05. Juni 2021 / 14:16 Uhr

LLG Luckenwalde trägt in der Pandemie Laufklassiker individuell aus

LLG Luckenwalde trägt in der Pandemie Laufklassiker individuell aus

Sport Lucki
Märkische Allgemeine Zeitung
Einige der jüngsten LLG-Sportlerinnen und Sportler mit ihren Crosslaufserien-Urkunden 2021.
Einige der jüngsten LLG-Sportlerinnen und Sportler mit ihren Crosslaufserien-Urkunden 2021. © Privat
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Leichtathletik: Die Luckenwalder Crosslaufserie und der Turmfestlauf durch die City mussten in diesem Jahr pandemiebedingt ausfallen. Ein Klassiker fand dennoch statt. Allerdings nicht in  traditioneller Form. 

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Der Luckenwalder Turmfestlauf wäre für viele das sportliche Frühsommer-Highlight am vergangenen ersten Juni-Wochenende gewesen. Das beliebte Event wurde jedoch, wie bereits im Vorjahr, erneut Opfer der Pandemie. Der Lauf durch die Luckenwalder City ist vor wenigen Wochen abgesagt worden. Mittlerweile gibt es dank gesunkener Inzidenz jedoch Hoffnung. Das Schlimmste scheint für die Sportfamilie in der Region vorerst überstanden.

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Nach dem mehrmonatigen Corona-Lockdown haben erste Trainings von Luckenwalder Leichtathleten stattgefunden. Immer mehr Kinder und Jugendliche finden sich ein. „Die Gruppen, anfangs noch klein wie nach jedem Lockdown, wachsen wieder“, freut sich Siggi Slatosch, Trainer der Leichtathletik-Lauf-Gemeinschaft (LLG) Luckenwalde, „bei erstaunlich schnellen Tempoläufen der älteren Sportler merkte man deutlich, dass sie wieder mit großer Begeisterung dabei sind.“

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Die Aussicht auf Wettkämpfe motiviert zusätzlich. So nutzte mit Amelie Lummert eine der fleißigsten Luckenwalder Leichtathletinnen den kurzfristig angesetzten LVB-Pokal in Jüterbog für ihren Jahrgang der 15-Jährigen trotz ungewohnter Disziplinen. Ihr überraschender dritter Platz im Diskuswurf sind Lohn und Ansporn zugleich.



In den kommenden Wochen werden weitere Luckenwalder Talente an Wettkämpfen teilnehmen. Die Trainer hoffen, dass bald auch die letzten noch pausierenden Altersgenossen wieder zu ihrem sportlichen Ehrgeiz zurückfinden. Möglichst viele der rund 100 Leichtathleten des Vereins sollen spätestens zum geplanten zweiten Luckenwalder Bahnwettkampf Mitte August im Werner-Seelenbinder-Stadion wieder aktiv sein.

Trotz der Corona-Beschränkungen waren die LLG-Sportler in den zurückliegenden Monaten nicht ganz tatenlos. Gleich nach der 38. Crosslaufserie stoppte die Pandemie im März 2020 zwar sämtliche Trainings- und Wettkampfaktivitäten vor Ort, aber schon im letzten Sommer ließen sich die Verantwortlichen etwas einfallen, um besonders talentierten jungen Leichtathleten zumindest ein Einzeltraining zu ermöglichen. Die Eröffnung der Luckenwalder Tartanbahn im August war damals der erste größere Wettkampf im Land Brandenburg, dem schließlich nach Lockerungen noch einige Landesmeisterschaften folgten. Nach den Sommerferien trainierten die Leichtathleten weiter in kleinen Gruppen und unter Beachtung der Hygienevorschriften bis der November-Lockdown ihnen einen kompletten Sportstopp bescherte.

„14 Tage Pause sollten es damals nur sein“, erinnert sich Slatosch. Der Vereinssport ruhte jedoch für Monate. Per Whatsapp riefen die LLG-Trainer einen Fitnesswettbewerb ins Leben. Es galt, Ausdauer-, Kraft- und Koordinationsübungen und zwischenzeitlich Schlittenabfahrten zu absolvieren. Die Ergebnisse wurden wöchentlich ausgewertet. Zur Belohnung gab es kleine Preise.

Amelie Lummert (r.), eine der fleißigsten Luckenwalder Leichtathletinnen, belegte beim kurzfristig angesetzten LVB-Pokal in Jüterbog einen überraschenden dritten Platz im Diskuswurf der 15-Jährigen.
Amelie Lummert (r.), eine der fleißigsten Luckenwalder Leichtathletinnen, belegte beim kurzfristig angesetzten LVB-Pokal in Jüterbog einen überraschenden dritten Platz im Diskuswurf der 15-Jährigen. © Privat

Die Coronalage änderte sich allerdings nicht. Virtuelle Laufangebote schossen mittlerweile in ganz Deutschland wie Pilze aus dem Boden. Daran teilnehmen wollten die Luckenwalder Trainer jedoch nicht, denn Leichtathletik nur auf das Laufen zu beschränken, war nicht in ihrem Sinn. Zwangsläufig setzten sie ihren Fitnesswettbewerb fort. T-Shirts mit LLG-Logo, Bluetooth-Headsets oder Bücher-Gutscheine gingen in rund viereinhalb Monaten bis zum 15. März an 43 junge Sportler. Als fleißigste kristallisierten sich im Altersbereich der Neun- bis Elfjährigen Mia Plichta und Nic Gedicke heraus. Bei den älteren waren es Hannah Gatzky und Dustin Lauruschkat.

