09. April 2021 / 14:32 Uhr

Lichtblicke für den Amateurfußball - Ein Sinnbild aus Dresden

Lichtblicke für den Amateurfußball - Ein Sinnbild aus Dresden

Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
Sebastian Türk, Fußball-Abteilungsleiter von Motor Trachenberge, wartet auf dem Sportplatz Aachener Straße in Dresden auf den Wiederbeginn.
Sebastian Türk, Fußball-Abteilungsleiter von Motor Trachenberge, wartet auf dem Sportplatz Aachener Straße in Dresden auf den Wiederbeginn. © Stefan Schramm
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Weiterhin haben die Amateurfußballer Zwangspause. Doch immerhin der Nachwuchs darf wieder trainieren – wenn auch mit Einschränkungen. Ein Verein aus Dresden spiegelt die Situation vieler Klubs in ganz Deutschland wieder. Zwischen Hoffnung, Dankbarkeit und Existenzangst.

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Nach der im März 2020 pandemiebedingt abgebrochenen Vorjahressaison starteten die Fußballer von Motor Trachenberge im September voller Optimismus in die neue Spielzeit. Nach einem halben Jahr Pause endlich wieder Stadtliga-Fußball in Dresden! Doch nach dem Spiel am 1. November 2020 gegen die SG Bühlau war erneut Schluss. Das Virus forderte wiederholt seinen Tribut. Am Sonntag steht eigentlich schon wieder die Rückrundenpartie gegen die Bühlauer auf dem Plan, aber bis auf Weiteres hat der Stadtverband alle Spiele abgesagt und ein Szenario für den Saisonabbruch ist vorbereitet.

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Seit mittlerweile über fünf Monaten rollt im Erwachsenenbereich bei den Amateuren kein Ball mehr. Mannschaftstraining ist verboten, Spiele sowieso. Eine schwierige Situation für den Verein und seine rund 500 Mitglieder in verschiedenen Sportarten, darunter über 300 Kicker, die alles zusammen aber gut meistern. Weniger als zehn Spieler hätten sich in der Zeit des Stillstands abgemeldet, erzählt Fußball-Abteilungsleiter Sebastian Türk – und das, obwohl aufgrund laufender Kosten weiterhin Mitgliedsbeiträge fällig waren. „Wir hatten sie als Zugeständnis nur mal für zwei, drei Monate ausgesetzt, selbst da hat aber die Hälfte der Leute freiwillig weiterbezahlt“, freut sich der 37-Jährige.

Ein Dankeschön für alle Mitglieder

Als kleine Geste für diese Treue hatte er sich mit seinen Vorstandskollegen etwas ausgedacht: für jedes Mitglied eine Dankeschönkarte und einen Schlüsselanhänger mit dem Vereinslogo. „Den haben wir aus Kostengründen privat mit dem 3D-Drucker hergestellt. Das Ding lief über eine Woche lang Tag und Nacht“, feixt Sebastian Türk, der zudem Spielertrainer der zweiten Männermannschaft sowie Schiedsrichter ist. Seine ebenfalls für den Verein engagierten Eltern verteilten die kleinen Präsente dann über mehrere Tage im März an alle Mitglieder. „Sie haben viele getroffen, die sich sehr darüber gefreut haben.“ Die ersten persönlichen Kontakte nach mehreren Monaten Funkstille, wo man sich doch sonst fast jede Woche gesehen hat.

Die laufende Saison habe der Abteilungsleiter so gut wie abgehakt, auch wenn es vom Stadtverband noch nichts Offizielles dazu gibt. „Angekündigt war, dass wir vor einem Wiederbeginn der Spiele zwei, drei Wochen Trainingszeit bekommen. Laut Plan sollte zumindest die Hinrunde abgeschlossen werden, damit die Saison ordentlich gewertet werden kann. Danach sieht es aber nicht aus“, weiß Sebastian Türk um das aktuelle Infektionsgeschehen. Die endgültige Entscheidung hat der Verband für den 17. April angekündigt. Die spielleitenden Ausschüsse vom SFV haben bereits ein Szenario zum Saisonabbruch erarbeitet.

Endlich wieder Fußball

Im Nachwuchsbereich der SG Motor laufen die Planungen für die nächste Saison ohnehin schon auf Hochtouren. Bei den Junioren gibt es auch die ersten Lichtblicke. Schon seit 8. März dürfen die G- bis C-Jugendlichen mit Einschränkungen wieder gemeinsam trainieren, das betrifft die Allerjüngsten bis zu den 14-Jährigen. Und seit dieser Woche trainieren auch A- und B-Jugend. „Nur kontaktfrei, erlaubt sind zum Beispiel Torschuss, Passspiel und Kondition. Zweikämpfe sind tabu“, erklärt Nachwuchsleiter Tom Dittrich und freut sich: „Dass wir jetzt überhaupt was machen dürfen, ist ein Schritt in die richtige Richtung.“

Weil der angestammte Rasenplatz der Trachenberger an der Aachener Straße witterungsbedingt noch nicht nutzbar ist, weichen sie auf einen kleinen Nebenplatz auf dem Gelände sowie auf den Sportplatz Neuländer Straße, ebenfalls im Stadtteil Trachau, aus. Jeden Nachmittag sieht man dort nun wieder Nachwuchsfußballteams. Über die Anwesenheit der Spieler wird exakt Buch geführt, um im Notfall Kontakte nachverfolgen zu können. „Die Spieler kommen und gehen in ihrer Trainingskleidung. Umziehen und Duschen ist nicht möglich“, schildert Tom Dittrich die Situation, die jedoch allemal besser sei als im Winter, denn: „In der langen Pause gab es höchstens Laufwettbewerbe und individuelle Trainingspläne.“

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Infektion überstanden

Währenddessen sind die Vereinsmitglieder nach Kenntnis von Sebastian Türk aber wenigstens von Covid-19-Infektionen verschont geblieben. Nur den Abteilungsleiter selbst hat es erwischt: „Meine Frau und ich hatten es in der Adventszeit. Wir waren vier, fünf Tage richtig krank, dann ging es wieder besser. Das war schon heftig, weil wir nicht wussten, in welche Richtung es sich entwickelt“, erinnert er sich. Längst sei er wieder vollständig genesen. Fiebern würde er höchstens dem Wiederbeginn des Spielbetriebs entgegen, auch wenn er aktuell nicht absehbar sei: „Wir hoffen, dass es endlich wieder losgeht. Alle haben unheimlich Bock darauf.“