23. Januar 2021 / 12:02 Uhr

Lipsia Eutritzsch gut aufgestellt: "Die Solidargemeinschaft funktioniert"

Lipsia Eutritzsch gut aufgestellt: "Die Solidargemeinschaft funktioniert"

Andreas Neustadt
Leipziger Volkszeitung
Lipsia
Lipsia Eutritzsch im Spiel gegen Rotation Leipzig am 5. September 2020. Am Ball (v.l). Maximilian Cil und Viet Duc Phan.
Anzeige

Die aktuelle Lage geht an keinem Verein spurlos vorbei. Auch Lipsia Eutritzsch sehnt den Re-Start herbei, ist aber bislang gut durch die Corona-Pandemie gekommen.

Anzeige

Leipzig. Auch am ältesten Fußballverein Sachsens, dem SV Lipsia Eutritzsch, geht die Corona-Pandemie inklusive Lockdown natürlich nicht spurlos vorbei. Wie überall ruht auch auf dem Sportgelände in der Thaerstraße seit Wochen der gesamte Trainings- und Spielbetrieb. Damit sich trotzdem alle fit halten können, haben einige Übungsleiter in den letzten Wochen des vergangenen Jahres insgesamt 20 Videos mit verschiedenen Trainingsinhalten produziert, die alle noch auf YouTube abrufbar sind, und damit genau den Nerv der Vereinsmitglieder getroffen. „Die Videos wurden in den vergangenen Wochen bereits gut genutzt“, freut sich der Präsident des SV Lipsia, Christian Lohmeier, der im Verein nach wie vor eine gute Stimmung ausgemacht hat: „Es hoffen natürlich alle, dass es möglichst bald wieder los geht.“

Anzeige

Fünf Siege aus sechs Spielen

Bislang sei der Verein gut durch die Corona-Pandemie gekommen und "aktuell ganz gut aufgestellt", freut sich der Vereinspräsident. "Die Solidargemeinschaft funktioniert. Bislang haben nur wenige Vereinsmitglieder gekündigt, obwohl alles heruntergefahren wurde. Alle haben verstanden, dass die Mitgliedsbeiträge unser größtes finanzielles Pfund sind." Schweren Herzens musste der Verein die Mitarbeiterin der Vereinsgaststätte zum Jahresende entlassen - "natürlich mit der Option, dass sie wiederkommen kann, wenn es wieder richtig los geht", fügt Christian Lohmeier, der den Verein bereits seit 14 Jahren anführt, an.

DURCHKLICKEN: Bilder zum Sieg von Lipsia Eutritzsch

Am ersten Spieltag der Landesklasse Nord kann Lipsia Eutritzsch zu Hause einen 6:1-Kantersieg gegen Rotation Leipzig einfahren. Zur Galerie
Am ersten Spieltag der Landesklasse Nord kann Lipsia Eutritzsch zu Hause einen 6:1-Kantersieg gegen Rotation Leipzig einfahren. ©

Dass der Vereinssport derzeit komplett brach liegt, um die Corona-Pandemie zu stoppen, ist für Christian Lohmeier genau richtig. "Zu Saisonbeginn haben viele Vereine ein Coronakonzept entwickelt, damit auch wieder Zuschauer ins Stadion dürfen - unter anderem mit Abständen und Maskenpflicht. Die Einhaltung dieser Konzepte wurde aber nicht nachverfolgt. Deshalb wundert es mich nicht, dass die Zahlen so explodiert sind. In vielen Vereinen konnten die Abstände gar nicht eingehalten werden", erklärt er und mutmaßt, dass es wohl "erst im März oder April wieder losgehen wird."

Auch die Spieler der ersten Mannschaft scharren natürlich längst mit den Hufen und wollen so schnell wie möglich wieder auf den Platz. Vor dem erneuten Lockdown war das Team um Trainer Dirk Havel in der Landesklasse richtig gut drauf. Mit fünf Siegen und einer Niederlage waren die Eutritzscher Tabellenzweiter, sechs Punkte hinter Tabellenführer VfB Zwenkau und hatten dabei zwei Spiele weniger absolviert. Christian Lohmeier geht davon aus, dass nach dem Re-Start nur die Hinrunde der Saison ausgetragen wird, und dann der Tabellenerste in die Landesliga aufsteigen kann.

Kunstrasen finanziell nicht möglich

„Noch die ganze Saison durchzuziehen, dafür bleibt gar keine Zeit mehr. Schließlich kann noch niemand sagen, wann es überhaupt wieder losgeht. Bis zum ersten Spiel, brauchen die Mannschaften mindestens drei, vier Wochen Training.“ Der Aufstieg in die Landesliga ist bei den Eutritzschern definitiv ein Thema. „Wenn die Mannschaft will, kann sie aufsteigen. Allerdings nur unter einer Bedingung: Wir können keine Extragelder wie zusätzliche Prämien bezahlen. Das wurde auch mit den Spielern klar kommuniziert.“ Mit der Entwicklung des Vereins in den letzten Jahren ist Christian Lohmeier durchaus zufrieden. Unter den aktuell 357 Mitgliedern sind immerhin 199 Kinder und Jugendliche – und die Tendenz beim Nachbarschaftsverein ist weiter steigend. Insgesamt verfügt der Verein über 30 Übungsleiter.

In den vergangenen Jahren hat sich auch auf dem Sportgelände in der Thaerstraße einiges getan. So wurde das Großfeld ebenso saniert wie der Sanitärtrakt. Außerdem wurde ein neues Kleinfeld gebaut. Der nötige Kunstrasen ist dagegen finanziell derzeit nicht möglich. Der zehnköpfige Vorstand hat auch die weitere Entwicklung des Vereins ganz fest im Blick. So gibt es Ideen, eine E-Sport-Abteilung aufzubauen. Außerdem soll mittelfristig ein Kickertisch angeschafft werden, um hier zum Beispiel während der Europameisterschaft 2024 Kicker-Turniere veranstalten zu können und so das Interesse am Verein weiter zu steigern. „Solche Großereignisse im eigenen Land sind auch für kleine Vereine wie uns eine Chance, auf sich aufmerksam zu machen“, weiß Christian Lohmeier und denkt dabei voller Freude an die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland zurück.

Unter anderem führte der Verein während der gemeinsam mit dem Schiller-Gymnasium und der Lindenhof-Förderschule ein integratives Fußballprojekt durch. Dieses Projekt konnte sogar mehrere Jahre aufrechterhalten werden, bis es „personell nicht mehr zu stemmen war“, bedauert der engagierte Vereinspräsident: „Solche Kooperationen zwischen Verein und Schule möchten wir gern weiterführen. Leider stehen die Vereine dabei oft alleine da. Hier vermisse ich eine Initiative der Verantwortlichen von Stadt und Land sowie der Sportlehrer. Da fehlt mir eine große Kampagne, die solche Initiativen in den Vordergrund rückt.“ Andreas Neustadt

Übrigens: Die Mitgliederversammlung am 12. März findet natürlich auch beim SV Lipsia online statt.