31. August 2020 / 17:53 Uhr

LKT-Team Brandenburg zieht sich zurück

LKT-Team Brandenburg zieht sich zurück

Peter Stein
Märkische Allgemeine Zeitung
Die dreimalige Weltmeisterin Emma Hinze fährt weiter für das Track-Team Brandenburg.
Die dreimalige Weltmeisterin Emma Hinze fährt weiter für das Track-Team Brandenburg. © Sebastian Gollnow/dpa
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Ende einer Ära: Das LKT-Team Brandenburg zieht sich nach 14 Jahren aus dem professionellen Radsport zurück. Vorerst wird aber das Track-Team Brandenburg weiter unterstützt und ab 2022 soll es ein Frauen-Team geben.

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Eigentlich hätten sie beim LKT-Team Brandenburg allen Grund zur Freude. Denn mit Roger Kluge (Lotto-Soudal), Nikias Arndt (Sunweb) und Jonas Koch (CCC) strampeln derzeit drei Radprofis bei der Tour de France, die bei der Equipe aus Brandenburg ihre ersten professionellen Schritte gingen. Oder besser gesagt, Pedaltritte absolvierten. Doch nun gab der Teammanager Steffen Blochwitz bekannt, dass die Mannschaft für das kommende Jahr keine Continental-Lizenz mehr beim Weltverband UCI beantragen wird. Damit endet nach 14 Jahren eine Ära. „Wir haben finanziell immer am Limit gearbeitet, jetzt geht das nicht mehr. Der Radsport ist auch teurer geworden“, begründet Blochwitz.

Die Mannschaft konnte sich dank des Hauptsponsors und Teameigners Michael Müller mit seiner in Luckau ansässigen Firma Lausitzer Klärtechnik (LKT) jährlich auf einen Etat von etwa 200 000 Euro stützen. „Das ist nun nicht mehr möglich“, so Blochwitz. „Wir haben uns aber in der ganzen Zeit nie etwas zu Schulden kommen lassen, haben die Fahrer immer bezahlt.“ Mit Erfolg.

Große Namen im Team

Denn die drei genannten Profis – Kluge sorgte als Olympiazweiter im Punktefahren 2008 für den ersten großen Erfolg – waren und sind beileibe nicht die einzigen Radsportler, die aus dem Team hervorgingen. Dazu zählen auch Max Kanter (Sunweb) oder Leon Rohde (rad-net Rose Team), der zum Nationalvierer und zum Olympiakader auf der Bahn zählt. Auch Doppel-Olympiasieger Robert Bartko aus Potsdam fuhr noch für LKT.

Trainer Sebastian Deckert, nun ebenfalls sportlicher Leiter beim deutschen Word-Tour-Rennstall Sunweb, machte seine ersten beruflichen Schritte im LKT-Team Brandenburg. „Es war uns immer wichtig, dass die Jungs im Team Vorbilder haben, dass sie sehen, unser Weg funktioniert“, so Blochwitz, der sein Team als wichtige Zwischenstufe zwischen Nachwuchs und Sportschule sowie dem Sprung in den Top-Profibereich sah. „Doch viele Profiteams locken den Nachwuchs nach Juniorentiteln heutzutage noch früher, damit überspringen diese Fahrer praktisch unsere Stufe“, meint Blochwitz. Der 52-Jährige kam einst auch von der Bahn – 1988 Olympiazweiter und 1989 Weltmeister mit dem DDR-Vierer – und war dann Profi bei den Agro Adlern Brandenburg.

 Der 13-köpfige Fahrer-Kader hatte sein Betätigungsfeld auch in der Rad-Bundesliga, die in diesem Jahr wegen Corona nur virtuell mit einigen Rennen stattfand. Zuletzt war die Equipe mit den rot-weiß-schwarzen Trikots, in der unter anderen mit dem 22-jährigen Richard Banusch ein Europameister im Punktefahren strampelt, in Polen aktiv. „Innerhalb von drei Wochen gab es in unserer Mannschaft drei Knochenbrüche. Das habe ich auch noch nie erlebt. Das zeigt, das diese verkürzte Corona-Saison keine gewöhnliche ist. Es wird sehr hektisch gefahren“, schätzt Blochwitz ein. „Es tut weh, sein Baby zu Grabe zu tragen. Wenn man es nicht mehr ernähren kann, bleibt keine andere Wahl."

Unterstützung für die Bahnradsprinter

Aber er wird weiter als Teammanager tätig sein. Auch der Hauptsponsor will dem Radsport treu bleiben. So wird vorerst das Track-Team Brandenburg weiter unterstützt, dessen Aushängeschild die dreimalige Sprint-Weltmeisterin Emma Hinze ist. „Der Bahnradsport war immer unsere Kernmarke. Die guten Leute kamen alle von der Bahn“, meint der sportliche Leiter. „Nur dass wir uns im Moment auf den Sprint konzentrieren.“ Auch Eric Engler gehört dazu und aus Chemnitz kam Maximilian Dörnbach, mehrfacher Europameister und der Freund von Emma Hinze. Das Trio habe das Zeug dazu, im kommenden Jahr die Olympia-Teilnahme zu schaffen.

Und 2022 soll es sogar wieder ein LKT-Team Brandenburg geben – diesmal allerdings als Profi-Equipe bei den Frauen. „Das war sogar mal der ursprüngliche Traum von Michael Müller, als er bei uns einstieg“, verrät Blochwitz. „Im nächsten Jahr wollen wir mit dem Aufbau anfangen und zunächst eine Juniorinnen-Mannschaft bilden.“