23. März 2014 / 18:22 Uhr

Lindenauer werden ihrer Favoritenrolle erst im Elfmeterschießen gerecht

Lindenauer werden ihrer Favoritenrolle erst im Elfmeterschießen gerecht

Armin Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Im Duell der Stadtklasseteams hatte am Ende der SV Lindenau das besser Ende für sich.
Im Duell der Stadtklasseteams hatte am Ende der SV Lindenau das besser Ende für sich. © Dirk Knofe
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Die SpVgg Leipzig sah im Stadtpokal-Viertelfinale lange wie der sichere Sieger aus, unterlag dann aber im Duell vom Punkt. (mit Fotos)

Leipzig. Ein packendes Pokalspiel erlebten die 130 Zuschauer am Sonntagnachmittag im Karl-Enders-Sportpark. Dabei konnte sich nach 120 spannenden Minuten der favorisierte SV Lindenau gegen die aufopferungsvoll kämpfende SpVgg Leipzig mit 7:5 (0:1, 1:2; 1:1, 4:2) nach Elfmeterschießen durchsetzen.

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„Es war das für uns erwartet schwere Spiel, die SpVgg Leipzig ist eine richtige Pokalmannschaft“, kommentierte Ronny Ludwig, Trainer des SV Lindenau, die Begegnung. Diesem Lob wurden die Hausherren vollauf gerecht, boten über die gesamte Spielzeit eine starke Leistung und mussten sich letztlich erst vom „Punkt“ geschlagen geben.

Dabei hätte es soweit gar nicht kommen müssen. Mit ihrer kompromisslosen Spielweise ließen sie den Gästen wenig Raum, so dass diese kaum zu Chancen kamen. Davon war auch Mario Spittel, Trainer der SpVgg Leipzig, sichtlich angetan: „Ich habe nicht untertrieben, als ich die Chancen 70 zu 30 für Lindenau geschätzt habe. Ich war heute sehr positiv überrascht von der Leistung meiner Mannschaft. Vor allem hat mich wirklich erstaunt, dass sie über diese lange Distanz konditionell mithalten konnten." Beherzt gingen sie in die Zweikämpfe und nutzten ihre Chancen effektiv. Gleich die erste Torgelegenheit des Spiels war drin. Nach einer zu kurz abgewehrten Ecke flankte Tino Reichenbach in den Strafraum, wo Josef Meyer völlig allein stand und keine Probleme hatte, aus Nahdistanz einzuköpfen.

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„Gerade in der ersten Hälfte war die SpVgg gnadenlos effektiv.“, resümierte Ronny Ludwig. Seine Spieler fanden dagegen kaum ins Spiel, was jedoch nicht nur an der gut gestaffelten Defensive der Hausherren lag, sondern auch an zahlreichen Ungenauigkeiten im Passspiel. Mehr als ein Schuss über den Kasten durch Peter Pöschel nach feiner Kopfballablage kurz vor Ende der ersten Halbzeit sprang nicht heraus. Besser machten es dagegen die Hausherren, die immer wieder versuchten, mit langen Bällen zum Erfolg zu kommen. Die größte Chance, die Führung auszubauen, hatte Lars Moser, der nach einem schönen Solo freistehend vergab. Auch der Nachschuss von Filip Schaffranek fand nicht den Weg ins Netz. So blieb es letztlich bei der verdienten Halbzeitführung der Hausherren.

In der Kabine hatte Ronny Ludwig wohl die richtigen Worte gefunden, denn seine Mannen traten mit Beginn der zweiten Halbzeit entschlossener auf und erspielten sich ein optisches Übergewicht. Und wurden prompt dafür belohnt. Nach einer Ecke nutzte Martin Hammel die kurzzeitige Unaufmerksamkeit im Strafraum der Hausherren und schob den Ball zum 1:1 in die Maschen. Der glückliche aber nicht unverdiente Ausgleich gab den Gästen Sicherheit, wobei sich immer wieder Kapitän Martin Hammel mit klugen, raumöffnenden Pässen in Szene setzen konnte.


