15. September 2020 / 08:12 Uhr

Linksverteidiger mit Nerven wie Draht: Lok Leipzigs Legende Uwe Zötzsche wird 60

Linksverteidiger mit Nerven wie Draht: Lok Leipzigs Legende Uwe Zötzsche wird 60

Frank Müller
Leipziger Volkszeitung
Uwe Zötzsche ließ seinen Gegner stets wenig Raum.
Uwe Zötzsche ließ seinen Gegner stets wenig Raum. © LVZ-Archiv
Anzeige

Sie nannten ihn liebevoll "Bär". Wenn Uwe Zötzsche auf dem Platz stand, hatten die gegnerischen Stürmer meist wenig zu lachen. Am Dienstag feiert der beinharte Verteidiger des 1. FC Lok Leipzig seinen 60. Geburtstag.

Anzeige

Leipzig. Der Mann hat Nerven – und am Dienstag Geburtstag. Uwe Zötzsche, einer der Helden des Leipziger Europa-Cup-Finaleinzugs wird 60. In Erinnerung ist er als souveräner Abwehrspieler des 1. FC Lok, mit dem er am 22. April 1987 ins Europapokal-Endspiel der Pokalsieger einzog. Unvergessen, dass er die Nerven besaß, im Elfmeterschießen des Halbfinales gegen Girondins Bordeaux anzutreten, obwohl sein Strafstoß in der Verlängerung vom Gästekeeper gehalten worden war.

Es lag also gleich doppelt auch an Zötzsche, dass René Müller später zum Held des Abends werden konnte. Hätte der Linksverteidiger und sicherste Lok-Schütze vom Punkt in der 108. Minute getroffen, hätte es definitiv kein Elfmeterschießen gegeben. Im Elfmeterkrimi legte er mit den Grundstein, dass der Lok-Torwart den Finaleinzug perfekt machen konnte.

DURCHKLICKEN: Lok Leipzig im Europapokal

3. Oktober 1973 - Nach dem Sieg auswärts gewinnt der 1. FC Lok Leipzig auch daheim gegen den AC Turin und zieht in die zweite Runde des UEFA-Cups ein. (@ Archiv) Zur Galerie
3. Oktober 1973 - Nach dem Sieg auswärts gewinnt der 1. FC Lok Leipzig auch daheim gegen den AC Turin und zieht in die zweite Runde des UEFA-Cups ein. (@ Archiv) ©

„Ich habe schon kurz überlegt, ob ich nochmal antrete, doch die Auswahl an Freiwilligen, die wirklich schießen wollten, war nicht so groß. Ich erhielt zudem Zuspruch von einigen“, erinnert sich der Jubilar. „Dieses Halbfinale vor gut 100.000 zu erleben und dann das Finale mit allem Drumherum, das war alles gigantisch.“

Zötzsche erzielte beachtliche 65 Tore

Als schwersten Gegenspieler bezeichnet er nicht unbedingt Marco van Basten von Ajax Amsterdam im mit 0:1 verlorenen Endspiel, sondern zuerst Ulf Kirsten von Dynamo Dresden. „Mit kleinen, wendigen Stürmern hatte ich am ehesten Probleme“, gesteht er.

Mit seinem Offensivdrang zermürbte er aber umgekehrt viele der nominellen Angreifer. Die stempelte er nicht selten selbst zu Verteidigern. So bat ihn der gewiss nicht lauffaule Lutz Otto von Vorwärts Frankfurt/Oder gar einmal, er möge doch nicht ständig nach vorn rennen. Zötzsche hielt sich natürlich nicht daran.

Den Spitznamen „Bär“ erhielt er einerseits wegen seiner Statur, aber auch wegen der stoischen Ruhe, die er als Linksverteidiger oder gegebenenfalls als Libero ausstrahlte. Wie erwähnt hatte er zudem in der Offensive seine Stärken. Zötzsche erzielte in 316 Pflichtspielen (243 Oberliga- und 34 EC-Spiele für Lok, 38 für die A-Auswahl der DDR sowie 7 in der Olympia-Auswahl) beachtliche 65 Tore.

Heute Service-Mitarbeiter im Imbiss

Zum Männeraufgebot der Blau-Gelben gehörte der gebürtige Zwenkauer von 1979 bis 1990. Bei Motor Eythra hatte er achtjährig begonnen, organisiert Fußball zu spielen. Mit zehn Jahren holte ihn Chemie Leipzig, vier Jahre später Lok. Dort entwickelte er sich zum Junioren- und Nachwuchsauswahlspieler (29 Einsätze) und später zur festen Größe in der A-Elf.

Mit Lok erspielte er 1981, 1986 und 1987 den FDGB-Pokal. Gar viermal wurde er mit den Probstheidaern Meisterschaftsdritter, zweimal (1986 und 1988) Vizemeister. Sein wichtigster Trainer war Uli Thomale, mit dem besagter Finaleinzug gelang. „Aber auch viele, die mich im Nachwuchs betreuten, hatten Anteil an meinem erfolgreichen Weg“, unterstreicht der „Bär“.

Mehr zu Lok Leipzig

Nach der Wende ging Zötzsche 1990 für ein Jahr zum französischen Zweitligisten Racing Straßburg, ehe er seine Laufbahn bei Hessen Kassel und dem 1. FC Markkleeberg in der Amateur-Oberliga ausklingen ließ. „Straßburg war eine interessante und angenehme Erfahrung, auch vom Umfeld her für meine Familie.“ Schließlich kickte er 34-jährig noch beim Bezirksligisten VfB Zwenkau und war damit wieder in seiner Heimatstadt angekommen, wo er heute als Service-Mitarbeiter im Imbiss „Waldeck“ arbeitet.