08. August 2020 / 18:16 Uhr

Pro und Contra: Inter wohl mit Interesse – Sollte Lionel Messi dem FC Barcelona den Rücken kehren?

Pro und Contra: Inter wohl mit Interesse – Sollte Lionel Messi dem FC Barcelona den Rücken kehren?

Sönke Gorgos und Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Lionel Messi ist beim FC Barcelona eine Legende - würde ein Wechsel etwas daran ändern?
Lionel Messi ist beim FC Barcelona eine Legende - würde ein Wechsel etwas daran ändern? © imago images/Montage
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Die Fans des FC Barcelona fürchten sich vor dem Tag, an dem Lionel Messi den Klub verlässt. Angesichts von nur noch einem ausstehenden Vertragsjahr und einem großen Interesse von Inter Mailand bleibt die Frage: sollte der 33-Jährige nochmal eine neue Herausforderung suchen? Sönke Gorgos und Tim Lüddecke diskutieren.

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Pro: In Messis Karriere ist noch Platz für eine neue Herausforderung

Von SPORTBUZZER-Redakteur Sönke Gorgos

Lionel Messi ist der beste Spieler der Welt - noch immer. Er hat in 42 Spielen in dieser Saison 30 Tore geschossen, 26 weitere vorbereitet. Astronomische Zahlen, die einmal mehr unter Beweis stellen, was für eine Sonderstellung der kleine Argentinier in der großen Fußballwelt auch mit 33 Jahren noch hat. Doch es bleibt ein Makel, denn zuletzt konnte er die Champions League vor fünf Jahren gewinnen. Die Vormachtstellung, die Barcelona zu Beginn von Messis Karriere auch dank des Dribbelkünstlers einnahm, haben mittlerweile andere Klubs inne.

Messi ist mit Barcelona in einer Sackgasse angekommen; für diese ist er zum Teil selbst verantwortlich, denn Messi ist bei den Katalanen nicht nur Fußballer, sondern auch Politiker und gilt klubintern als Mann, der schalten und walten kann, wie er will. Er hat die Macht, Trainer zu entlassen, Spielerverkäufe zu beschließen und konkrete Neuzugänge zu fordern. Was prinzipiell gut klingt, hat dazu geführt, dass sich nur noch wenige Topstars nach Barcelona locken lassen - schließlich will niemand im Schatten einer so einflussreichen Legende stehen.

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Das alles birgt die Frage, ob er nicht nochmal etwas Neues probieren und ausgetretene Pfade verlassen will. Inter Mailand wird ein Interesse nachgesagt - der Wechsel würde aus vielerlei Gründen Sinn ergeben. Die Italiener haben sich unter Antonio Conte wieder zu einer international renommierten Spitzenklub entwickelt, wurden in der Serie A mit nur einem Punkt Rückstand Zweiter hinter Messis Dauer-Rivalen Cristiano Ronaldo und Juventus Turin. Und: Inter hat eine lange und ruhmreiche Tradition von Argentiniern. Aktuell spielt dort Messi-Kumpel Lautaro Martinez, zuvor waren es schon 47 andere, darunter Klublegenden wie Javier Zanetti oder Esteban Cambiasso. Eigentlich ein perfekter Verein für Messi, der in den vergangenen Jahren vor allem durch großen Frust aufgefallen war und sich in internen Streitigkeiten verzettelte. Es wird Zeit, auszubrechen, im höheren Fußballalter nochmal etwas Neues zu versuchen - wie Ronaldo vor zwei Jahren.

Würde Messi mit einem Weggang seine Legende beim FCB beschädigen? Ich glaube: Nein. Messi ist in Barcelona nach einem 20-jährigen gemeinsamen Weg für immer über jeden Zweifel erhaben. Dass ein Wechsel zu einem anderen Klub dem eigenen Denkmal nicht unbedingt schaden muss, zeigen Beispiele wie die von Frank Lampard, John Terry, Steven Gerrard oder Andrés Iniesta, die nach vielen Jahren beim FC Chelsea, FC Liverpool und dem FC Barcelona bei anderen, kleineren Klubs weitermachten und deren Bild bei ihren langjährigen Vereinen dadurch keinen Schaden genommen hat. Auch Cristiano Ronaldo bleibt sowohl bei Manchester United als auch bei Real Madrid ein Mann legendären Formats.

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Contra: Bleibt Messi treu, winkt ein seltener Status

Von SPORTBUZZER-Redakteur Tim Lüddecke

Es gibt sehr viele Spieler, die eine ganz außergewöhnliche fußballerische Klasse besitzen. Und es gibt einige wenige Spieler, die darüber hinaus noch etwas anderes besitzen: Stil. Nun lässt sich ja genau darüber bekanntlich streiten – unstrittig hingegen ist jedoch, dass es immer ungewöhnlicher wird, dass ein Spieler seine gesamte Laufbahn, von der Jugend bis zum Karriereende, bei nur einem Klub verbringt.

Und das hat nun mal etwas mit Stil zu tun; weil gleichzeitig mit Treue und gegenseitiger Wertschätzung.

Im durchkommerzialisierten Geschäft des Profi-Fußballs geht es doch immer auch darum, jede Saison aufs Neue so viele Titel wie möglich zu gewinnen. Das führt zwangsläufig dazu, dass diejenigen Spieler, die die höchste Wahrscheinlichkeit dafür versprechen, immer neuen Gehaltsverlockungen ausgesetzt werden. Lionel Messi gehört zweifelsfrei zu dieser Kategorie Spieler, viele halten ihn sogar für den Besten, wobei für Glaubensfragen wie diese dasselbe gilt wie für Stilfragen. Bislang kam es dem Argentinier jedoch nie in den Sinn, seinen FC Barcelona zu verlassen.

Und das sollte es ihm auch nicht, trotz der immer mal wieder auftauchenden Avancen anderer europäischer Topklubs. Manchester City mit dem Trainer Pep Guardiola, der Messi besonders zugetan sein soll, gehörte in der Vergangenheit bereits dazu. Nun ist zum wiederholten Mal von einem Interesse Inter Mailands an einem Transfer zu hören, mit einem noch astronomischeren Gehalt, als es der sechsmalige Weltfußballer schon in Katalonien bezieht. Braucht er das?

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Keine Frage, sportlichen Legendenstatus hat Messi in Barcelona schon jetzt. Hatten andere wie etwa seine ehemaligen Teamkollegen Xavi und André Iniesta auch – trotzdem verschwanden sie auf ihre alten Tage lieber noch mal in der fußballerischen Versenkung, in Katar und Japan, auch, um die Rentenkasse noch mal etwas aufzubessern. Legitim, aber damit haben sie einen anderen Weg gewählt als andere Größen ihres Sports.

Wie Javier Zanetti (Inter Mailand), Paolo Maldini (AC Mailand), Ryan Giggs (Manchester United) oder vielleicht irgendwann auch mal Thomas Müller (FC Bayern). Diese Spieler stehen in einem anderen Glanz – weil sie mit nur einem einzigen Profi-Klub in ihrer Spieler-Karriere in Verbindung gebracht werden. Beendet Messi in Barcelona seine Karriere, ist auch ihm dieser seltene Status sicher, den viele andere nicht erlangt haben.