10. Dezember 2021 / 11:11 Uhr

Liga der langen Wege: Regionalkreisoberliga verlangt E-Junioren einiges ab

Liga der langen Wege: Regionalkreisoberliga verlangt E-Junioren einiges ab

Wilko Finke
Leipziger Volkszeitung
Döbeln Fußball-Regionalkreisoberliga, E-Junioren: Döbelner SC - RB Leipzig II
Der Döbelner SC (weiße Trikots) hält in dieser Szene gegen die Truppe von RB Leipzig II dagegen. © Sven Bartsch
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Zwischen politischen Reformen und langen Anfahrtswegen: In der Regionalkreisoberliga treten seit einem Jahrzehnt Nachwuchsteams aus drei Kreisverbänden gegeneinander an. Wir werfen einen Blick auf die Historie der Spielklasse.

Zwei politische Kreisreformen gingen auch am regionalen Fußball nicht spurlos vorbei. Der Zusammenschluss der Kreise Wurzen und Grimma zum Muldentalkreis (1994) und danach die Bildung des Landkreises Leipzig (2008/Muldental mit Borna) hatten auch zur Folge, dass sich der Name der Fußballverbände änderte. Betroffen von diesen Änderungen war im speziellen Fall auch die Altersklasse der E-Junioren, die fortan in der Regionalkreisoberliga gegen den Ball traten.

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Bis zum Spieljahr 1999/2000 mussten Mannschaften auf Kreisebene noch keine großen Fahrwege zum Auswärtsspielort zurücklegen. In den jeweiligen Kreisligen (Wurzen, Grimma, Borna, Döbeln) wurden die Meister und Pokalsieger ermittelt. Mit der Gründung des Fußballverbands Muldental änderte sich das, weil ab 2000/01 die Lorbeeren auf Gesamt-Muldentaler Ebene erobert werden mussten.

Äquivalente Bezirksliga-Variante

Zehn Jahre später kam es zur Gründung des noch mal um einiges größeren Fußballverbandes Muldental/Leipziger Land. Nun kämpften auch Teams der Bornaer und Döbelner Region um die Trophäen. Neben den Kreisligen A und B wurde eine zusätzliche Spielklasse ins Leben gerufen – die Regionalkreisoberliga der E-Junioren.

Die Bezirksliga gab es bekanntlich nicht mehr Im Vorfeld der Saison 2011/12, eigentlich konnte nur auf Kreisebene gekickt werden. Deshalb kamen Trainer einiger leistungsorientierter Mannschaften auf die Idee, eine äquivalente Bezirksliga-Variante zu etablieren. Mit dem Ziel, dass die Teams gegen etwa gleich starke Gegner richtig gefordert werden.

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Abstimmung entscheidet

Der Tenor lautete: „Es bringt keiner Mannschaft was, wenn eine hoch gewinnt und die anderen chancenlos verlieren.“ Damit war die Basis für viel Gesprächsstoff geschaffen. Es gab auch einige Vereine, die sich mit der Idee nicht so richtig anfreunden konnten. Letztlich kam es zu einer Abstimmung, die unentschieden ausging. Das Zünglein an der Waage war der damalige Präsident des sächsischen Fußballverbandes. Klaus Reichenbach meinte: „So schlecht ist die Idee doch gar nicht. Warum sollte man das Pilotprojekt im Keim ersticken?“

Der Häuptling hatte gesprochen. Und so kam es, dass aus vier Bezirksliga-Staffeln zwölf Mannschaften aus den Kreisverbänden Leipzig, Nordsachsen und dem Muldental/Leipziger Land in ihre Premierensaison gingen. In dieser kam Lok Leipzig (59 Punkte) vor der SG Leipzig Leutzsch (57) und dem FC Eilenburg (51.) als Erster ins Ziel.

Die regionalen Vertreter gingen leer aus: 5. FC Grimma (37), 7. Bornaer SV (31), 10. Döbelner SC (18/DSC), 12. TuS Pegau (1/Abstieg).

Ab der Saison 2012/13 griff auch der Nachwuchs von RB Leipzig, antretend mit dem jüngeren U10-Jahrgang, ins Geschehen ein. Die Messestädter eroberten Bronze (53), Gold ging an Rotation Leipzig (67), Silber an Lok. Erneut gab es für die Vertreter des Fußballverbandes Muldental/Leipziger Land kein Edelmetall: 5. Döbelner SC (37), 8. Borna (32), 9. Grimma (30), 11. Frankenhain/Flößberg (22).

Erstes Edelmetall

2013/14 wurden weder der FC Grimma (4./45), noch der Bornaer SV (7./31) bestes Team des hiesigen Kreisverbandes. Das erste Edelmetall gewann die SG Frankenhain/Flößberg (3./50). Auf Platz neun kam Neuling Einheit Frohburg ein (15). Neun Punkte (12.) reichten dem Döbelner SC nicht zum Klassenerhalt, Eilenburg (1./55) gewann vor Lok Leipzig (2./53) den Siegerpokal.

Ein Jahr später (14/15) ließ Lok Leipzig (1./55) nichts anbrennen, der RB-Nachwuchs folgte mit vier Punkten Rückstand (51), der FC Grimma stand erstmals auf dem Podest (3./46.). Frankenhain/Flößberg (7./34) landete im Mittelfeld, Pegau und Borna schafften den Klassenerhalt (8./34 und 9./14), den der BSV Einheit Frohburg (12./4) nicht packte.


