30. Juli 2020 / 16:38 Uhr

Llanez, Kayo und Co.: Deshalb ist der US-Markt für den VfL Wolfsburg so interessant

Llanez, Kayo und Co.: Deshalb ist der US-Markt für den VfL Wolfsburg so interessant

Benno Seelhöfer
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Schaut sich gern in den USA um: VfL-Nachwuchs-Chef Pablo Thiam (r.) hat nicht nur Ulysses Llanez (l.) in die Akademie der Wolfsburger geholt.
Schaut sich gern in den USA um: VfL-Nachwuchs-Chef Pablo Thiam (r.) hat nicht nur Ulysses Llanez (l.) in die Akademie der Wolfsburger geholt. © Boris Baschin / Roland Hermstein
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Der VfL Wolfsburg setzt auf Talente aus den USA, allein in diesem Sommer sind zwei neue US-Boys in den Nachwuchs-Bereich des Klubs gewechselt. Pablo Thiam, Sportlicher Leiter des VfL-Nachwuchses, erklärt, wieso.

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Ulysses Llanez, Michael Edwards und jetzt kommen noch Bryang Kayo und Kobe Hernandez-Foster dazu. 2016 kam Stürmer Orrin McKinze Gaines in die VfL-Akademie (heute Hannover 96 II) und John Anthony Brooks spielt seit drei Jahren bei den Profis. So viel ist klar: Der VfL Wolfsburg setzt auf US-Power - und das vor allem in der Jugend mit vier großen Talenten. Aber was macht den Spieler-Markt in den USA so interessant, in einem Land, in dem Fußball hinter American Football, Baseball und Co. oft um Anerkennung kämpfen muss.

"Wir sichten überall Spieler und gucken dann, was Sinn macht", sagt Pablo Thiam, Sportlicher Leiter des VfL-Nachwuchses. Aber in die USA hat es ihn doch in letzter Zeit häufiger gezogen - und zwar aus mehreren Gründen: "Der US-Markt ist noch nicht so beachtet, was an der Entfernung, aber auch an einer anderen Struktur im Fußball liegt." In den USA gibt es beispielsweise kein klassisches Vereinswesen wie in Europa. Aber trotz eines anderen Systems lobt Thiam: "Die Amerikaner haben gerade im Jugendbereich aufgeholt - was die Vorbereitung der Spieler und ihre Athletik angeht. Da ist viel Potenzial."

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Persönliche Bindung ist wichtig

Und aus diesem Potenzial möchte der VfL schöpfen - auch wenn ein Transfer über den großen Teich "einen etwas größeren Aufwand" mit sich bringe, wie Thiam erklärt. Denn das ist ein anderer Grund, weswegen es ihn immer mal wieder über den Atlantik zieht: "In der Akquise von US-Talenten ist die persönliche Bindung enorm wichtig. Wir lernen die Familien kennen, erklären ihnen, wie die Ausbildung bei uns abläuft und wie Fußball bei uns strukturiert ist." Besonders wichtig im Anschluss: Der VfL unterstützt die Jungs, sich in Deutschland zurechtzufinden, "alle machen hier ihre Schulabschlüsse", so Thiam, der aber auch betont: "Es ist gut für die Jungs, wenn sie mal eine andere Kultur kennenlernen."

Im Optimalfall setzt sich ein US-Boy dann beim VfL durch, schafft den Sprung zu den Profis. "Ulysses ist bei den Profis angedockt, hatte sein erstes A-Länderspiel und hat da auch direkt getroffen", erinnert sich der VfL-Nachwuchs-Chef, der damals in Los Angeles im Stadion war, gern zurück. "Darüber freuen wir uns natürlich sehr." So ein Talent findet bei den US-Fußball-Fans natürlich schnell Beachtung, schließlich gibt es nur wenige große Stars. Auch das ist ein Aspekt, der sich für den VfL finanziell auszahlen könnte. Thiam bleibt da aber lieber defensiv: "Wichtig ist, dass wir die Jungs gut ausbilden. Wenn das dann später mal ein Nebeneffekt ist, ist das natürlich super."

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Für alle Seiten lukrativ

Doch nicht nur der VfL profitiert von der Zusammenarbeit über den großen Teich hinaus. Thiam: "Die US-Klubs haben gemerkt, dass es ein lukratives Geschäftsmodell ist, junge Spieler nach Europa zu verkaufen." Und auch die dritte Seite, die der Spieler, profitiert natürlich: "Die Nachwuchs-Spieler können bei uns eine Karriere starten, die in den USA vielleicht so nicht möglich ist."

Den Kontakt über den Atlantik pflegt der VfL-Nachwuchs-Chef daher ausgiebig, hat sich beispielsweise auch mit US-Nationaltrainer und Ex-Bundesliga-Profi Gregg Berhalter regelmäßig getroffen. Aber wer es von den US-Boys in den Profi-Kader schaffen kann, da hält Thiam sich bedeckt: "So eine Prognose werde ich niemals stellen. Bis es vielleicht mal in die Bundesliga geht, kann noch so viel passieren."