01. Juni 2018 / 11:19 Uhr

Lia Wälti erwartet emotionalen Schlussakkord bei Turbine Potsdam

Lia Wälti erwartet emotionalen Schlussakkord bei Turbine Potsdam

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
Duell der Kapitäninen: Lia Wälti (r.) gegen Melanie Behringer.
Lia Wälti (r., hier im Duell mit Bayern Münchens Melanie Behringer) verlässt Turbine nach fünf Jahren. © Jan Kuppert
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Kapitänin bestreitet gegen Sand ihr letztes Spiel für Turbine Potsdam. Verein feiert Fanfest am „Karli“.

Noch einmal geht es durch die Babelsberger Straßen hinauf zum Karl-Liebknecht-Stadion, noch einmal Schuhe schnüren in der Turbine-Kabine, dann als Erste raus aus dem Spielertunnel und rauf auf den grünen Rasen. „Es wird ein spezielles Spiel und sicher sehr emotional“, sagt Lia Wälti, die Kapitänin des Frauenfußball-Bundesligisten aus der Landeshauptstadt. Die 25-jährige Schweizerin, die fünf Jahre in Potsdam kickte, bestreitet beim Saisonabschluss am Sonntag (14 Uhr) gegen den SC Sand ihre letzte Partie im Turbine-Trikot. „Und ich bin froh, dass es ein Heimspiel ist“, sagt sie.

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Wie Teamkollegin Tabea Kemme verlängert Lia Wälti ihren Vertrag bei den Brandenburgerinnen nicht. Beide streben einen Wechsel ins Ausland an. „Es ist alles unterschrieben“, sagt die Spielführerin. Nur das Ziel wird noch nicht verraten. Nichts soll ablenken vom Moment des Abschieds, der seine Schatten schon vorausgeworfen hat. „Beim letzten Auswärtsspiel, in der letzten Trainingswoche, da macht man sich schon so seine Gedanken“, erzählt die Schweizer Nationalspielerin. Sie mache sich deshalb auf einen besonderen Nachmittag gefasst. „Ich werde versuchen, das alles so gut wie möglich zu genießen.“

In Bildern: Turbine gewinnt letztes Auswärtsspiel

Judith Steinert (l.) im Zweikampf mit Potsdams Felicitas Rauch, die gerade wieder in die Nationalmannschaft berufen wurde. Zur Galerie
Judith Steinert (l.) im Zweikampf mit Potsdams Felicitas Rauch, die gerade wieder in die Nationalmannschaft berufen wurde. ©

Und schließlich gehe es ja auch noch um etwas, betont Lia Wälti. Die Turbinen wollen sich am Sonntag ordentlich vom heimischen Publikum verabschieden, das sich auf ein großes Fanfest am „Karli“ freuen darf. Mit Hüpfburg, Tischkicker, Torwand und einer Autogrammstunde mit allen Spielerinnen nach dem Abpfiff. Diese wollen vorher ihren sportlichen Beitrag zur großen Party leisten. Auch wenn Platz vier in der Bundesliga sicher ist, sei die Spannung in der vergangenen Woche noch einmal hoch gewesen, betont die scheidende Turbine-Kapitänin. „Es geht nochmal um Punkte, da ist es egal, dass der Tabellenplatz schon feststeht“, sagt die Mittelfeldspielerin, die dabei auch schon weiterdenkt, an eine Turbine-Zeit nach Wälti und Kemme: „Wir wollen den Fans zeigen, dass sie in der nächsten Saison wiederkommen sollen. Ein Sieg zum Abschied, das wäre wunderschön.“

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Während Lia Wälti ihre Turbinen gegen die Gäste aus Baden-Württemberg, die als Tabellensiebter nach Potsdam kommen, nach einer Pause in der Vorwoche wohl noch einmal aufs Feld führen darf, bleibt Tabea Kemme beim emotionalen Schlussakkord nur die Zuschauerrolle. Seit 2006 spielt die Nationalspielerin an der Havel, ist die dienstälteste Spielerin des aktuellen Bundesliga-Kaders. Die Krücken konnte die 26-Jährige nach einem Knorpelschaden im rechten Knie zwar gerade wieder in die Ecke stellen, doch das 5:0 gegen Absteiger Jena im Februar wird ihr letztes Spiel im Turbine-Dress bleiben.

Abschied von zwei Aushängeschildern

Beide Spielerinnen, Aushängeschilder der vergangenen Jahre, werden am Sonntag im „Karli“ verabschiedet. Ihren Weggang hatten sie schon früh signalisiert. „Ich glaube, es war gut, dass so früh Klarheit herrschte“, sagt Lia Wälti rückblickend. Vor den Reaktionen habe sie etwas Angst gehabt, gibt sie zu – unbegründet, wie die vergangenen Wochen und Monate gezeigt haben. „Damit habe ich nicht gerechnet, es gab sehr viel positive Resonanz.“

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Bange ist ihr um den Verein nicht. „Es sind viele junge Spielerinnen dabei, die sich von Saison zu Saison weiterentwickeln können“, glaubt die Fußballerin. Für sie seien Abgänge wie der ihre auch eine Chance. „Sie können in solche Positionen hineinwachsen.“ Und natürlich werde sie deren Werdegang auch aus der Ferne weiter verfolgen.


Nach der Saison noch zum Nationalteam

Zurück ins Hier und Jetzt: Sand könnte mit einem Erfolg sogar noch den ehemaligen Branchenprimus vom 1. FFC Frankfurt überholen – das wollen die Potsdamerinnen mit einem eigenen Erfolg verhindern. Schließlich ist das auch für die Stimmung auf dem anschließenden Mannschaftsabend besser. Für einige Spielerinnen geht es danach noch zum Nationalteam. Lia Wälti wird ihren Turbine-Ausstand irgendwann noch einmal nachholen. „Das gehört sich so“, sagt sie.