05. November 2020 / 14:45 Uhr

Lockdown für die 3. Liga: Profitum oder nicht? Das muss jetzt die Politik entscheiden

Lockdown für die 3. Liga: Profitum oder nicht? Das muss jetzt die Politik entscheiden

Uwe Serreck
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Das muss jetzt die Politik entscheiden: Sind HSV-Trainer Robin John (links) und seine Spieler wie Flavio Pichiri Profis oder nicht. 
Das muss jetzt die Politik entscheiden: Sind HSV-Trainer Robin John (links) und seine Spieler wie Flavio Pichiri Profis oder nicht.  © Debbie Jayne Kinsey
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Als Reaktion auf den Lockdown und das Verbot für den Amateursport bis Ende November hat der Deutsche Handballbund (DHB) den Spielbetrieb in den 3. Ligen und der Jugend-Bundesliga zunächst bis zum 15. November ausgesetzt. Das wirft Fragen auf. Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick. 

Warum gilt die Pause nicht für den gesamten November?

„Das vorläufige Aussetzen des Spielbetriebes verschafft uns Zeit, die wir benötigen, um die gerade erst veröffentlichten Verordnungen der jeweiligen Länder einschätzen zu können“, erklärt Mark Schober, Vorstandsvorsitzender des DHB, in der Mitteilung des Verbandes. Hintergrund: Nach der Auffassung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sind die jeweils höchsten drei Spielklassen und auch die Jugend-Bundesligen als Profiligen einzustufen. Wenn dies durch die Politik für die 3. Liga nicht bestätigt wird, gilt der Lockdown.

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Geht’s also Mitte November weiter?

Das hängt von den Verordnungen der Ministerien ab. Bis auf wenige Ausnahmen bekommen bei den Männern in der 3. Liga alle Spieler Geld. Eine Anfrage des DHB an die Sportminister der Bundesländer, um die Definition des Be­griffs Profisport zu klären, wurde noch nicht abschließend beantwortet. Zu klären ist, ob als Profi nur derjenige gilt, der seinen Lebensunterhalt ausschließlich mit Sport be­strei­tet. In den Verordnungen der Bundesländer gibt es unterschiedliche Re­ge­lun­gen. Niedersachsen definiert als Pro­fi­sport­ler solche, die „einer Mannschaft angehören, die aus Sportlerinnen oder Sportlern besteht, die ihre Sportart berufsmäßig ausüben“.

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Welche Bedeutung hat die Entscheidung für die Jugend-Bundesligen?

Im Jugendbereich geht es nicht um die Frage, ob Geld verdient wird, sondern ob die Spieler Kaderathleten sind. Ohne Spielerlaubnis besteht für diese Trainingsverbot. Das beträfe die Mädchen des TV Hannover-Ba­den­stedt und die Jungen der TSV Burgdorf und würde diese nach der Zwangspause im Frühjahr erneut zurückwerfen.

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Wie sehen die Sportler die Pause?

Die Trainer Robin John (HSV Hannover) und Davor Dominikovic (TuS Vinnhorst) hoffen, „dass es so schnell wie möglich weitergeht“. Sie sprechen für die überwiegende Anzahl der Spieler. Bei den Frauen ist das Meinungsbild anders. Der Hannoversche SC hatte deshalb in der vergangenen Woche das für Sonntag angesetzte Spiel gegen den ASC Dortmund in Abstimmung mit dem Gegner vom Staffelleiter absetzen lassen. „Man muss auch an die Helfer denken, die bei den Spielen im Einsatz sind. Ich möchte die Verantwortung dafür nicht übernehmen“, sagt Trainer Thomas Löw.

Welche Folgen hätte eine längere Pause für die Vereine?

„Wir haben Verträge mit den Spielern“, gibt Dirk Müller, Teammanager des HSV Hannover, zu bedenken. In Abhängigkeit von den erlaubten Zu­schau­er­zah­len haben die Vereine Dauerkarten verkauft. Wenn nicht ge­spielt wird, gibt es wie beim Fußball Rückforderungsansprüche der Fans. Bedenken müsse man laut Müller außerdem: „Wie reagieren die Sponsoren? Wollen sie Geld zurück?“

Bei grünem Licht: Müsste es dann Corona-Tests geben?

Tests waren Teil des Hygienekonzepts der HBL, um wieder spielen zu dürfen. „Ich denke, wir kommen da nicht drumherum“, sagt Andreas Tiemann, Staffelleiter bei den Männern. Für die Vereine würde das nicht unerhebliche Kosten bedeuten.

Könnte dann sofort wieder gespielt werden?

Nein, denn das Verletzungsrisiko ist viel zu groß. Wenn wirklich zwei Wo­chen nicht trainiert werden darf, brauchen die Vereine genauso lange zur Vorbereitung. „Ich hoffe auf eine vernünftige Entscheidung des DHB“, sagt Badenstedts Frank Käber. Im Falle einer Spielerlaubnis ist außerdem unklar, wie die Kommunen als jeweilige Betreiber der meisten Hallen reagieren. „Ich habe derzeit bei 72 Vereinen einen Flickenteppich von 72 Entscheidungen. Die sind manchmal vom Sachbearbeiter abhängig“, so Tiemann.

Wenn es wieder losgeht – kann die Saison überhaupt wie geplant beendet werden?

„Ich weiß nicht, wie das gehen soll“, sagt Robin John. Da der letzte Spieltag für den 29. Mai terminiert war und dem noch die Aufstiegsrelegation folgt, ist es nicht möglich, die ausgefallenen Spieltage anzuhängen. Ohnehin konnten wegen Quarantäne von Mannschaften schon einige Spiele nicht ausgetragen werden.