29. Dezember 2020 / 15:50 Uhr

Licht und Schatten bei den Recken: Rückblick auf die bisherige Saison

Licht und Schatten bei den Recken: Rückblick auf die bisherige Saison

Simon Lange
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
TSV Hannover Burgdorf-Trainer Carlos Ortega sah eine wechselhafte Leistung seiner Recken in der bisherigen Saison.
TSV Hannover Burgdorf-Trainer Carlos Ortega sah eine wechselhafte Leistung seiner Recken in der bisherigen Saison. © Florian Petrow
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Die Handball-Recken sind die Wundertüte der bisherigen Saison in der Handball-Bundesliga. Auf glorreiche Siege folgen unerklärliche Pleiten. Von Konstanz keine Spur beim Team von Trainer Carlos Ortega. Die Recken stehen mit 14:16 Punkten im Mittelfeld der extrem schiefen Tabelle. Die Winterpause steht an – der SPORTBUZZER zieht Bilanz.

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Daheim eine Macht, auswärts schlaff. Potenzial ist da, aber die Konstanz fehlt: Die große Bilanz zur Winterpause.

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Die Inkonstanz

Sie ist der prägende Fakt dieser Saison. Die Recken schaffen es nicht, zwei Spiele am Stück zu gewinnen. Auch innerhalb der Spiele gibt es extreme Schwankungen. Da wurden große Rückstände aufgeholt oder große Vorsprünge verspielt. Eine kleine Ergebniskrise gab es: Zwischen dem 15. Oktober (Pleite in Berlin) und dem 29. November (Unentschieden in Essen) blieb die TSV fünf Spiele am Stück ohne Sieg. Aber darunter fielen drei Punkteteilungen.

Höhepunkt der bisherigen Saison: Die Recken feiern am 15. Dezember
 den epochalen 36:30-Heimsieg gegen die Rhein-Neckar Löwen. 
Höhepunkt der bisherigen Saison: Die Recken feiern am 15. Dezember den epochalen 36:30-Heimsieg gegen die Rhein-Neckar Löwen.  © Recken

Die Punkteverschenker

Apropos Punkteteilung – kein anderes Team verschenkte mehr Zähler und mögliche Siege als die Recken. Vier Unentschieden fabrizierte das Ortega-Team, gegen den Bergischen HC, die Eulen Ludwigshafen, TuSEM Essen und den HC Erlangen. Jedes Mal hatten die Recken den Sieg in der Hand, vergaben ihn aber durch eigenes Unvermögen. Sie kassierten entweder Tore in letzter Sekunde oder verpassten sie. Sie verspielten Vorsprünge in Rekordzeit – und ließen die Gegner jubeln. Mit vier Punkten mehr stünden die Recken mit 18:12 Zählern auf Rang sechs. Stattdessen: Mittelmaß.

Die Recken-Festung

Sie steht stabil – obwohl der TSV die Zuschauer fehlten. In den ersten drei Heimspielen waren noch bis zu 2000 Fans zugelassen. Die folgenden vier waren Geisterspiele. Nur die Partie gegen Balingen ging verloren, dazu kam das Unentschieden gegen den Bergischen HC. Ansonsten: nur Siege. Mit 11:3 Punkten haben die Recken die fünftbeste Heimbilanz der Liga.

Die Auswärtsschlaffis

Im Gegensatz zur Heimstärke steht die offenkundige Auswärtsschwäche. Den Recken gelang in der Fremde in acht Spielen nicht ein Sieg. Obwohl bei drei Spielen ein Erfolg greifbar nahe war. Alle drei Spiele endeten unentschieden. Bei den schweren Spielen in Kiel, Berlin und Magdeburg war für die Recken nichts zu holen.

Die Glanzpunkte

Die Recken erlebten ihre Höhepunkte erst im Dezember. Beim 31:25-Heimsieg gegen Göppingen zeigte die TSV die bis dahin beste Saisonleistung. Der zu der Zeit völlig überraschende Erfolg war der Befreiungsschlag nach zuvor fünf Spielen ohne Sieg und mangelndem Selbstvertrauen. Am 15. Dezember legten die Recken noch einen drauf. Der 36:30-Sieg gegen die Rhein-Neckar Löwen fand in ganz Deutschland Beachtung und war einer der wichtigsten in der gesamten Bundesliga-Historie der Recken. Die zwei Erfolge legten das riesige Potenzial der jungen Recken offen.

