29. September 2022 / 20:01 Uhr

Lewandowski überragt, Süle noch mit Problemen: So schlagen sich die Bayern-Abgänge bei ihren neuen Klubs

Lewandowski überragt, Süle noch mit Problemen: So schlagen sich die Bayern-Abgänge bei ihren neuen Klubs

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Robert Lewandowski (links) schlug beim FC Barcelona voll ein. Bei Niklas Süle und dem BVB knirscht es noch.
Robert Lewandowski (links) schlug beim FC Barcelona voll ein. Bei Niklas Süle und dem BVB knirscht es noch. © IMAGO/MIS/Kirchner-Media/NurPhoto (Montage)
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Hinter dem FC Bayern München liegt ein turbulenter Transfersommer. 15 Spieler hat der Rekordmeister abgegeben und dabei wichtige Einnahmen für Neuverpflichtungen generiert. Der SPORTBUZZER wirft einen Blick auf die bisherigen Leistungen der abgewanderten Bayern-Spieler bei ihren neuen Vereinen.

So einen Transfersommer hatte der FC Bayern schon lange nicht mehr: Der Rekordmeister aus München war in der Wechselperiode einer der Aktivposten auf dem Markt. Mit namhaften Spielern wie Matthijs de Ligt (67 Millionen Euro Ablöse) und Sadio Mané (32 Millionen Euro) knackte der FCB um Sportvorstand Hasan Salihamidzic bei den Ausgaben locker die 100-Millionen-Euro-Marke und gab damit im Vergleich zu den vergangenen Jahren (2020: 77,5 Millionen Euro; 2021: 57,5 Millionen Euro) viel Geld aus – unterm Strich steht allerdings "nur" ein Transferminus von knapp 33 Millionen Euro.

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Wie geht das? Der Grund dafür sind die verhältnismäßig hohen Ablösen, die die Bayern um Salihamidzic bei den Verkäufen von Spielern aus der zweiten Reihe genierten. Schließlich haben die Bayern mit Robert Lewandowski und Niklas Süle lediglich zwei Stammkräfte abgegeben. Der SPORTBUZZER, das Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), blickt rund vier Wochen nach Transferschluss auf die bisherige Entwicklung der Bayern-Abgänge nach ihrem Abschied aus München.

Robert Lewandowski (FC Barcelona, 45 Millionen Euro Ablöse): Der namhafteste und gleichzeitig wertvollste Abgang des FC Bayern ist Weltfußballer Robert Lewandowski. Die erhaltene Ablöse in Höhe von 45 Millionen Euro dürfte wohl mit einer der entscheidenden Gründe gewesen sein, warum die Verantwortlichen des FC Bayern im Tauziehen um den Superstar schlussendlich doch nachgegeben haben und den Polen zum FC Barcelona haben ziehen lassen. Nach wochenlanger öffentlich ausgetragener Schlammschlacht zwischen beiden Parteien und einem klaren Wechselverbot von Oliver Kahn und Herbert Hainer bekam der Stürmerstar letztlich seinen Wechselwunsch erfüllt und spielt seither für die Katalanen.

Der zweifache Weltfußballer hat seine Stürmerqualitäten bereits wenige Wochen nach dem Wechsel auch in Spanien unter Beweis gestellt: Elf Tore und zwei Vorlagen in acht Spielen sind absolute Weltklasse. Selbst sein Trainer Xavi Hernandez ist langsam sprachlos: "Mir fällt bald kein Lob mehr für ihn ein." Außerdem adelte er ihn als einen "Anführer" und einen "Gewinner", einfach ein "fantastischer Neuzugang", um es in den Worten seines Trainers zu sagen. Dieser Wechsel hat sich demnach für alle Seiten ausgezahlt, die Bayern haben eine stattliche Ablöse erhalten, Lewandowski seinen Wunsch-Transfer, und Barcelona scheint durch den Torjäger wieder zu alter Stärke zu finden.

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Niklas Süle (Borussia Dortmund, ablösefrei): Als Stammkraft unter Trainer Julian Nagelsmann hatte er vergangene Saison zu alter Stärke gefunden – und doch kehrte Niklas Süle dem Rekordmeister den Rücken und wechselte mit Ablauf seines Vertrags im Sommer zum direkten Konkurrenten aus Dortmund. Bezieht man die hohe Ablöse für seinen Nachfolger de Ligt mit ein, wird die Bayern vor allem der Fakt stören, dass Süle ablösefrei wechselte.

