05. September 2020 / 10:27 Uhr

Kommentar zu Lionel Messi und dem FC Barcelona: Wenn Siegertypen zu Verlierern werden

Kommentar zu Lionel Messi und dem FC Barcelona: Wenn Siegertypen zu Verlierern werden

Tom Vaagt
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Nach allem Wechsel-Theater bleibt Lionel Messi nun doch beim FC Barcelona.
Nach allem Wechsel-Theater bleibt Lionel Messi nun doch beim FC Barcelona. © Getty Images (Montage)
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Nach reichlich Hin und Her will Lionel Messi nun doch beim FC Barcelona bleiben. Aber: Auch vermeintlich gute Nachrichten haben nicht immer einen positiven Effekt, meint SPORTBUZZER-Redaktionsleiter Tom Vaagt.

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Es gab Zeiten, da war der FC Barcelona so etwas wie das Synonym für Erfolg im internationalen Fußball. Jede Menge Tiki, reichlich Taka und mittendrin der vielleicht beste Kicker der Branche: Lionel Messi. Das besondere an der Liaison zwischen dem hochbegabten Argentinier und dem schillernden katalanischen Klub war immer diese ganz spezielle Verbindung. Während andere Superstars von Klub zu Klub zogen, war Messis gefühlt ewiger Verbleib bei Barca ausgemachte Sache. Komme, was da wolle. Dann kam Josep Bartomeu – und die Liebe zwischen dem Ausnahmekönner und seinem Herzens-Verein begann über die Jahre immer mehr zu bröckeln. Zunächst langsam, inzwischen ist nicht mehr als eine Scherbenhaufen geblieben.

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Meinungsverschiedenheiten über Transfers, die Auswahl der Trainer oder den Gehaltsverzicht in Zeiten von Corona. Auf einen Nenner kam man immer seltener. Also äußerte Messi im vergangenen Monat das Undenkbare: Seinen Wechselwunsch. Öffentlich und unverblümt. Was folgte war Chaos. Messi berief sich auf eine Ausstiegsklausel in seinem eigentlich bis 2021 gültigen Vertrag, die ihm einen ablösefreien Abgang ermöglichen würde. Der Klub verwies darauf, dass der Passus bereits abgelaufen sei. Die spanische Liga folgte dieser Einschätzung, womit Messi den Verein theoretisch zwar weiterhin verlassen kann – allerdings nur für die festgeschriebene Ablöse in Höhe von bescheidenen 700 Millionen Euro.

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Im Wasserglas stürmte es. Am Freitagabend ruderte Messi zurück. Er wolle nun doch bleiben, um juristische Scharmützel zu vermeiden. Bartomeu bekam von dem 33-Jährigen noch eine Breitseite und den Vorwurf des Wortbruchs mit auf den Weg. Wenig deutet auf eine fruchtbare Zusammenarbeit in den kommenden Monaten hin. Zumal Messi nicht der einzige nun wohl permanent schlecht gelaunte Spieler im Barca-Dress sein soll und auch die Sympathiewerte des neuen Trainers Ronald Koeman innerhalb der Mannschaft angeblich eher sparsam ausfallen.

Kurzum: Der stolze FC Barcelona ist ein zerrissener Verein, bei dem es trotz zahlreicher Siegertypen derzeit nur Verlierer gibt. Messi, der mit der letztlich gescheiterten Transfer-Forderung sein eigenes Denkmal ins Wanken brachte. Bartomeu, der spätestens bei den Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr nicht mehr im Amt zu halten sein dürfte. Trainer Koeman, der eine zuletzt vom FC Bayern arg vermöbelte Mannschaft unter schwierigsten Bedingungen auf- und umbauen soll. Das Team, in dem Messi seiner Rolle als Anführer kaum noch gerecht werden kann. Die Fans, die sich das ganze Durcheinander hilflos ansehen mussten. Einem fallen viele Synonyme für das derzeitige Barca ein. Erfolg gehört nicht dazu.