03. Juni 2020 / 16:15 Uhr

Ligastart: MSC Groß Bülten nimmt im Renn-Simulator Platz

Ligastart: MSC Groß Bülten nimmt im Renn-Simulator Platz

Lukas Everling
Peiner Allgemeine Zeitung
Malena Rohde geht am Samstag für den MSC Groß Bülten an den Start. Vater und Teamchef Thomas Rohde gibt die Richtung vor.
Malena Rohde geht am Samstag für den MSC Groß Bülten an den Start. Vater und Teamchef Thomas Rohde gibt die Richtung vor. © Ralf Büchler
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Die Außenspiegel eingestellt, angeschnallt und ab auf die Strecke. Statt in ihrem BMW E30 325i sitzt die Peinerin Malena Rohde in einem Renn-Simulator und fährt in der ADAC-Liga auf Strecken in Spa, Monza und Barcelona, sowie auf dem Nürburgring.

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Es ist wohl der Traum eines jeden Rennsportlers einmal im italienischen Monza an der Startlinie zu stehen. Im belgischen Spa mit seinen zahlreichen Kurven und den 100 Höhenmetern im Streckenverlauf. In Barcelona, wo Michael Schumacher seinen ersten Grand Prix für Ferrari nach Hause fuhr, oder auf dem Nürburgring in der deutschen Eifel. Für drei Fahrer des Motorsportclubs Groß Bülten wird das bald Wirklichkeit – wenn auch nur am Simulator. Denn die Groß Bültener starten ab dem 6. Juni im ADAC-Simracing-Cup, sozusagen an der Konsole.

Doch im Gegenzug zu den weit verbreiteten Sportsimulationen an der Playstation, strotzen die Racing-Simulatoren vor Realistik. Denn wenn sich die Peinerin Malena Rohde, der Neustädter Leon Stork und der Garbsener Jannik Jakobs für den MSC Groß Bülten hinters Lenkrad setzen, dann werden sogar die G-Kräfte simuliert – sprich: Der Sessel, in dem die Fahrer sitzen, bewegt sich. Vierpunktgurte sind in diesem Fall vorgeschrieben. „Wenn man in eine Mauer knallt, dann wird man gut nach vorne gerissen“, erklärt Thomas Rohde, der das Groß Bültener Team betreut.

Für die vier Wettfahrten, die zwischen Juni und September jeweils monatlich stattfinden, treffen sich die Groß Bültener Motorsportler in Laatzen. Dort stehen die Simulatoren des ADAC-Regionalklubs für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, den der MSC als eines von drei Teams vertritt. Die Konkurrenten sitzen in Berlin, Frankfurt, Bonn, Köln, Wiesbaden, Mönchengladbach oder aber direkt am Nürburgring hinter dem Steuer. Den Blick richten sie nicht durch die Windschutzscheibe, dafür aber auf drei Monitore mit einer Bildschirm-Diagonale von mindestens 37 Zoll. Die ist tatsächlich vorgeschrieben.

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Dass die Simulatoren nicht ganz billig sind, erklärt sich von alleine. „Für den Heimgebrauch kriegt man einen für 7 000 Euro“, weiß Teamchef Thomas Rohde. „Die ganz guten Modelle kosten bis zu 80 000 Euro.“ Und auch Trainingsstunden sind nicht ganz billig. In Vechelde, wo Tochter Malena Rohde häufiger trainiert, gibt es zwei professionelle Automaten. 120 Minuten Fahrspaß kosten allerdings stattliche 100 Euro. „Die haben da super coole Simulatoren. Da können sich auch Normalsterbliche dran probieren“, erklärt Thomas Rohde, der das „Simracing“ als gute Alternative für das Vereinsangebot sieht.

Die Ortsclubs könnten damit Mitglieder binden, die sich kein teures Auto leisten können oder wollen. „Das kann schonmal bis in den sechsstelligen Bereich gehen. In den Wagen von Malena haben wir auch schon 30 000 oder 40 000 Euro gesteckt“, erklärt Groß Bültens Motorsport-Chef. Statt BMW E30 325i und Rennstrecken in Oschersleben und Co. geht die 21-Jährige Malena am 6. Juni allerdings im Porsche Cayman in Barcelona an den Start.

Seit Jahren betreut Thomas Rohde (großes Bild, rechts) vom Motorsportclub Groß Bülten seine Tochter Malena (Mitte) und am Samstag erstmals im Renn-Simulator. Zum Team gehören auch Leon Stork aus Neustadt (links) und Jannik Jakobs aus Garbsen (nicht auf dem Foto).
Seit Jahren betreut Thomas Rohde (großes Bild, rechts) vom Motorsportclub Groß Bülten seine Tochter Malena (Mitte) und am Samstag erstmals im Renn-Simulator. Zum Team gehören auch Leon Stork aus Neustadt (links) und Jannik Jakobs aus Garbsen (nicht auf dem Foto). © Ralf Büchler
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In der Rennklasse GT4, in der die Groß Bültener Mannschaft startet, fahren alle Teams mit dem gleichen Auto. „Wir müssen uns um die Abstimmung des Fahrzeugs keine Gedanken machen, da keine Einstellungen vorgenommen werden können“, erklärt Thomas Rohde. In der nächsthöheren Klasse, in die der MSC mit guten Leistungen aufsteigen könnte, sieht das wiederum ganz anders aus. Einfach alles am Auto kann selbstständig eingestellt werden. „Bis hin zum Luftdruck auf den Reifen“, erklärt Rohde. Auch die Lackierung des Autos können die Teilnehmer frei wählen. Im Fall der Groß Bültener ist sie aber vom Hauptsponsor, dem ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt, vorgegeben.

Ein Ziel bezüglich einer genauen Platzierung wolle Thomas Rohde nicht formulieren. Er weiß, wie fordernd die Strecken sind: „Ich habe mich vor einem Jahr selber mal an Monza probiert. Das ist echt nicht einfach zu fahren. In aller Regel sind die Kurse aber sehr interessant.“ Letztlich hoffe er nur, dass seine Fahrer unfallfrei durchkommen. Denn wer für Rempler verantwortlich ist, muss mit Zeit- oder Durchfahrtsstrafen rechnen – eben wie im echten Rennen. Doch der größte Unterschied, spielt den Sportlern in die Karten: „Nach einem Unfall geht das Auto nicht kaputt und muss nicht teuer repariert werden.“

MSC will weitere Teams melden

Der MSC Groß Bülten würde in Zukunft gerne mehrere Teams in die virtuelle Rennserie des ADAC schicken. Wer Interesse hat kann sich beim Groß Bültener Teamchef Thomas Rohde unter th_rohde@yahoo.de oder unter (01 77) 3 87 13 44 melden.

Von Lukas Everling