26. September 2020 / 12:23 Uhr

Licht und Schatten zugleich: 96-Neuzugang Bijol ist noch lange nicht der Waldemar Anton

Licht und Schatten zugleich: 96-Neuzugang Bijol ist noch lange nicht der Waldemar Anton

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Neuzugang Jaka Bijol soll bei Hannover 96 die Rolle von Waldemar Anton übernehmen.
Neuzugang Jaka Bijol soll bei Hannover 96 die Rolle von Waldemar Anton übernehmen. © Martin Rose/Getty Images
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Der Auftritt von Neuzugang Jaka Bijol beim VfL Osnabrück war Licht und Schatten zugleich. Fest steht allerdings: Eine Kopie von Waldemar Anton bei Hannover 96 ist der Slowene sicher nicht.

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Von Moskau nach Osnabrück, von der Bank bei ZSKA in die Startelf von Hannover 96, von der ersten russischen in die zweite deutsche Liga. Ein weiter Weg für den Slowenen. Und es wird Zeit brauchen, bis Jaka Bijol sich an alle Umstellungen gewöhnt hat. Am Freitagabend sollte er eine Schlüsselrolle bei 96 übernehmen, die Waldemar Anton früher besetzte. Als Turm im Mittelfeld, als Stütze in der Rauten-Formation. Ob gut oder schlecht: Eine Kopie des alten Waldi ist Bijol sicher nicht. Freitag war das für 96 nicht so gut beim 1:2 in Osnabrück.

Ordnung geht nach Gegentreffer verloren

Den Gästen fehlte das aggressive Element und zugleich jemand, der alle durchschütteln konnte nach dem unglücklichen ersten Gegentreffer per Elfmeter. Bijol hätte dabei helfen können. Er geht ruhiger mit dem Ball um, streichelt ihn mehr, als dass er ihn prügelt. In der ersten halben Stunde gab der 21-Jährige dem Spiel eine Art Ordnung, die seine Mitspieler aber nach dem ersten Gegentreffer verloren.

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Kerk und Amenyido stoppen Bijol

Von seinen Balleroberungen und tiefen Pässen gingen auch die ersten 96-Torchancen aus. Aber Bijol kam nicht gut damit klar, dass Osnabrück ihn bewachte – Sebastian Kerk stand ihm auf den Füßen, und Etienne Amenyido nahm die Luftkämpfe gegen ihn auf. Zwei gegen einen – auch nicht gerecht, diese zweite deutsche Liga.

Bijol ging mit unter nach dem Videochaos und dem Rückstand. Als Antreiber für eine Aufholjagd trat Bijol nicht in Erscheinung.

Bijol muss sich "noch akklimatisieren"

Das scheint alles auch ein bisschen viel verlangt von einem 21-Jährigen, der die ruppige 2. Liga nicht kennt. Er müsse sich „noch akklimatisieren“, sagte Trainer Kenan Kocak in den Katakomben der Bremer Brücke. „Fürs erste Mal können wir mit ihm zufrieden sein. Er muss sich auch an den Automatismus gewöhnen.“ Vor allem sein Positionsspiel gefiel Kocak nicht in jeder Szene.

Jetzt kommt Braunschweig

In einer Woche kommt der härteste Gegner, den die Liga für Hannover 96 im Spielplan parat hat. Eintracht Braunschweig. Der Druck, sagte Kocak, sei nicht gewachsen nach der Niederlage in Osnabrück. „Wenn wir gewonnen hätten, wären wir genauso in das nächste Spiel gegangen“, sagt er. Man müsse einfach aus dem Osnabrück-Spiel „Lehren ziehen“. Bijol braucht Hilfe, die des Trainers und die der Mitspieler, um seine körperliche Dominanz auch spielerisch einzubringen.

Bijol hatte ziemlich genau angekündigt, wie lange er braucht: „Zwei Spiele“, hatte er gesagt, dann sei er bei 100 Prozent. Ob er das zweite Spiel sofort bekommt und ob er aktuell der richtige wäre als Turm im Zentrum eines Derbys – das wird Kocak sich genau überlegen.

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