29. Oktober 2020 / 18:56 Uhr

Livestream des VfL Potsdam: Die Aufmerksamkeit ins Digitale verlagern

Livestream des VfL Potsdam: Die Aufmerksamkeit ins Digitale verlagern

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Philipp Jochimsen und Nils Jürschke (v.l.) kommentieren als Duo die Spiele des VfL Potsdam im Livestream. 
Philipp Jochimsen und Nils Jürschke (v.l.) kommentieren als Duo die Spiele des VfL Potsdam im Livestream.  © Jennifer Tuffour
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Leere Sportstätten und geringe Zuschauerkapazitäten in der Corona-Pandemie: Drittliga-Handballer bieten für ihre Spiele eine Online-Alternative an.

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Not macht in Zeiten der Corona-Pandemie erfinderisch. Zu ihrem gegenwärtigen Glück, wenn man das so überhaupt bezeichnen kann, wurden die Handballer des VfL Potsdam aber gezwungen. Schon am Sonntag (16 Uhr), wenn der HC Empor Rostock zum Drittliga-Spitzenspiel in der Landeshauptstadt gastiert, kämpft der Tabellendritte gegen den Ligaprimus wahrscheinlich (Stand: Donnerstagabend, 18 Uhr) vor leeren Rängen um Zählbares. Das Duell live verfolgen können die VfL-Fans aber ohnehin – ob unterwegs oder auf der heimischen Couch.

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„Es ist seit dieser Saison für alle Drittligisten verpflichtend, einen Livestream anzubieten“, verrät Christian Barth, Geschäftsstellenleiter des VfL Potsdam. Schon in der Vergangenheit spielte man immer mal wieder mit dem Gedanken, bewegte Bilder der Heimauftritte online zu stellen. „Aber wir wollen die Leute ja in die Halle bekommen, deshalb hatten wir meist Abstand davon genommen.“ Jene Thematik könnte nun aber allgegenwärtiger nicht sein, leere Sportstätten und minimalste Zuschauerkapazitäten haben in der Corona-Pandemie längst Bestand. Neben Geisterspielen droht gar Saison-Unterbrechung im November.

In Bildern: Der VfL Potsdam besiegt die Mecklenburger Stiere Schwerin.

Viertes Spiel, vierter Sieg: Die Potsdamer Adler (rote Trikots) wahren in der 3. Handball-Liga Nord-Ost die weiße Weste und gewinnen gegen die Stiere mit 33:29 (17:16). Zur Galerie
Viertes Spiel, vierter Sieg: Die Potsdamer Adler (rote Trikots) wahren in der 3. Handball-Liga Nord-Ost die weiße Weste und gewinnen gegen die Stiere mit 33:29 (17:16). © Julius Frick

Umso schöner, dass die Anhänger die Spiele ihrer Mannschaft über mehrere Plattformen (sportdeutschland.tv, handball-deutschland.tv, dhb.de/livestreams sowie die Webseiten der Verein) verfolgen können. Das Material, insbesondere die Kamera, bekam der VfL kostenlos zur Verfügung gestellt. „Jeweils um die 100 Personen haben die Möglichkeit an den ersten vier Spieltagen genutzt. Das ist ein ordentlicher Anfang. Ich gehe aber davon aus, dass wir uns am Sonntag mindestens im mittleren dreistelligen Bereich bewegen werden“, sagt Barth mit Blick auf das Spitzenspiel. Durch die ohnehin schon geringen Zuschauerzahlen, welche möglicherweise gänzlich wegbrechen könnten, gehen dem VfL wichtige Gelder flöten. Auch mit Blick auf diesen Aspekt ist die Online-Alternative eine willkommene Sache, wie Christian Barth betont: „Wir wissen noch nicht, in welcher Höhe das ist, aber wir werden an den Einnahmen prozentual beteiligt.“

Einnahmen? 4,50 Euro beträgt der Standardpreis, den der Nutzer pro Spiel, egal gegen welchen Gegner es geht, zahlt. „Die Bezahlschranke mag im ersten Moment abschrecken, hilft uns als VfL Potsdam letztlich aber extrem weiter“, erklärt Barth. Auf MAZ-Nachfrage bei sportdeutschland.tv – der Streamingdienst läuft unter dem Dach des Deutschen Olympischen Sportbundes – gab es keine Auskünfte zu Abrufzahlen oder Preisaufschlüsselungen. Die Adler wollen die Aufmerksamkeit ins Digitale verlagern, im Testspiel gegen Bundesligist Füchse Berlin gelang dies in Perfektion. „Da haben wir über unsere Facebookseite einen Livestream angeboten, weil nur 250 Zuschauer in die Halle kommen durften. Die Reichweite lag bei über 45 000, wir hatten aber davon profitiert, dass Stefan Kretzschmar diesen Stream geteilt hatte“, sagt Christian Barth.

Um das Geschehen auf der Platte launiger wirken zu lassen, engagiert der VfL Kommentatoren für die Übertragung. Zuletzt waren die Ex-Potsdamer Philipp Jochimsen und Nils Jürschke am Mikrofon. „Der Start war auch wegen der ungewohnten Technik etwas holprig, mittlerweile haben wir uns aber reingefuchst. Philipp bereitet sich immer gut auf den Gegner vor, ich erzähle was zu den Spielzügen des VfL“, erklärt Jürschke, der – wenn es die Zeit zulässt – ebenfalls 4,50 Euro zahlen würde, wenn er die Adler verfolgen will: „Die sind dann gut investiert, wenn man seinen Verein in schwierigen Zeiten auch noch unterstützt.“ Am liebsten wäre es dem VfL die Leute in der MBS-Arena zu begrüßen, betont Barth. Das VfL-Einzelticket sei in diesen Zeiten aber eine gute Variante.