der Amtszeit von Bosz. Wolf übernahm daraufhin als Interimslösung und holte aus sieben Spielen zwölf Punkte. Bereits vor dem letzten Spieltag ist Bayer sicher für die Europa League qualifiziert.



Mit Seoane habe man laut Sport-Geschäftsführer Rudi Völler "einen Trainer verpflichtet, der in den vergangenen drei Jahren die Young Boys als unangefochtene Nummer eins der Schweiz etabliert hat. Mit welcher Souveränität die Berner unter seiner sportlichen Leitung die dortige Meisterschaft beherrscht haben, ist beeindruckend. Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit mit Gerardo." Seoane selbst beschreibt den Wechsel aus Bern nach Leverkusen als "einen Sprung auf das nächste Level". Als Schweizer schaue man immer auch auf die Bundesliga. "Das ist eine europäische Top-Liga, und Bayer 04 Leverkusen gehört darin seit vielen Jahren beständig zur Spitze", erklärt der 42-Jährige.

Ohne Titel als aktiver Spieler

Seoane kam 1978 als Sohn spanischer Einwanderer in Luzern zur Welt. Am Vierwaldstättersee spielte sich auch der größte Teile seiner Fußballer-Karriere ab. Bereits als Spieler – Seoane war Innenverteidiger – absolvierte er die meisten Spiele für seinen Heimatklub, den FC Luzern. Zu Beginn seiner Laufbahn stand er zudem vier Jahre beim damaligen Top-Klub Deportivo La Coruña in Spanien unter Vertrag, kam über Einsätze in der zweiten Mannschaft jedoch nicht hinaus und wechselte schließlich zurück in die Schweiz. Auf insgesamt 227 Spiele brachte er es in der Super League für Luzern, die Grasshoppers Zürich, den FC Aarau und den FC Sion. Für einen Titel reichte es in seiner aktiven Zeit allerdings nicht.

Nach dem Ende der Spielerkarriere blieb Seoane dem FC Luzern treu und arbeitete fortan als Trainer in der Nachwuchsabteilung – schon von Beginn an mit dem klaren Ziel, Cheftrainer zu werden, wie er im Januar 2018 verriet, als den Posten übernahm: "Ich bereitete mich seit einiger Zeit auf diese Aufgabe vor." Doch die Aufgabe in Luzern wurde ihm schnell zu klein. Nur ein halbes Jahr blieb er – dies verlief allerdings extrem erfolgreich. Stand der Klub beim Seoane-Start auf einem Abstiegsplatz, konnte die Saison auf dem dritten Platz beendet werden. Dieses Bravourstück wurde natürlich registriert: Als Hütter den amtierenden Meister aus Bern in Richtung Frankfurt verließ, klopften die Young Boys bei Seoane an. Mit Erfolg: Er unterschrieb für drei Jahre. Diese Aufgabe könne er sich nicht entgehen lassen, erklärte Seoane – auch wenn der Abschied von Luzern schmerze.

Seoane spricht sechs Sprachen fließend

Seither ist er eng mit dem Erfolg der Young Boys verknüpft: Die Verteidigung von Hütters Meisterschaft gelang ihm gleich dreifach. Seoane lässt einen mutigen Offensiv-Stil spielen. Der "Trainer des Jahres" in der Schweiz gilt als akribischer Arbeiter. Sechs Sprachen spricht er fließend: Deutsch, Französisch, Englisch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch – in der globalisierten Fußball-Welt ein immenser Vorteil. Er bildet sich in Führungskompetenzen und Kommunikation weiter. Mit seinem Wissensdurst könne Seoane eines Tages sogar in die Fußstapfen des großen Ottmar Hitzfeld treten, lobte die Schweizer Trainer- und Manager-Legende Erich Vogel schon.

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Von Beginn seiner Amtszeit an ließ Seoane in Bern den gnadenlosen Angriffsstil spielen, der aktuell auch in der Bundesliga populär ist. Die Young Boys stellten mit 99 Treffern in 36 Spielen einen neuen Torrekord in der Super League auf und spazierten souverän zur Meisterschaft. Gelang die Titelverteidigung im vergangenen Jahr etwas hinderlicher, holte man in der aktuellen Spielzeit erneut den Titel mit am Ende wohl fast 30 Punkten Vorsprung. Einzig auf europäischer Bühne lief es bisher noch nicht allzu gut: 2018/19 schaffte man zwar die Qualifikation für die Champions-League-Gruppenphase. Dort schied man aber ebenso aus wie in der Europa-League-Gruppenphase in der vergangenen Saison. In dieser Saison war nach den Achtelfinal-Niederlagen gegen Ajax Amsterdam erst etwas später Schluss.

Völler über Seoane: "Bereicherung für die Bundesliga"

Bei Bayer Leverkusen ist der Druck größer als in Bern. Das Ziel in der kommenden Saison lautet Champions League. "Ich finde es extrem reizvoll, einen Bundesliga-Kader mit solch einem Potenzial zu trainieren", sagt Seoane. "In dem sehr professionellen und ambitionierten Umfeld hier am Rhein sehe ich ideale Bedingungen, um attraktiven Fußball zu spielen und in der Liga und in Europa unter den Top-Teams mitzumischen. Ich freue mich sehr auf diese Herausforderung!" Und Bayer-Boss Völler ist überzeugt: "Er wird eine Bereicherung für die Bundesliga sein."