Doch was wäre die LLG Luckenwalde ohne ihre Crosslaufserie. Das Event ist sogar über die Grenzen des Landes bekannt. Der Vereinsvorsitzende Jens Abicht wollte die Serie Ende Januar noch nicht absagen. Kurzerhand testete die Leichtathletikabteilung vor allem mit ihrem jüngeren Nachwuchs eine whatsapp-gesteuerte kleine Laufserie. Rund um den Tierpark durften sich vor allem die kleinsten LLGler über rund 740 Meter virtuell messen. Drei immer länger werdende Läufe, schließlich auch durch den Stadtpark bis maximal 1,3 Kilometer, wurden von 31 LLG-Nachwuchssportlern absolviert. Eine Durchführung der 39. Luckenwalder Crosslaufserie war dennoch nicht möglich. Sie musste schweren Herzens gestrichen werden.

Ein Jahr Pandemie blieb nicht folgenlos. Zurückgezogenheit und fehlende persönliche Kontakte nagten zunehmend an der Motivation der LLG-Sportler. „Einige stiegen aus dem Lauf- und Fitnessangebot komplett aus“, erklärt Slatosch, „obwohl sie zuvor zu den fleißigsten beim Whatsapp-Training zählten.“ Hinzu kam, dass im Frühjahr die Hochphase der Abi-Prüfungen für einige der Ehrgeizigen anstand.

Ein erneut über das Handy gelenkter zweiter Fitnesswettbewerb für alle wurde ins Leben gerufen. Zusätzliche kindgerechte beziehungsweise koordinative Übungen sowie eine vereinfachte Meldeform sollten die „Couchpotatoes“ wieder aktivieren. Der zweite LLG-Fitnesswettbewerb schaffte es in fünf Wochen immerhin, noch einmal knapp 30 Sportlerinnen und Sportler zu Laufen/ Radfahren/Skaten, Liegestütz, Kniebeugen, Hockstrecksprüngen, Sit-ups, Seilsprüngen, Treppaufläufen und mehr zu bewegen.

Während zum Leidwesen aller auch der diesjährige Turmfestlauf erneut abgesagt werden musste, organisierten die LLG-Trainer gleichzeitig eine eigene interne 39. Luckenwalder Crosslaufserie. Die orientierte sich an den Kurzstrecken der Original-Crosslaufserie. Das allerdings erwies sich als ein Geduldsspiel. „Abgesprochen mit Revierförster und Stadt, schienen es einige Spaziergänger im Wald wohl jedoch nicht gut zu finden, dass an manchen Ästen blaue Bänder hingen, die den Sportlern den Weg weisen sollten“, sagt Slatosch. Es entwickelte sich nach seinen Worten regelrecht ein Sport gegen Unbekannt. Nahezu täglich waren entweder Bänder entfernt oder gar in andere Richtungen gehangen, sodass Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die sich alleine – eben kontaktlos – auf den Weg machten, nicht ins Ziel gefunden hätten. „Aber denjenigen, die vor allem beim Schlusslauf hinter dem Waldfriedhof täglich Bänder sammelten, mussten selbst sehr sportlich sein“, nimmt es Slatosch positiv, „kontrollierten schließlich täglich mehrere LLGler die Strecken. Sie nutzten das für ihr eigenes Training – auch ein positiver Effekt...“

Traditionell startete die virtuelle Crosslaufserie am Sportplatz Baruther Tor über die flache rund 1,8 Kilometer lange Original-Kurzstrecke. Dem folgte ein etwas kürzerer zweiter Lauf über 1,1 Kilometer in den Hügeln hinter dem Seelenbinder-Stadion. Der mit diesmal rund 2,4 Kilometer traditionell längste Lauf startete diesmal am Freibad im Elsthal, führte kurz über einige Hügel auf die flache Skaterbahn und in das landschaftliche schöne Wiesendreieck von Nuthe und Königsgraben. Und als der vierte Lauf – wie immer der aufgrund seiner Länge und häufigen Hügel der anstrengendste – am 9. Mai beendet war, zählten die Verantwortlichen 71 Teilnehmer. Eine Anzahl, an die sie aufgrund der Pandemie-Umstände vorher nicht geglaubt hatten. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten alle vier Läufe absolviert.

Individuell absolvierten die LLG-Sportler in diesem Jahr die Strecken der Luckenwalder Crosslaufserie.
Individuell absolvierten die LLG-Sportler in diesem Jahr die Strecken der Luckenwalder Crosslaufserie. © Privat

„Dabei war die fünfjährige Luisa genauso vertreten wie acht Mütter und Väter, die ihren Kindern ein eindrucksvolles Vorbild waren“, sagt Slatosch. Er und seine LLG-Trainerkollegen konnten beim letzten Lauf hervorragend vergleichen, wie es im die Kondition der Kinder und Jugendlichen steht. Auffallend ist, so die Einschätzung, dass Sportler/innen der jüngsten LLG-Gruppe wie der neunjährige Jannis Henkel deutlich schneller waren als sonst durchaus talentierte 14-jährige Vereinskameraden. Der Unterschied zum Vorjahr zog sich letztlich durch alle Altersschichten. Und er ist beträchtlich. Im Vergleich zu 2020 waren die Läuferinnen und Läufer teilweise zwischen zwei und fünf Minuten langsamer.

Dafür gibt es sicherlich viele Gründe. Zu einfach wäre es, das nur auf die mangelnde Fitness zu schieben. Einen Lauf im Alleingang zu absolvieren, ist schon schwierig. Dazu kommen dann die allgemeine Lethargie aus dem Zuhause-Sitzen im Homeschooling und vieles mehr. Diese Umstände tragen sicherlich ebenfalls mit dazu bei. „Ihr schafft es im Moment eher, mich als Mutter zum Laufen zu bringen“, zitierte Slatosch die Worte einer Teilnehmerin an der virtuellen Luckenwalder Crosslaufserie 2021.