In der Saison 2015/16 dominierten zwei Vertretungen. Schon mehrere Spieltage vor Saisonende stand fest, dass Borna (1./58) und Grimma (2./56) von Lok Leipzig (3./43) nicht mehr überholt werden können. Der Döbelner SC (9./24) entging dem sportlichen Abstieg, die SG Frankenhain/Flößberg (12./4) konnte die Klasse nicht halten.

Ringelnatzstädter mühten sich umsonst

Das Spieljahr 2016/17 dominierte Lok Leipzig (63). Der Döbelner SC schaffte mit Platz zwei (49) seine bislang beste Platzierung in dieser Liga. Bronze erkämpfte die U10 von RB Leipzig (47). Einen beachtlichen vierten Rang schaffte Aufsteiger Roßweiner SV (46). Eine durchwachsene Saison spielten der FC Grimma (7./33) und der Bornaer SV (9./13). Der SV Panitzsch-Borsdorf, eine Gemeinschaft, die im Muldental beheimatet ist, qualifizierte sich über den Leipziger Kreisverband und beendete diese sportliche Herausforderung auf Platz neun (12).

2017/18 war für ein Jahr Frisch Auf Wurzen (12./11) mit dabei. So sehr sich die Ringelnatzstädter mühten, ihnen gelang der Klassenerhalt nicht. RB Leipzig (66), Lok Leipzig (52) und der FC Eilenburg (49) schafften den Podestbesuch. Der Döbelner SC (5./38), FC Grimma (6./31) und Bornaer SV (8./23) sicherten das Liga-Dasein auch für 18/19.

In eben dieser Saison 18/19 trat RB Leipzig mit der U 11/II an. Dass diese Vertretung Meister wurde, überraschte keinen. Lok Leipzig sicherte sich Silber (57), der FC Grimma schaffte erneut einen Platz auf dem Treppchen (3./40), den der Bornaer SV (4./39), nur knapp verpasste. Dem Döbelner SC reichten 28 Zähler für Rang acht.

Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand, dass es in den nächsten zwei Spieljahren (19/20 und 20/21) aufgrund von Corona zu Saisonabbrüchen kommen sollte. Was 2021/22 bringt, steht in den Sternen. Noch besteht die Hoffnung, die ausgefallenen Begegnungen nachzuholen.

Lok dampft an die Spitze

Das würde insbesondere die Trainer von Lok Döbeln freuen. Denn auf Platz eins liegend (aktuell 24 Punkte) führen sie die Tabelle an. Olympia Leipzig (21) verfolgt das Team aus dem Altkreis Döbeln. Der Bornaer SV hat noch Sichtkontakt (18). Der FC Grimma (9./6), der bis jetzt durchgängig in dieser Spielklasse vertreten ist, muss sich anstrengen, wenn das so bleiben soll.

Fußball Regionalkreisoberliga E-Junioren: Der Bornaer SV besiegt den FC Grimma mit 6:2. Bornas Timo Kaps  erzielte in der 28. Spielminute das 5:0 gegen Grimma. Foto: Thomas Kube
Die Nachwuchskicker aus Borna (links) und Grimma (rechts) halten bis zur Unterbrechung voll dagegen. © Thomas Kube

Der Döbelner SC (11./0) will die Spielpause nutzen, um neuen Schwung holen. Und dann in der hoffentlich fortgesetzten Saison wenigstens vor der Abstiegsregion ins Ziel zu kommen.

Es gab in der Liga-Historie einige Siege, die mit 20 Toren Unterschied und mehr ausgingen. 16/17 gewann der Döbelner SC gegen Kickers Markkleeberg mit 29:1, Lok Leipzig gegen Borna mit 20:0. An den hohen Siegen war auch der FC Grimma beteiligt: 14/15 siegte er 20:0 bei Rotation Leipzig, zu Hause 25:0 gegen Einheit Frohburg – um nur einige Resultate zu nennen.

Nicht mehr wegzudenken

Aufstiege im Nachwuchs werden meist durch die Spieler des älteren Geburtsjahrgangs erobert. Diese wechseln aber bekanntlich anschließend in die höhere Spielklasse. Und die Mannschaft, die bleibt, verliert an Leistungsstärke. Dann steht oft die Frage: Aufsteigen oder nicht? In der Geschichte der Liga gab es durchaus auch Vertretungen, die auf den Aufstieg verzichteten – oder sich freiwillig aus der höheren Klasse zurückzogen.

Fakt ist: Die Regionalkreisoberliga der E-Jugend ist aus dem Fußballverband Muldental/Leipziger Land nicht mehr wegzudenken. Die Hallenmeisterschaften bei den E-Junioren werden ligaintern ausgetragen. 2016/17 gelang dem Roßweiner SV ein großer Coup, als er in Falkenhains neuer Sporthalle die hoch dotierte Konkurrenz hinter sich ließ.

Halle 16-17 E-Jugend RKO Döbelner SC weiß - Roßwein blau_2
In der Saison 2016/17 gelingt den Roßweiner Kickern in blau der ganz große Wurf unterm Hallendach. © Finke

Im Pokal nehmen die Mannschaften übrigens am Wettbewerb ihres Kreisverbandes teil. Dort bekamen die Vertreter der Regionalkreisoberliga mitunter durchaus zu spüren, dass einige der auf Kreisebene beheimateten Teams auch für Überraschungen gut sind.

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