Auch verletzungsbedingt konnte der Nationalspieler an seine Leistungen der Vorsaison bislang noch nicht anknüpfen, in lediglich vier von sieben Bundesliga-Spielen stand er auf dem Platz und sammelte dabei nur 129 Minuten Einsatzzeit. In den bisherigen zwei Champions-League Partien vertraute ihm sein neuer Trainer Edin Terzic indes und ließ den 27-Jährigen über die volle Distanz auflaufen. Sportdirektor Sebastian Kehl nahm Süle zwar kürzlich in die Pflicht, gab allerdings auch die kurze Vorbereitung und den Muskelfaserriss seines Spielers zu Protokoll. Der Ex-Bayer muss sich noch steigern, um dauerhaft an seinen Innenverteidiger-Kollegen Mats Hummels und Nico Schlotterbeck vorbeizuziehen.

Corentin Tolisso (Olympique Lyon, ablösefrei): Das Liaison zwischen Corentin Tolisso und dem FC Bayern verlief weniger erfolgreich, als es sich beide Parteien anfangs gewünscht hatten. Zwar verließ der einstige Rekord-Einkauf (41,5 Millionen Euro zahlte der FC Bayern an Olympique Lyon) München nach fünf Jahren mit einem Champions-League-Titel und fünf deutschen Meisterschaften ablösefrei und ging zurück nach Lyon – doch er selbst war in all den Saisons nie Stammspieler und hatte mit zahlreichen Verletzungen zu kämpfen. Unter dem Ex-Leverkusen-Trainer Peter Bosz gehört er bei seiner alten Liebe Lyon bislang zum Stammpersonal und lenkt das Spielgeschehen in der Zentrale. In allen acht Pflichtspielen kam er zum Einsatz.

Tanguy Nianzou (FC Sevilla, 16 Millionen Euro): Als 18-Jähriger kam Tanguy Nianzou ablösefrei aus der Talentschmiede von Paris Saint-Germain zum FC Bayern und galt als großes Innenverteidiger-Talent. Zwei Jahre später war seine Zeit in München bereits wieder vorbei – und er wechselte für 16 Millionen Euro zum FC Sevilla. Der Grund war die geringe Einsatzzeit unter Nagelsmann. Über die kann sich der Franzose unter Unai Emery aber nun nicht beschweren. Bei den "Sevillistas" zählt der U21-Nationalspieler zum Stammpersonal und kam in fünf La-Liga-Spielen zum Einsatz. Sein großes Potenzial spiegelt sich auch in der laut Medienberichten fixen Rückkaufoption über 50 Millionen Euro wider, die sich die Münchner gesichert haben sollen.

Marc Roca (Leeds United, 12 Millionen Euro): Er galt als Wunschspieler von Salihamidzic – aber offenbar nur von ihm. Im Jahr 2020 wechselte der ehemalige U21-Nationalspieler zu den Bayern, nachdem es im Winter zuvor nicht mit einem Transfer geklappt hatte. Zum Pech des Spaniers scheinen seine Trainer aber nicht die größten Fans von ihm gewesen zu sein. Sowohl Hansi Flick als auch Julian Nagelsmann setzten nie vollends auf den Mittelfeldakteur, was auch an den Konkurrenten Joshua Kimmich und Leon Goretzka lag. Trotzdem konnte er gewinnbringend verkauft werden und war erneut Wunschspieler, diesmal allerdings von seinem neuen Trainer Jesse Marsch. Roca stand in allen sechs Spielen von Leeds United auf dem Platz und steuerte bereits einen Treffer bei.

Chris Richards (Crystal Palace, 12 Millionen Euro): Für den jungen US-Amerikaner läuft es noch schleppend bei seinem neuen Verein. Nach zuletzt eineinhalb Jahren auf Leihbasis bei der TSG Hoffenheim wagte Richards im Sommer den endgültigen Schritt weg vom FCB und wechselte in die Premier League zu Crystal Palace. Der 22-Jährige ist zwar flexibel einsetzbar und kann sowohl in der Innenverteidigung als auch auf der rechten Seite spielen, kommt bislang aber nicht über die Reservisten-Rolle hinaus. Nur drei Kurzeinsätze mit insgesamt 45 Minuten stehen zu Buche, dreimal stand Richards gar nicht erst im Kader.

