11. Juli 2021 / 09:48 Uhr

"Wunderbare Verrücktheit": Wie Lionel Messi bei der Copa endlich ein großer Titel mit Argentinien glückte

"Wunderbare Verrücktheit": Wie Lionel Messi bei der Copa endlich ein großer Titel mit Argentinien glückte

Tobias Käufer
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Lionel Messi wurde nach dem erstmaligen Gewinn der Copa América von seinen Mitspielern gefeiert.
Lionel Messi wurde nach dem erstmaligen Gewinn der Copa América von seinen Mitspielern gefeiert. © IMAGO/Xinhua
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Die internationale Durststrecke von Lionel Messi hat ein Ende gefunden. Der 34-Jährige konnte mit dem Gewinn der Copa América, der Südamerika-Meisterschaft, erstmals einen Titelgewinn mit der Nationalmannschaft von Argentinien verbuchen. Entsprechend groß war der Jubel nach einem ansonsten wenig ruhmreichen Finale gegen den Erzrivalen aus Brasilien.

Sollte Hansi Flick in der Nacht zum Sonntag das Finale zwischen Brasilien und Argentinien irgendwo verfolgt haben, dann dürfte dem künftigen Bundestrainer das Kräftemessen der beiden südamerikanischen Fußball-Giganten weniger Sorgen gemacht haben, als der jüngste Auftritt der DFB-Elf bei der EM. Denn der Jubel über den 1:0 (1:0)-Finalerfolg Argentiniens bei der Copa America im altehrwürdigen Maracana übertünchte etwas anders: Spielerisch war das "Premium-Produkt" des südamerikanischen Fußball-Verbandes Conmebol – der ewig junge Klassiker zwischen den Erzrivalen - eher Magerkost. Im Vergleich zu den Auftritten Englands oder Italiens bei der WM war er sogar eine Klasse schlechter.

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Die Geschichte des Wochenendes war ohnehin eine andere: "Was für eine wunderbare Verrücktheit. Das ist unglaublich. Gott sei Dank. Wir sind Campeones", kommentierte ein überglücklicher Lionel Messi anschließend in den sozialen Netzwerken den Triumph bei der kurzfristig wegen sozialer Unruhen aus Kolumbien und der Pandemie aus Argentinien nach Brasilien verlegten Südamerika-Meisterschaft.

Das Pandemie-Geschehen hinderte allerdings tausende Fans in Buenos Aires nicht daran, in der Nacht zum Obelisken zu ziehen. So gesehen hätte das Turnier auch in Argentinien stattfinden können. Für die Entscheidung des Tages sorgte Angel de Maria (22.), der von einem Abwehrschnitzer in der brasilianischen Hintermannschaft profitierte und mit einem sehenswertem Lupfer das einzige Tor des Tages erzielte. Der Rest waren ganz neue Erfahrungen für Messi und Co: Eine Pokalübergabe, Sieger-T-Shirts und eine Kabinenparty als Turniersieger.

Argentinien und Brasilien in die Jahre gekommen – Rink "enttäuscht"

Doch bei aller argentinischen Euphorie: Beide Mannschaften sind in die Jahre gekommen. Für Brasiliens teilweise brutal gefoulten Superstar Neymar (29) war es das erste Mal überhaupt, dass er bei einem Kontinentalturnier oder einer WM in einem Halbfinale und einem Endspiel auf dem Platz stand: Er bemühte sich zwar, aber von einem Weltklasseauftritt wie man das von einem Superstar erwarten könnte, war er weit entfernt.

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Brasiliens Trainer Tite musste vom Seitenrand zusehen wie seine Stars erstaunlich einfallslos und bisweilen unkonzentriert das argentinische Tor berannten. Mit südamerikanischer Spielkunst hatte das erschreckend wenig zu tun. "Das war enttäuschend. Spielerisch hatte ich mehr erwartet. Argentinien hat sich darauf beschränkt, das Ergebnis zu verteidigen und Brasilien fand keine Lösungen", sagte Ex-Nationalspieler Paolo Rink im Gespräch mit dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), nach dem Finale. Der Ex-Leverkusener, der für den DFB auflief, lebt inzwischen wieder in seiner Heimat Brasilien.

Und Argentinien? Auch Messi ist in die Jahre gekommen. Er wird in Katar bereits über 35 Jahre alt sein, Angel Di Maria dann 34 Jahre. Trainer Lionel Scaloni, seit 2018 im Amt, wird sich in den nächsten knapp 17 Monaten bis zur WM seine Gedanken machen müssen, auf wenn er dann noch setzen kann, will er beim Hochgeschwindigkeitsfußball mithalten. Der Turniersieg wird ihm die notwendige Autorität geben, auch unangenehme Entscheidungen treffen zu können. Schon im Halbfinale hing sein und das Schicksal Messis am seidenen Faden. Gerettet hat es Emiliano Martinez. Der Schlussmann von Aston Villa entschied im Halbfinale mit spektakulären Paraden das Elfmeterschießen gegen Kolumbien. Im Endspiel entschärfte die gefährlichste Chance Gabriel Barbosa. Es hätte also auch ganz anders laufen können, dann wäre jetzt nicht das Bild von einem überglücklichen Messi um die Welt gegangen. Sondern von einer einmal mehr gescheiterten Generation.

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