24. Juni 2019 / 10:12 Uhr

Ligakrösus FC Grimma feiert den Aufstieg

Ligakrösus FC Grimma feiert den Aufstieg

Matthias Wohllebe
Leipziger Volkszeitung
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So sehen Sieger aus: Sachenmeister und Oberliga-Aufstieger FC Grimma lässt es im Stadion der Freundschaft gemeinsam mit seinen Fans krachen. © hanni
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Oberliga-Aufsteiger FC Grimma begeistert beim 9:2 gegen Glauchau nochmals seine Fans und verabschiedet vier Spieler

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Grimma. Es war eine schwere Landesliga-Saison, und die Muldentaler haben sie bei ihrer rauschenden Aufstiegsfeier mit einem 9:2-Sieg gegen Empor Glauchau gekrönt. Mit dem 30. Spieltag endete am Sonnabend die Saison 2018/19 für den FC Grimma. Bereits seit vier Spieltagen war die Meisterfrage der Sachsenliga geklärt, und die Männer von der Mulde waren rechnerisch nicht mehr von der Spitze zu verdrängen. Als Schiedsrichter Gunnar Stary um 16:47 Uhr die Partie gegen Absteiger Empor Glauchau abgepfiffen hatte, wurde den FC-Kickern erst so richtig klar: Sie haben in dieser Saison Historisches geschafft!

Mit 21 Siegen, fünf Unentschieden und nur zwei Niederlagen haben die Grimmaer in Sachsens höchster Spielklasse den Titel errungen und den Aufstieg in die Oberliga gesichert. Wenn man die zwei Siege gegen Olbernhau hinzu nimmt, konnten die Mannen von Trainer Alexander Kunert sogar in 30 Spielen 23-mal als Gewinner vom Platz gehen. Auf Grund des Rückzuges des SVO kurz vor Saisonende wurden diese beiden Ergebnisse allerdings annulliert.

JETZT Durchklicken: Die Bilder von der Meisterfeier des FC Grimma!

9:2 gegen Absteiger Empor Glauchau: Der FC Grimma feiert die Meisterschaft und den Aufstieg in die Oberliga. Zur Galerie
9:2 gegen Absteiger Empor Glauchau: Der FC Grimma feiert die Meisterschaft und den Aufstieg in die Oberliga. ©
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Seit 2009 gibt es den FC Grimma, der seither als Nachfolgeverein der ausgegliederten Fußballabteilung des SV 1919 agiert. Der Aufstieg in diesem Jahr ist zehn Jahre nach der Gründung der größte Erfolg des noch jungen Vereins. Als die beiden Kapitäne des FC Grimma, Stefan Maruhn und Jan Evers, aus den Händen vom Präsidenten des sächsischen Fußballverbandes, Hermann Winkler, den Meisterpokal entgegen nahmen, brachen unter Verantwortlichen, Trainern, Spielern und Fans alle Dämme. Endlich konnten sie den Lohn ihrer harten Arbeit in den Händen halten.

Im letzten Sommer, als nach dem Schlaganfall des Vorsitzenden und „Mister FC Grimma“, Egon Pape, der kommissarisch eingesetzte Frank Weike die Zügel des Vereins in die Hand nahm, hatten selbst die kühnsten Optimisten nicht ernsthaft an diesen Erfolg geglaubt.

Viele Baustellen beackert

Mit der Installation eines neuen Trainerteams und der einhergehenden Verjüngung des Kaders setzte man auch nach außen klare Zeichen zur Ausrichtung des Vereins. Weike hatte von der ersten Minute an viele Baustellen zu beackern, denn neben der sportlichen Komponente standen weitere wichtige Entscheidungen an. Durch den Verzug beim Stadionneubau und dem schon begonnenen Rückbau des Stadions der Freundschaft mussten einige Kompromisse hingenommen und den Sportlern vermittelt werden. Das Training der Männermannschaft fand meistens im sogenannten „Käfig“ statt, wo vor Jahren noch die Tennisfreunde ihrer Sportart frönten. Neben dem für Fußballer nicht ausgelegten Untergrund war auch die Größe der Fläche das Hauptproblem – manches Handtuch im Mallorca-Urlaub war da größer. Während des Winterhalbjahres gestatteten zudem die Sportfreunde der SG Kössern den Landesligakickern (zumindest einmal pro Woche), ihre Sportanlage flussaufwärts an der Mulde fürs Training zu nutzen. Auch beim Neubau an der Lausicker Straße lief nicht alles nach Plan, und Weike dürfte die ein oder andere schlaflose Nacht verbracht haben. Aber auch diese Probleme konnten gelöst werden, auch weil er wichtige Mitstreiter um sich herum wusste. Nicht nur das Team auf dem Platz funktionierte. FC-Trainer Kunert unterdessen trotzte allen Widrigkeiten und auch seinen Kritikern. Die Mannschaft spielte sich in einen Rausch und holte Siege über Siege.

