05. November 2020 / 16:21 Uhr

Kultcoach Peter Neururer im 126. NP-Anstoß: "Gegner muss sich nach 96 richten"

Kultcoach Peter Neururer im 126. NP-Anstoß: "Gegner muss sich nach 96 richten"

Sportredaktion Hannover
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Christoph Dannowski (von links) diskutiert beim 126. NP-Anstoß mit Peter Neururer und Dieter Schatzschneider.
Christoph Dannowski (von links) diskutiert beim 126. NP-Anstoß mit Peter Neururer und Dieter Schatzschneider. © Florian Petrow
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Wenn einer etwas über 96 sagen kann und will, dann Peter Neururer. Der zweifache Ex-Trainer der Roten war einer der drei Gäste im "Anstoß ... der 96-Talk". In der Diskussionsrunde der NP redete der Kultcoach wie gewohnt Tacheles: "96 muss auf die eigenen Stärken achten, und dann wird es für den Aufstieg reichen."

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Der Porsche unter den Fußballtrainern ließ seinen Wagen in der Garage. Peter Neururer (65) meldete sich am Donnerstag von zu Hause aus Gelsenkirchen beim digitalen 96-Stammtisch, um mit den Experten beim NP-Anstoß über die Auswärtsschwäche von Hannover 96 zu sprechen.

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Das 1:4 in Fürth „war schrecklich“, fand 96-Sturmikone Dieter Schatzschneider. Was sagt Neururer? „Es ist völlig ins Klo gegriffen worden. Das Fürth-Spiel habe ich überhaupt nicht verstanden.“ 96-Fachmann Neururer erklärt’s: „Die fußballerische Stärke reicht aus, um jeden Gegner in der 2. Liga zu schlagen. Dass 96 auswärts nicht imstande ist, stabil aufzutreten, kann man nicht verstehen. 96 muss auf die eigenen Stärken achten, und dann wird es für den Aufstieg reichen.“

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Jedes 96-Spiel sieht Neururer im Fernsehen. Er selbst ist aktuell Kult-Internetstar wegen einer Fotomontage. Neururer steigt da vor dem Weißen Haus aus seinem Porsche – die Originalaufnahme entstand im April 2015 vorm Courtyard-Hotel am Maschsee, als Neururer beinahe zum dritten Mal 96-Trainer geworden wäre.

Der Feuerwehrmann als US-Präsident? „Ja selbstverständlich“, sagt Neururer, „diese Kleinigkeit, wer Schalke oder 96 übernehmen kann, bekommt in den Vereinigten Staaten keine Probleme. Ich fahre in Washington hoch und runter, bis der Sprit leer ist. “ Die 96-Mannschaft hat auswärts viel zu wenig im Tank, findet Schatzschneider. „Wir brauchen zu viele Chancen“, sagt er und nimmt die Stürmer Marvin Ducksch und Hendrik Weydandt in die Pflicht. „Die sollen mir nicht mit ihren zwei Törchen kommen, ich erwarte 15. Das können die beiden auch.“

Doppelt so viele Treffer wird Hamburg-Stürmer Simon Terodde wohl noch schaffen. Die HSV-Spitze bedroht sogar den Zweitliga-Torrekord von Schatzschneider (154). „Ich zittere schon, ich gönne es dem Terodde nicht, ich bin gerne Rekordtorschütze der 2. Liga.“ Es könne aber durchaus sein, „dass 96 dieser Unterschiedsspieler wie Terodde fehlt, unser Unterschiedsspieler ist ja noch nicht in Form.“

Womit die Runde mit dem Pass Richtung Angreifer Patrick Twumasi angelangt war. „Twumasi ist der große Schwachpunkt der Transferpolitik“, findet NP-Experte Andreas Willeke. „Auf Terodde hätte man an 96-Stelle auch kommen können.“ Das findet Neururer übrigens auch, „ich kenne Terodde ja, hab’ ihn ja selbst trainiert“. Bei Fehleinkäufen stehe allerdings sein Lieblingsbeispiel Schalke ganz oben: „Die Mannschaft hat jemand zusammengestellt, der muss einen Blindenhund dabei gehabt haben, der aber selbst nichts gesehen hat.“

Re-LIVE: der 126. NP-Anstoß mit Peter Neururer

Für den 96-Angriff macht Neururer einen konstruktiven Vorschlag für den Winter: „Was wäre mit Philipp Hofmann vom KSC?“ Nicken bei den Experten. „Den finde ich richtig gut“, sagt auch Sturm-Experte Schatzschneider.

Richtig gut war bei 96 auswärts schon lange nichts mehr. Willeke macht eine alte Rechnung auf, „aus der Rangnick-Zeit, zu Hause gewinnen, auswärts einen Punkt, das sind zwei Punkte im Schnitt, damit steigst du auf. Vielleicht sollte man auswärts etwa einen Schritt zurück und vorsichtiger rangehen.“ Dem Trainer machte keiner so richtig einen Vorwurf: „Kenan Kocak hat tolle Leute, aber nicht viel Zeit gehabt, sie ins System einzubauen“, findet Willeke.

Neururer sieht es ähnlich: „96 ist fast jeder Mannschaft spielerisch überlegen, auf jeder Position ist 96 besser besetzt. Warum rufen sie es auswärts nicht ab? Ich muss auswärts nur spielen, was ich kann.“ Gerade bei Geisterspielen müsse das möglich sein. „Zuschauer behindern 96 jedenfalls nicht.“ Und Neururer muss es wissen: Er schrieb schließlich mal seine Diplomarbeit zum Einfluss der Fans auf Fußballspiele.

In Hannover müsse jeder Spieler „outstanding“ sein, sagte Neururer ganz amerikanisch. Bei 96 muss jeder imstande sein, das eigene Ich durchzusetzen.“ Am Ende sieht Neururer den HSV „bis auf Simon Terodde nicht besser als 96“. „Der HSV steigt auf, der zweite Platz für 96 reicht für den Aufstieg.“ Damit würde Hannover sehr gut fahren.