Tiefpunkt der bisherigen Saison: Trainer Carlos Ortega meckert während
 der 26:31-Pleite seiner Recken am 14. November in Stuttgart.
Tiefpunkt der bisherigen Saison: Trainer Carlos Ortega meckert während der 26:31-Pleite seiner Recken am 14. November in Stuttgart. © imago images/foto2press

Die Tiefpunkte

Neben den zahlreich verschenkten Punkten gab es auch zwei Spiele, bei denen die Recken nichts zu melden hatten. Zunächst bei der 26:31-Pleite in Stuttgart am 14. November. Erneut völlig chancenlos blieben die Recken im letzten Spiel vor der Winterpause – bei der 25:33-Pleite am Samstag beim SC Magdeburg.

Die Neuen

Filip Kuzmanovski und Johan Hansen sind noch nicht zu 100 Prozent in Hannover angekommen. Ihr Potenzial haben sie aber schon gezeigt. Weltmeister Hansen startete als Rechtsaußen stark, geriet dann aber in eine Schwächephase mit vielen Fehlwürfen (vor allem Siebenmeter). Zuletzt zeigte die Formkurve wieder nach oben. Kuzmanovski verpasste wegen einer Achillessehnenreizung einen Großteil der Vorbereitung, musste sich erst ins Team kämpfen. In der Abwehr erfüllt er nach und nach die Erwartungen. Im Angriff glänzt er vermehrt bei Kontern. Im Positionsangriff ist für den mitunter übereifrig wirkenden Spielmacher noch Luft nach oben. Rufen beide konstant ihr Können ab, werden diese Verpflichtungen noch zum klaren Erfolg.

Der Jugendstil

Viel Freude bereiten die jungen Spieler. Weil es keine Stars mehr gibt, bekommt der Nachwuchs um Martin Hanne, Veit Mävers, Vincent Büchner oder Hannes Feise aus der Recken-Schmiede viel Spielzeit. Der Schwede Alfred Jönsson (22, wird immer besser) und der vor allem offensiv überragende Kroate Ivan Martinovic (22, bester Recke bisher) tragen schon viel Verantwortung für ihr Alter – und werden ihr gerecht.

Die Abwehr

Zu Beginn der Saison musste sich die Defensive noch finden – klar nach dem Verlust der ordnenden Hand (Mait Patrail). Als dann auch noch Evgeni Pevnov zwischendurch länger ausfiel, bröckelte der Innenblock um Ilija Brozovic. Mittlerweile ist auf die Abwehr meist Verlass.

Die Offensive

Nach dem Abgang von Spielmacher Morten Olsen die Schwachstelle der Recken. Dabei mangelt es der Offensive nicht an Möglichkeiten. Chancen haben die Recken in jedem Spiel genug, sie nutzen sie nur viel zu oft nicht. Klar, einen neuen Olsen gibt es nicht. Mävers, Kuzmanovski und Jönsson müssen aber noch zulegen, um ihn dauerhaft auf mehrere Schultern verteilt zu ersetzen.

Die Torhüter

Hier müssen sich die Recken keine Sorgen machen. Urban Lesjak und Domenico Ebner wechseln sich im Kasten ab, je nach Form. Beide haben den Recken schon viele Punkte gesichert.

Der Ausblick

Dem jungen Team fehlen die Erfahrungen, Schwankungen sind die logische Folge. Die Saison ist noch lang. Das hilft den Recken, zu mehr Konstanz zu finden. Bleiben alle gesund, haben die Recken mit dem Kellerkampf nichts zu tun. Ein Platz im Mittelfeld ist locker drin – mit Tendenz nach oben. Von 15 Spielen waren nur zwei richtig schlecht. Bei 13 Partien hatten die Recken Siegchancen. Darauf lässt sich aufbauen.