13. April 2021 / 11:03 Uhr

Lilly Krömer vom Royal RFC Schaumburg vermisst ihr Team und den Sport

Lilly Krömer vom Royal RFC Schaumburg vermisst ihr Team und den Sport

Daniel Kultau
Schaumburger Ztg. / Schaumburger Nachrichten
Lilly Krömer (weißes Trikot) gehört zu den Säulen der SG Schaumschweig, dem Damen-Team der RFC Royals Schaumburg. Schon seit der Gründung wirft sie sich in jedes Tackling. fotos: dak
Lilly Krömer (weißes Trikot) gehört zu den Säulen der SG Schaumschweig, dem Damen-Team der RFC Royals Schaumburg. Schon seit der Gründung wirft sie sich in jedes Tackling. © Daniel Kultau
Anzeige

Nur Online-Training: Mehr ist für die Rugby-Spielerinnen des Royal RFC Schaumburg nicht möglich. Spielerin Lilly Krömer vermisst ihr Team und spricht darüber, wie der Rugby einem ganz persönlich helfen kann.

Anzeige

Manchmal fährt Lilly Krömer am Sportplatz in Nordsehl vorbei und denkt sich: „Och Mensch, wie schade.“ Das Dülwaldstadion, wie das Spielfeld mit den zwei großen weißen Toren genannt wird, ist für die 18-Jährige so was wie das zweite Wohnzimmer.

Anzeige

Seit knapp vier Jahren ist die Schülerin nun schon ein Teil des Royal RFC Schaumburg, des einzigen Rugby-Teams im Landkreis. „Mit dem Team mal wieder auf den Platz zu gehen, in den Dreck zu fallen und sich einfach auszupowern, fehlt schon sehr“, gibt die Nordsehlerin zu. Aber wie überall sonst auch, lässt Corona noch keinen Sport zu.

Turniertage machen Spaß

Den hat Lilly Krömer übrigens durch ihre Familie für sich entdeckt. Generell gilt: Wenn es um Rugby in Schaumburg geht, dann ist man bei der Familie Krömer an der richtigen Stelle. Ihr Bruder Mattis hat früher in der U12 von Hannover 78 gespielt. Die ganze Familie war dann regelmäßig bei den Turniertagen dabei. Viele unterschiedliche Mannschaften sind vor Ort, man kommt ins Gespräch und sieht spannende Begegnungen.

„Es wäre cool, den Sport selbst mal auszuprobieren“, dachte sich die 18-Jährige, die aktuell den zwölften Jahrgang des Ratsgymnasiums Stadthagen besucht, damals. „Ich fand das total interessant. Aber weil es hier in Schaumburg noch keinen Verein gab, hätte ich mehrmals in der Woche nach Hannover gemusst.“ Doch die Zeit dafür hat leider gefehlt.

"Da muss ich dabei sein"

Als Sven Maibaum, der heutige RFC-Vorsitzende, 2018 aber die Idee hatte, mit den Royals ein Rugby-Team direkt vor der Haustür in Nordsehl zu gründen, stand für Lilly Krömer fest, dass sie einfach dabei sein muss. Genauso sah das auch für ihre Schwester Emma aus, die ebenfalls für den RFC die Schuhe schnürt und aktuell in Braunschweig studiert. Mutter Andrea ist zudem als Vereinsberaterin und Physiotherapeutin ebenfalls fest eingeplant.

Neben dem Einfluss aus der eigenen Familie hat auch ein Familienurlaub 2014 in England eine große Rolle für die Schülerin gespielt. Damals hat sie sich in das Mutterland des Rugbys verliebt und ging 2019 sogar für ein Jahr nach Bournemouth an die stürmische Südküste. „Ich habe da auch Rugby gespielt, aber als Corona kam, musste ich im März 2020 vorzeitig zurück.“

Mehr zum Schaumburger Sport

Aktuell sind die Krömer-Schwestern bei der SG Schaumschweig, einer Spielgemeinschaft zwischen den Schaumburgerinnen und den Rugby Welfen Braunschweig, aktiv. In der Siebener-Variante wird statt mit 15 Spielern nur mit sieben gespielt. Das kommt der SG zugute, denn die Suche nach neuen Spielerinnen ist schwierig. Ein eigenständiges Schaumburger Damenteam wäre „irgendwann mal cool“, findet Lilly Krömer. „Aber momentan ist der Wunsch bei mir noch gar nicht so da, weil ich die Mädels aus Braunschweig einfach zu sehr mag.“ Lohnen würde es sich ebenfalls noch nicht.

Was einige Mädchen, Frauen und somit auch eventuelle Neuzugänge möglicherweise abschrecken könnte, sind die harten Tacklings und der hohe Körperkontakt, den es so bei anderen Sportarten in der Regel nicht gibt. Doch „so hart sind die Tacklings gar nicht“, verrät Krömer, die sich selbst erst zweimal wirklich verletzt hat. Eine Gehirnerschütterung und ein gebrochener Finger stehen dank des Rugbys nun auch in ihrer Krankenakte.

Mehr Selbstbewusstsein

In die gleiche Kerbe schlug Anna Ronshausen, die neue Vorsitzende der Deutschen Rugby-Frauen (DRF), vor einigen Wochen. Sie hatte zum Weltfrauentag Anfang März gegenüber der Internetseite „TotalRugby.de“ berichtet, dass ihr der Sport persönlich in schwierigen Phasen geholfen habe. „Deshalb will ich, dass noch viel mehr Mädchen und Frauen Rugby spielen, damit sie auch diesen Spirit und dieses Selbstbewusstsein haben, möglichst schon in jungen Jahren“, erklärte Ronshausen.

Eine Sichtweise, die Lilly Krömer nur bestätigen kann. „Ich denke schon, dass Rugby sehr charakterstärkend ist.“ Es sei ein harter, aber zugleich sehr fairer Sport. Schließlich ist in den Regeln schon festgeschrieben, dass es die Pflicht eines Spielers ist, seinen Gegenspieler sicher zu Boden zu bringen. „Die Atmosphäre an den Turniertagen ist auch immer super. Auf dem Platz gibt es harte Tacklings, und danach trinken wir nach dem Spiel zusammen ein Bier.“ Dadurch würde man sehr viel lernen, ist sich die 18-Jährige sicher, und „auf jeden Fall Selbstbewusstsein aufbauen“.

Bis es jedoch wieder losgeht, wird noch einige Zeit ins Land ziehen. „Für den Teamspirit“ erstellt die Norsehlerin schon seit einiger Zeit kleine Work-outs, die online dann in einer Gruppe über eine Videokonferenz durchgeführt werden. Auch wenn es „nicht das Gleiche ist“, ist es immerhin eine Möglichkeit, um mit den Teamkolleginnen in Kontakt zu bleiben, bis es irgendwann wieder in das Nordsehler Dülwaldstadion geht.