10. August 2021 / 18:44 Uhr

Kommentar zum Messi-Wechsel zu PSG: Wie die Schattenseite des Fußballs immer größer wird

Kommentar zum Messi-Wechsel zu PSG: Wie die Schattenseite des Fußballs immer größer wird

Tom Vaagt
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Lionel Messi steht kurz vor der Unterschrift bei Paris Saint-Germain.
Lionel Messi steht kurz vor der Unterschrift bei Paris Saint-Germain. © IMAGO/ZUMA Wire (Montage)
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Der Wechsel von Lionel Messi zu Paris Saint-Germain verdeutlicht einmal mehr das Kräfteverhältnis im Fußball. Die von der UEFA angestrebte Chancengleichheit bleibt zunehmend auf der Strecke, meint SPORTBUZZER-Redaktionsleiter Tom Vaagt.

Auch im Fußball gibt es noch Vernunft – so schien es zumindest in der vergangenen Woche. Der stolze FC Barcelona musste gestehen, sich seinen Superstar Lionel Messi schlicht nicht mehr leisten zu können. Die Gehaltsauflagen der spanischen La Liga und jahrelange Misswirtschaft hatten eine Vertragsverlängerung mit der Klub-Ikone unmöglich gemacht. Schluss mit den irrwitzigen Ausgaben, die nicht nur in Barcelona mit den Lebensrealitäten der Fans nichts mehr gemein haben.

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Messi verabschiedete sich unter Tränen und geht nun dahin, wo Geld keine Rolle spielt: Zu Paris St. Germain. Auch die Franzosen sind nicht gerade für gewinnorientiertes Wirtschaften bekannt und machten seit 2015 ein stattliches Transfer-Minus von über einer halben Milliarde Euro. Aber PSG befindet sich seit 2012 komplett im Eigentum einer Investorengruppe aus Katar, die sich den Erfolg um sprichwörtlich jeden Preis auf die Fahnen geschrieben hat.

2017 kam Neymar für 222 Millionen Euro. Dann folgte Kylian Mbappé für 145 Millionen. Ergänzt wurde das Ensemble mit Kickern, die mal 30, mal 40, mal 50 Millionen kosteten. Auch mit Blick auf Gehälter oder Handgelder soll es bei PSG fürstlich zugehen. Für den ganz großen Traum reichte es bislang jedoch nie, der Gewinn der Champions League blieb anderen Teams vorbehalten. Nun soll Messi endlich Abhilfe schaffen. Der Argentinier kommt zwar ablösefrei, soll in den kommenden beiden Jahren aber insgesamt rund 80 Millionen Euro verdienen. Bei all diesen Summen wird einem schwindelig. Und die immensen Zahlungen führen ein System ad absurdum, das eigentlich für Chancengleichheit sorgen sollte. Doch das Financial Fairplay der UEFA, nach dem – einfach ausgedrückt – kein Verein mehr ausgeben darf als er einnimmt, ist wirkungslos.


Zu leicht lässt es sich umgehen und aushebeln, wie im Sommer 2020 der Fall von Manchester City zeigte. Statt mit einer Europapokal-Sperre kamen die ähnlich wie PSG investitionsfreudigen Engländer vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS mit einer mickrigen Geldstrafe davon. Wohl auch in diesem Wissen gehen die Pariser weiter offensiv auf dem Spielermarkt vor. Man muss dies nicht verurteilen, solange es sich im Rahmen der für alle gültigen Vorgaben bewegt. Dem Fußball nimmt dies aber immer mehr von dem, was ihn einst ausgemacht hat. Wenn nur noch wenige Klubs die Sonne aufsaugen, steht der Rest verloren im Schatten.