In der Rückrunde ungeschlagen

Am Ende des Krieges werden die Toten gezählt, am Ende der Saison die Punkte. So martialisch und unangemessen dieser Spruch auch wirken mag, zutreffender kann man die Rückrunde in Grimma nicht beschreiben. Keiner Mannschaft gelang es in den 15 Spielen, die FC-Mannen zu schlagen. Auch wenn es manchmal fußballerisch nicht die feinste Kost war, ergebnistechnisch waren die Kunert-Schützlinge gnadenlos. Und deshalb erhielten sie am Ende auch verdient von Hermann Winkler die Trophäe.

Das Spiel gegen Glauchau war eingebettet in die Meisterfeierlichkeiten und das Vereinsfest des FC Grimma. Neben den treuen Grimmaer Fans wurden auch ehemalige Spieler und Funktionäre sowie Gäste aus Sport und Politik im Stadion der Freundschaft begrüßt. Sie sahen eine Grimmaer Mannschaft, die sich zum Saisonabschluss nochmals von ihrer besten Seite zeigte.

Permanentes Angriffsfeuerwerk

Von der ersten Minute an setzten die Kunert-Schützlinge das um, was ihr Trainer von ihnen immer verlangt. Bereits nach fünf Minuten spielte Kevin Ruppelt seinen Mannschaftskameraden Kevin Wiegner im Strafraum frei, der seinen Gegenspieler umkurvte und zum Führungstreffer einschoss. Nur eine Minute später war es Robin Brand, der sich wieder einmal in die Torschützenliste eintragen konnte (6.). Wiegner hatte früh die Entscheidung auf dem Fuß, einmal schoss er das Spielgerät über das Tor (11.), später scheiterte er nach einem Querpass frei vor Tom Seyfarth (18.). Ruppelt machte es eine Minute später besser – 3:0 (19.).

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Grimma drückte die passiven Glauchauer tief in ihre Hälfte. Als nach einer Jackisch-Flanke Andreas Streubel am langen Pfosten an den Ball kam, hatte viele der Zuschauer den erneuten Torschrei auf den Lippen (36.). Er konnte aber den Ball nicht unter Kontrolle bekommen. Als Jackisch auf Wiegner in den Strafraum durchsteckte, verhinderte Seyfarth den vierten Treffer nicht (38.). Ruppelt wollte auf den Grimmaer Goalgetter Jackisch durchstecken, der Pass wurde aber durch ein Glauchauer verhindert. Der abgeprallte Ball landete vor den Füßen von Ruppelt, der direkt abschloss und zu seinem zweiten Treffer kam (39.). Als Wiegner bis zur Grundlinie durchbrach und auf Jackisch zurücklegte, vollstreckte dieser zum halben Dutzend (42.). Vor dem Halbzeitpfiff vollendete Michel Schwarz nach Ruppelt-Flanke zum 7:0 (45.).

Im zweiten Spielabschnitt ließen es die FC-Akteure etwas ruhiger angehen. Ruppelt machte dennoch kurz nach Wiederanpfiff das 8:0 (48.). Toby Ammon konnte auf Glauchauer Seite noch verkürzen: zunächst markierte er das 1:8 (57.) und später das 2:9 (74.).

Jackisch knackt 30-Tore-Marke

Zwischenzeitlich hatte Jackisch seinen zweiten Treffer erzielt (58..) Der FC-Topscorer erreichte mit seinem verwandelten Elfmeter und seinem zweiten Treffer an diesem Tag noch etwas Besonderes – sein 30. Landesliga-Tor in dieser Saison. Der aus Waldheim stammende Jackisch hat anicht vergessen, wo er herkommt. Nach seinem Treffer präsentierte er ein unter seinem Trikot platziertes T-Shirt mit der Aufschrift „100 Prozent Richtzenhain“. Diese Hommage an seinen Ausbildungs- und Herzensverein SV Aufbau Waldheim zeigte menschliche Größe.

Hätten die Gäste aus Glauchau nicht die bittere Erkenntnis gewonnen, den schweren Gang in die Landesklasse antreten zu müssen, hätte es in Grimma nur Gewinner gegeben.

Auf Grimmaer Seite wurden vier Spieler verabschiedet. Neben den Abgängen von Georgios und Christos Pascho wiegen die Verluste von Dennis Radig und Jan Evers besonders schwer. Radig hatte nach einer schweren Knieverletzung nur kurz zurück zum Team gefunden, ehe es ihn im Training mit dem anderen Knie erwischte.

Mit Jan Evers verlässt ein echter Grimmaer den FC. Acht Jahre hat er das Vereins-Emblem auf der Brust getragen und in dieser Saison als Kapitän die Aufstiegsmannschaft zu ihren Erfolgen geführt. Evers trägt das Herz auf der Zunge und ist Vorbild und Identifikationsfigur. Mit seiner Persönlichkeit ist der Torwart nur sehr schwer zu ersetzen.

Die Muldestädter feierten bis tief in die Nacht gemeinsam mit ihrem Anhang die historische Saison.

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