17. April 2020 / 17:58 Uhr

Lieber keine Spiele als Geisterspiele? Wolfsburg-Fans sind geteilter Meinung

Lieber keine Spiele als Geisterspiele? Wolfsburg-Fans sind geteilter Meinung

Andreas Pahlmann und Henning Kampen
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Ultras wollen keine Geisterspiele - die VfL-Fans sind geteilter Meinung
Ultras wollen keine Geisterspiele - die VfL-Fans sind geteilter Meinung
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Ultraguppen haben die geplante Austragungen von Geisterspielen in der Fußball-Bundesliga scharf kritisiert. Die Fans des VfL Wolfsburg sind da geteilter Meinung.

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Sind Geisterspiele wirklich sinnvoll? Seit klar ist, dass die Bundesliga Mitte Mai - wenn überhaupt - nur ohne Fans auf den Rängen stattfinden kann, läuft die Diskussion. Die Ultra-Szene hat sich jetzt klar positioniert. In einer auch von den Ultras des VfL Wolfsburg via Facebook verbreiteten Meldung der "Fanszenen Deutschland" heißt es, dass eine mögliche Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Profifußball geäußert "blanker Hohn gegenüber dem Rest der Gesellschaft" sei. Weiter heißt es: "Fußball hat in Deutschland eine herausgehobene Bedeutung, systemrelevant ist er jedoch ganz sicher nicht. Beschränkungen, die für vergleichbare Bereiche der Sport- und Unterhaltungsindustrie gelten, müssen auch im Fußball Anwendung finden." Darum müsse die "Quarantäne für den Fußball" weitergehen.

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Also lieber keine Spiele als Geisterspiele? Die Wolfsburg-Fans sind da geteilter Meinung. "Ein Geisterspiel ist aus meiner persönlichen Sicht wenig attraktiv", sagt Benjamin Rabe, Vorsitzender des Fanklubs "Just Wob": "Nur zu Ende zu spielen, um auf Ergebnisse zu kommen, Sponsorenverträge einzuhalten... Da muss man muss doch mal überlegen, wofür der Fußball eigentlich gespielt wird. Es hinterlässt bei mir einen faden Beigeschmack, dass die Fans nicht so wichtig sind." Das Argument der Ultras, dass im Profifußball für die Ausführung etwa 20.000 CoVid19-Test benötigt werden, die an anderer Stelle fehlen könnten , macht Rabe nachdenklich: "Wenn die Tests bei anderen Menschen fehlen, dann wird die gesamte gesellschaftliche Toleranz für den Profifußball sinken."

"Die müssen das machen, das ist ihr Job"

Philip Henkel, Vorsitzender der VfL-Fan-Dachverbands "Supporters", glaubt an die Umsetzbarkeit von Geisterspielen: "Die müssen das machen, das ist ja schließlich ihr Job. Das ist ein Wirtschaftsunternehmen, dann kann man gar nicht anders entscheiden." Dass Spiele ohne Zuschauer keinem Spaß machen, sei klar - aber: "Jedem von uns macht die Arbeit ja auch manchmal keinen Spaß." Für ihn wichiger Nebenaspekt: "Es muss gespielt werden, weil die Vereine total von den TV-Geldern abhängig sind - dieses ungesunde System kommt jetzt endlich mal deutlich zum Vorschein."

"Menschen bangen um ihren Job"

Für Horst-Dieter Naussed, Vorsitzender der Altmark-Wölfe, wären Geisterspiele aus persönlicher Sicht "nicht zufriedenstellend" - durch die wirtschaftliche Lage der Vereine würde er eine Austragung ohne Zuschauer aber befürworten: "Dort müssen Leute bezahlt werden. Auf der Geschäftsstelle und im gesamten Verein sitzen viele Menschen, die auch jeden Tag ihr Geld verdienen möchten. Das sind viele tausend Arbeitsplätze und die Menschen bangen auch um ihren Job." Gleichzeitig sieht Naussed die bedrohliche Situation für viele Vereine als Chance für die Zukunft. "Man sollte den Fußball in einen normalen Bereich zurückholen, denn die Summen sind ja wirklich nicht mehr normal."

Geisterspiele würden "faden Beigeschmack" hinterlassen

Thomas Schneider, Vorsitzender des Fanklubs "Schlemmerbrüder", ist gegen die Austragung von Geisterspielen. "Kein Fußballfan möchte ein Geisterspiel ansehen. Es fehlen die Emotionen, die Leidenschaft, das macht keinen Sinn." Sören Henke, Vorsitzender der "Meilenwölfe" vertritt die gleiche Meinung: "Generell haben Geisterspiele für mich mit professionellem Fußball wenig zu tun."

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Für Lothar Hilmer, Vorsitzender Aller-Ohre-Wölfe, ist dagegen klar: „Ich schaue lieber Geisterspiele, als gar keinen Fußball. Ich würde natürlich gerne live dabei sein, aber man will doch auch die Saison zu Ende bringen. Es bringt doch auch für die Vereine aus wirtschaftlicher Sicht absolut nichts, gar nicht zu spielen. Denn dann fehlen so auch die ganzen Einnahmen aus den TV-Geldern.“