29. April 2022 / 12:22 Uhr

Lob für Frankfurt und Beschwörung der Geschichte: Wie Englands Presse den SGE-Sieg gegen West Ham einordnet

Lob für Frankfurt und Beschwörung der Geschichte: Wie Englands Presse den SGE-Sieg gegen West Ham einordnet

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Eintracht Frankfurt geht mit einem 2:1-Sieg im Rücken in das Rückspiel gegen West Ham.
Eintracht Frankfurt geht mit einem 2:1-Sieg im Rücken in das Rückspiel gegen West Ham. © IMAGO/Revierfoto (Montage)
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Für West Ham United wird der Einzug ins Finale der Europa League nach der Hinspiel-Pleite in der Vorschlussrunde gegen Eintracht Frankfurt zu einer schweren Aufgabe. Von der britischen Presse und aus dem Lager der Londoner erntete die SGE für ihren Auftritt viel Lob.

David Moyes hatte ausführlich über die Mängel seines West Ham United Football Club im Halbfinal-Hinspiel der Europa League gesprochen. Darüber, dass die Mannschaft ihre eigentliche Stärke, die Standardsituationen, so schlecht ausgespielt hätte "wie seit zwei Jahren nicht", dass "unsere kreativen Spieler nicht genug gemacht" hätten und dass den Londonern vielleicht manchmal "die Qualität für dieses Level" fehlen würde. Doch der Trainer wollte natürlich nicht verschweigen, welchen Anteil der Gegner daran hatte, dass der Abend aus West Hams Sicht unerfreulich verlaufen war. "Frankfurt hat es uns schwer gemacht. Man muss ihnen Anerkennung dafür zollen, dass sie auswärts richtig gute Arbeit geleistet haben", sagte Moyes.

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2:1 gewann die als leichter Außenseiter in die Partie gegangene Eintracht vor 60.000 Zuschauern im brodelnden London Stadium und schaffte damit eine hervorragende Ausgangslage, um im Rückspiel kommende Woche Donnerstag einen Platz im Endspiel in Sevilla am 18. Mai zu buchen. Neben dem guten Ergebnis erwirtschaftete sich die Mannschaft von Trainer Oliver Glasner bei ihrer Reise in die britische Hauptstadt viel Respekt im Mutterland des Fußballs. "Eintracht war beeindruckend. Ihre Bewegungen waren zu schnell, ihr Zusammenspiel zu präzise. Das leidenschaftliche Heimpublikum konnte sie nicht einschüchtern", notierte der linksliberale Guardian. Die seriöse Times schrieb: "Eintracht Frankfurt war schlauer und kaltschnäuziger im Angriff und gewann das schnelle, offene und ausgeglichene Spiel verdient."

Panik bricht in England allerdings nicht aus wegen West Hams Niederlage. Die Mannschaft hat im Verlauf dieser Europa-League-Saison mehrfach bewiesen, dass sie zu großen Leistungen im Stande ist, zum Beispiel beim 2:0 nach Verlängerung im Achtelfinale gegen den Rekordsieger des Wettbewerbs, den FC Sevilla, und beim 3:0 im Viertelfinale bei Olympique Lyon. Im Rückspiel gegen Frankfurt kommt eine historische Komponenten dazu. "Wenn es jemals einen Moment gab, in dem sich Geschichte wiederholen sollte, dann wäre jetzt die Zeit dafür", schrieb das Krawallblatt The Sun. Der Hintergrund: 1976 standen sich die Mannschaften im Halbfinale des Europapokals der Pokalsieger gegenüber. Auch damals gewann Frankfurt das Hinspiel 2:1. Im Rückspiel erlebte West Ham – im ehemaligen Heimstadion Upton Park – einen der größten Abende der Vereinsgeschichte und zog durch einen 3:1-Sieg ins Finale ein, das dann allerdings gegen Anderlecht verloren ging.

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Europa League mit geringerem Stellenwert in England

In Deutschland sind Eintracht Frankfurts Reisen durch die Europa League eine große Geschichte, in England ist das mit West Ham ein bisschen anders. Zwar haben auch die Londoner in dieser Saison gelernt, den Wettbewerb ernst zu nehmen. In der Gesamtbetrachtung spielt der zweitwichtigste kontinentale Wettbewerb aber nur eine untergeordnete Rolle. Die Boulevardzeitung Daily Mirror zum Beispiel fand auf ihrer letzten Seite, in englischen Medien traditionell die Hauptseite des Sportteils, nur ein kleines Fenster für West Hams Auftritt gegen Frankfurt. Die Hauptthemen waren das 1:1 von Manchester United gegen den FC Chelsea am gleichen Abend und Jürgen Klopps Vertragsverlängerung beim FC Liverpool.

Sollte West Ham das Endspiel in Sevilla verpassen, würde sich die englische Fußball-Welt ungerührt weiterdrehen. Das liegt auch an der Champions League, wo es zu einem englischen Finale zwischen Manchester City und Liverpool kommen könnte. Was in der Europa League passiert, ist im Vergleich dazu unbedeutend. Einerseits. Andererseits ist auch klar, wie Englands Medien ein Weiterkommen von West Ham deuten würden – nämlich als weiteren Beleg für die Überlegenheit des englischen Fußballs.