28. Juli 2020 / 09:08 Uhr

Champions Check: Dem FC Barcelona droht ein Jahr ohne Titel - Lionel Messi übernimmt das Kommando

Champions Check: Dem FC Barcelona droht ein Jahr ohne Titel - Lionel Messi übernimmt das Kommando

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Lionel Messi und Quique Setién könnten in dieser Saison ohne Titelgewinn bleiben.
Lionel Messi und Quique Setién könnten in dieser Saison ohne Titelgewinn bleiben. © imago images/AFLOSPORT/Montage
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Die Serie zur Champions League– Teil eins: Die Tage von Barcelonas Trainer Quique Setién sollen gezählt sein. Schon vor dem Finalturnier der Königsklasse hat sich ein anderer den Hut aufgesetzt: Lionel Messi.

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Wenn „La Pulga“ – der Floh – das Wort ergreift, dann wissen fast alle, die mit dem FC Barcelona zu tun haben, dass es ernst wird. Denn normalerweise ist Lionel Messi niemand, der die Öffentlichkeit sucht, der nach den Spielen der Katalanen vor die Presse tritt und große Ansagen macht. Nicht nach tollen Erfolgen, nicht nach schmerzhaften Niederlagen – außer, es brennt wirklich. In den vergangenen Wochen war Barças Superstar nahezu omnipräsent in den Medien, die sich ansonsten über jeden noch so belanglosen Satz des Argentiniers freuen. Der Grund liegt auf der Hand: Dem FC Barcelona droht eine Saison ohne Titel – was einer sportlichen Katastrophe gleichkommen würde. Zuletzt war dies vor sechs Jahren der Fall.

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Dabei sah es lange Zeit so aus, als würde es zumindest bis zum letzten Spieltag spannend bleiben im Duell der Dauerrivalen Barça und Real Madrid. Doch Messi und seine Kollegen verspielten die spanische Meisterschaft mit teilweise unterirdischen Auftritten und komplett unnötigen Pleiten. Also sah sich Messi gleich mehrfach genötigt, auf den Putz zu hauen. Schließlich steht nun bald die Fortsetzung „seines“ Wettbewerbs an, der Fußball-Champions-League.

Lionel Messi schlägt Alarm

Die Ausgangslage vor dem Achtelfinal-Rückspiel der Königsklasse am 8. August gegen den SSC Neapel ist nach dem 1:1 gut, eigentlich. Denn viele der jüngsten Barça-Auftritte waren schlicht indiskutabel. Kein Wunder also, dass der Floh tobte: „Ich habe es bereits vor einiger Zeit gesagt: Wenn wir so weitermachen, wird es für uns extrem schwer, die Champions League zu gewinnen“, schlug Messi Alarm. „Wir konnten ja noch nicht einmal La Liga gewinnen. Wenn wir keine Reaktion zeigen, werden wir Neapel nicht besiegen.“

Ernüchterndes Zwischenfazit für den FC Barcelona

In der Primera División musste sich Barcelona dem Erzfeind geschlagen geben, im Pokal – der Copa del Rey– war im Achtelfinale in Bilbao Schluss. Viele der letzten Megatransfers schlugen nicht ein. Allen voran Antoine Griezmann, der für 120 Millionen Euro von Atlético Madrid kam, enttäuschte mit gerade einmal neun Saisontoren. Ousmané Dembele, der für eine ähnliche Summe bereits vorher aus Dortmund losgeeist wurde, bleibt ein Fehleinkauf. In dieser Saison kam er nur auf fünf Einsätze, laborierte zuletzt an einem Muskelbündelriss.

Frenkie de Jong, für 75 Millionen Euro von Ajax Amsterdam transferiert, schaffte es zwar zum Stammspieler– allerdings ohne zu glänzen. Der einzige Feldspieler, der – wie immer– konstant lieferte, war Messi. Seine bisherige Bilanz: 30 Treffer und 26 Vorlagen in 42 Pflichtspielen. Zum Barça-Spieler der Saison wurde trotzdem ein anderer gewählt: Marc-André ter Stegen. Der deutsche Torhüter hielt 14-mal seinen Kasten sauber und hatte entscheidenden Anteil daran, dass sein Team überhaupt so lange oben mitspielte.

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Entlassung von Setién nur noch Formsache?

Auch wenn er offiziell noch den Rückhalt der Klubführung genießt, sind sich die spanischen Experten sicher, dass Trainer Quique Setién am Saisonende seinen Stuhl räumen muss – unabhängig vom Ausgang der Champions League. Große Teile des Teams sind gegen ihn und seinen Stab, der Spanier hat das verwöhnte Starensemble nie in den Griff bekommen. Seit Tagen wird in den Medien nur noch über seinen Nachfolger spekuliert.

Da der Topkandidat, die Klublegende Xavi, aufgrund seines Vertrags bei katarischen Klub Al Sadd wohl erst 2021 einsteigen kann, soll möglicherweise Laurent Blanc für die einjährige Übergangszeit einspringen. Als Alternative stünde Patrick Kluivert bereit, der aktuell die Nachwuchsabteilung La Masia leitet. Er soll auch Messis Wunschlösung sein. In den nächsten Wochen, wenn es für Barça um den Henkelpott geht, wird Setién noch an der Seitenlinie stehen– wer in der Kabine und innerhalb der Mannschaft aber wirklich das Sagen hat, dürfte längst allen klar sein.

Am Mittwoch geht es weiter mit dem nächsten Teil des Champions Check. Dann wird der SSC Neapel zum Thema.