20. November 2020 / 17:26 Uhr

LFC-Torwarttrainer Ingo Rausch: „Gibt Wichtigeres als Oberligafußball“

LFC-Torwarttrainer Ingo Rausch: „Gibt Wichtigeres als Oberligafußball“

Lars Sittig
Märkische Allgemeine Zeitung
Ingo Rausch trainiert seit diesem Sommer die Torhüter des Ludwigsfelder FC.
Ingo Rausch trainiert seit diesem Sommer die Torhüter des Ludwigsfelder FC. © Ottmar Winter
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NOFV.Oberliga Süd: Der Torwarttrainer des Ludwigsfelder FC gewährt Einblicke in die Arbeit des Ballfängerteams.

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Für das Wochenende hat Ingo Rausch wieder ein Programm vorbereitet, rechtzeitig hat die Trainings-App auf dem Smartphone die Einheit ausgespuckt. Ein paar Stabilisationsübungen für die Ballfänger des Ludwigsfelder FC, um sich fitzuhalten und die Koordination nicht zu verlieren. „Die Torhüter absolvieren den gleichen Trainingsplan wie die Feldspieler, aber es gibt zusätzlich noch ein kleines Extra-Programm, weil es doch eine ganz besondere Position ist“, sagt Ingo Rausch, der seit diesem Sommer das Torhütertrio Lucas Lindner, Alexander Ruge und Kevin Kunze in Form bringt.

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Eine Spezialeinheit quasi, die den Auftrag hat, die gegnerischen Angriffe auf der allerletzten Verteidigungslinie doch noch abzuwehren, wenn der Konkurrent schon mit Macht die Gefahrenzone erreicht hat. Die gemeinsamen Übungseinheiten sind zwar derzeit im Zuge der Maßnahmen gegen die weltweite Corona-Pandemie ausgesetzt worden, trotzdem steht Teamwork wie bei den Einheiten auf dem Trainingsplatz im Vordergrund. „Es ist mir sehr wichtig, dass wir einander auf Augenhöhe und mit Respekt begegnen und auch menschlich gut miteinander können. Wir telefonieren im Moment miteinander und tauschen uns aus“, sagt Ingo Rausch.

In Bildern: Das sind die Torfabriken des Fußballkreises Dahme/Fläming 2020/21.

Das sind die Torfabriken des Fußballkreises Dahme/Fläming 2020/21. Zur Galerie
Das sind die Torfabriken des Fußballkreises Dahme/Fläming 2020/21. ©

Der 44-Jährige war auf Alexander Thürmann gefolgt, der im Zuge der Trennung von Cheftrainer Volker Löbenberg den Club verlassen hatte. Die Aufgaben? „Ich bin ausschließlich für die Torhüter zuständig, aber wenn Chefcoach Aaron Müller oder Co-Trainer Sebastian Witte Unterstützung brauchen, packe ich natürlich mit an.“ Ein- bis zweimal pro Woche (Dauer jeweils 60 bis 90 Minuten) steht unter Rauschs Regie spezielles Torwarttraining am Waldstadion auf dem Programm, vor den Spielen die Erwärmung und ein analytisches Vorgespräch zur Vorbereitung auf den nächsten Konkurrenten.

„An der Aufgabe reizt mich auch, dass ich meine Erfahrungen, die ich in 32 Jahren als aktiver Torhüter gesammelt habe, weitergeben kann auf einer Position, die sehr viel abverlangt“, sagt Ingo Rausch, der von Zeit zu Zeit in der Ü40 von Hertha BSC kickt und auf eine lange Laufbahn in seiner Geburtsstadt Berlin und seiner Wahlheimat Teltow-Fläming zurückblicken kann. Nach seinem Umzug in die Kommune Großbeeren spielte er für den SV Grün-Weiß in der damaligen Kreisliga Dahmeland, zuvor unter anderem bei den Reinickendorfer Füchsen, Blau-Weiß 90 und Tasmania Berlin.

„Zu den herausragenden Erlebnissen zählen sicher zwei Finalteilnahmen im Berliner Pokal. Beide gingen zwar verloren gegen den FC Viktoria und den BFC Dynamo, aber schon der Weg in die Endspiele, als wir Ober- und Regionalligisten besiegt haben, war überragend. In Erinnerung geblieben ist auch der Aufstieg mit Tasmania in die Oberliga. Wir sind fünf Jahre angelaufen und haben es dann endlich geschafft, in den überregionalen Fußball zu gelangen“, erinnert er sich.

Als Torwarttrainer hatte er später unter anderem Engagements beim LFC (eine Saison), beim BSC Preußen Blankenfelde-Mahlow sowie in den vergangenen sechs Jahren beim früheren Bundesligisten SV Tasmania. „Ich war als Torhüter vor keinem Spiel so aufgeregt wie jetzt“, sagt Ingo Rausch, der als gelernter Polizist auch beruflich einen festen Zugriff gut gebrauchen kann. „Ich war nach dem Ende meiner Ausbildung als 19-Jähriger fast zehn Jahre Gruppenführer einer Hundertschaft“, berichtet er, „unsere dienstliche Verwendung waren beispielsweise Fußballspiele, Hooligangewalt sowie Demonstrationen. Danach war ich zehn Jahre bei der Kripo im operativen Dienst, unter anderem gegen Clan-, Rocker- und Jugend-Kriminalität. Jetzt bin ich seit einem Jahr, nachdem ich es mir lange gewünscht und darauf hingearbeitet habe, im Bereich der Prävention zuständig. Ich gehe beispielsweise an Schulen und mache ein Anti-Gewalttraining in vielen verschiedenen Varianten. Wir machen auch Elternabende, führen Gespräche und arbeiten mit Senioren. Die Palette ist sehr groß.“

Ein Job, der auch den Blick weitet für das Große und Ganze. „Wir sollten eine gewisse Demut haben, wie gut es uns geht und dass wir gesund sind. Viele haben Angst um ihre eigene Gesundheit, die ihrer Verwandten oder wirtschaftliche Sorgen – ich denke da an viele Selbstständige. Es gibt derzeit Wichtigeres als Oberligafußball.“ Einen Aufstieg in der Hierarchie, eine Rolle in der ersten Reihe, strebt Ingo Rausch nicht an: Die als Einsatzleiter des Torhüterteams passt genau.

„Torwarttrainer kann ich gut, da habe ich mich jetzt viele Jahre reingearbeitet. Chefcoach können andere besser, das kommt für mich nicht in Frage. Ich habe meinen Platz gefunden und auch einen geilen Verein, das kann man nicht anders sagen. Das betrifft das Umfeld mit den Fans, die das Team vorbildlich unterstützen, und die handelnden Personen, die alle sehr engagiert sind. Ich bin sehr froh, dass das alles so gut passt.“

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Auch LFC-Sportdirektor Philipp Karaschewitz ist froh, dass Ingo Rausch zum Team hinter dem Team am Ludwigsfelder Waldstadion gehört. „Ingo ist einer der selten gewordenen echten Typen, der sein Herz auf der Zunge trägt und man ihn das eine oder andere Mal in den Spielen bremsen muss. Er leistet sehr gute Arbeit, da er sehr akribisch arbeitet und genau weiß, was punktuell von Torhütern in der Oberliga erwartet wird.“