Aber auch die Hausherren versteckten sich nicht, kamen über ihren Besten, Filip Schaffranek, immer wieder zu gefährlichen Aktionen. So vergab er in der 60. Minute die Chance zur erneuten Führung: Freistehend schoss er einen abgewehrten Schuss über das Tor. Besser machte es dagegen Josef Meyer, der nach einem präzisem Freistoß die verdiente Führung erzielte - sein zweiter Treffer an diesem Tag.

Die Reaktion der Lindenauer lies nicht lange auf sich warten: Hammel spielt passgenau in den Strafraum, doch der mitgelaufene Ken Schreiber zielte zu genau - knapp strich der Ball am langen Pfosten vorbei. Wesentlich mehr Möglichkeiten hatten die Gäste nicht mehr und so kam ihnen der Zufall zu Hilfe. "Wir sahen kurz vor Ende der regulären Spielzeit ja schon wie der sichere Sieger aus. Dass der Ausgleich zum 2:2 fällt war Pech. Das war ein Platzfehler. Wenn der Ball da nicht so komisch hoppelt, können meine Jungs den rausschlagen." kommentierte Mario Spittel die ominöse Szene in der 90. Minute, als ein Verteidiger der Hausherren über den Ball schlug und so Ken Schreiber das 2:2 ermöglichte.

In der Verlängerung hatten zunächst die Gäste die Nase vorn. Ein Missverständnis auf Seiten der SpVgg zwischen Torwart Christian Naumann und Verteidiger Andre Obermeyer, der unglücklich ins eigene Netz traf, brachte zunächst die vielumjubelte Führung für den SV Lindenau. „Danach hätten wir den Sack zumachen müssen“, kommentierte Ludwig das Geschehen auf dem Platz und spielte damit auf die große Chance zum vorentscheidenen 4:2 an. Doch seine Mannen gingen stattdessen zu sorglos mit der kostbaren Führung um. So auch beim 3:3- Ausgleich durch Lars Moser der nach einem erneut langen Ball „auf die Reise“ geschickt wurde und Michael Patzelt im Tor keine Chance lies. „Da standen wir einfach zu hoch, das darf nicht passieren“, war Trainer Ludwig mit dem Abwehrverhalten seines Teams in dieser Situation nicht zufrieden. Weitere Treffer fielen nicht mehr so dass die Entscheidung vom Elfmeterpunkt fallen musste.

Hier hatten die Gäste die besseren Nerven. Während sie ihre vier Elfmeter sicher verwandeln konnten, zeigten auf Seiten der SpVgg Alexander Puzanov und „Unglücksrabe“ Andre Obermeyer Nerven und verschossen. Jubelnd fielen sich danach die Gästeakteure in die Arme und freuten sich schon auf den nächsten Gegner. Einer der Akteure rief: „Jetzt will ich Markranstädt!“, und spielte damit auf das Finale im vergangenen Jahr an, als man sich eben diesen Markranstädtern unglücklich erst in der 117. Minute geschlagen geben musste.

Dem konnte sein Trainer nur wenig abgewinnen und wünschte sie stattdessen den Roten Stern Leipzig. Mal schauen ob ihm die Glücksfee hold ist. Die Möglichkeit dazu besteht durchaus, gelang doch den Männern von Trainer Michael Topf ein sicherer 3:0-Erfolg bei der zweiten Mannschaft des VfB Zwenkau. Aber auch Mario Spittel, der sich das Elfmeterschießen vor Aufregung nicht ansehen konnte, war keineswegs unzufrieden: „Für die Liga, in der beide Clubs spielen, war das heute ein sehr hohes Niveau. Nach 120 Minuten hätte jede Mannschaft den Sieg verdient gehabt. Im Elfmeterschießen entscheidet dann das Glück", fasste er den spannenden Fußballnachmittag treffend zusammen. 

So liefen die anderen Viertelfinalpartien:

SV Panitzsch/Borsdorf - SSV Stötteritz 3:5 n.E.

LSV Südwest - SSV Markranstädt II 0:1

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VfB Zwenkau II - Roter Stern Leipzig 0:3