Joshua Zirkzee (FC Bologna, 8,5 Millionen Euro): Trotz starker Leih-Saison beim RSC Anderlecht (31 Torbeteiligungen in 47 Spielen) hatte Joshua Zirkzee im Sommer keine Perspektive bei den Bayern. Der Niederländer entschied sich trotz einer zuvor wenig erfolgreichen Leihe beim FC Parma (Februar bis Juni 2021), erneut für die Serie A und wechselte für 8,5 Millionen Euro zum FC Bologna. Bisher läuft es für ihn in Italien nicht rund, lediglich 30 Einsatzminuten in zwei Spielen hat der 21-Jährige zu verzeichnen.

Omar Richards (Nottingham Forest, 8,5 Millionen Euro): Nach nur einem Jahr in Deutschland kehrte Omar Richards zurück in seine Heimat England und wechselte für 8,5 Millionen Euro zum Aufsteiger Nottingham Forest. Aufgrund eines Beinbruchs fällt der 24-Jährige bis Mitte September aus und stand deshalb noch nicht im Kader seines neuen Klubs.

Lars Lukas Mai (FC Lugano, 1,6 Millionen Euro): Der Innenverteidiger kam bei den Bayern nie über den Status als Talent hinaus und wechselte zum FC Lugano in die Schweiz. Dort ist er unumstrittener Stammspieler und spielt in der Regel über die volle Distanz.


Christian Früchtl (Austria Wien, 500.000 Euro): Die Torwart-Position ist beim Rekordmeister seit über einem Jahrzehnt von Manuel Neuer besetzt, dementsprechend konnte Christian Früchtl keine viel versprechende Perspektive aufgezeigt werden, weshalb er nun in Richtung Österreich zum FK Austria Wien wechselte. Dort ist er von Beginn an Stammtorhüter und hat in neun Ligaspielen vierzehn Gegentore kassiert. Den Traum, die Nummer eins beim FC Bayern zu werden, gibt Früchtl allerdings nicht auf: "Das will ich immer noch."

Ron-Thorben Hoffmann (Eintracht Braunschweig, 300.000 Euro): Bei einer ähnlichen Ausgangslage wie Christian Früchtl musste sich auch der 23-jährige Ron-Thorben Hoffmann geschlagen geben. Im Tor bei den Bayern war kein Platz für Hoffmann, und so trieb es ihn zum Zweitliga-Aufsteiger Eintracht Braunschweig in der Hoffnung, auf mehr Spielzeit zu kommen. Bislang hat der Kapitän und Stammtorwart Jasmin Fejzic aber klar die Nase vorn, weshalb erst zwei Einsätze in der 2. Bundesliga für den gebürtigen Rostocker heraussprangen.

Adrian Fein (Excelsior Rotterdam, ablösefrei): Nach Leihen zu Dynamo Dresden und Greuther Fürth verließ Adrian Fein Deutschland und wechselte zum niederländischen Aufsteiger Excelsior Rotterdam. In der Eredivisie kam der zentrale Mittelfeldspieler in fünf von sieben möglichen Einsätzen zum Zug und und steht mit seinem neuen Klub derzeit auf dem zehnten Tabellenplatz.

Gabriel Vidovic (Vitesse Arnheim, Leihe): "Von Gabi halte ich unfassbar viel, er ist einer der talentiertesten Spieler in Deutschland auf seiner Position", schwärmte sein Trainer Julian Nagelsmann von Gabriel Vidovic. Damit der 18-Jährige Spielpraxis erhält, wurde er in die Niederlande zu Vitesse Arnheim verliehen. Zwar ist sein Verein mit nur einem Sieg aus sieben Spielen nicht gut in die Saison gestartet, Vidovic wird allerdings langsam an den Spielbetrieb herangeführt und durfte in drei Spielen auflaufen. Dabei gelang ihm bisher noch keine Torbeteiligung.

Malik Tillman (Glasgow Rangers, Leihe): Auch Malik Tillman wurde verliehen, damit er die nötige Spielzeit erhält. Für eine Saison schnürt er seine Schuhe für den Europa-League-Finalisten Glasgow Rangers und darf dort sogar Luft in der Champions League schnuppern. Bei den Schotten kam er bislang in zwölf Spielen zum Einsatz, in denen er drei Torbeteiligungen beisteuerte.

Bright Arrey-Mbi (Hannover 96, Leihe): Bright Arrey-Mbi gilt als großes Innenverteidiger-Talent und soll sich bei seiner Leihe nach Hannover weiterentwickeln. Bislang durfte der 19-Jährige lediglich eine Minute in der 2. Bundesliga spielen und muss in der Mannschaft von Stefan Leitl um Einsätze kämpfen.

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