29. Oktober 2020 / 18:08 Uhr

Erneuter Lockdown: Brandenburgs Sport fährt wieder runter

Erneuter Lockdown: Brandenburgs Sport fährt wieder runter

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Auch für die Fußball-Regionalligisten wie den SV Babelsberg 03 und FSV 63 Luckenwalde ist im November Zwangspause. 
Auch für die Fußball-Regionalligisten wie den SV Babelsberg 03 und FSV 63 Luckenwalde ist im November Zwangspause.  © Jan Kuppert
Anzeige

Der Trainings- und Wettkampfbetrieb wird wieder umfangreich eingeschränkt. Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick zu den Plänen - und dazu, welche Fragen noch offen sind. 

Anzeige

Still ruhen die Sportplätze und -hallen: Wegen der sich verschärfenden Ausbreitung des Coronavirus wird ab Montag auch wieder der deutsche Sportbetrieb eingeschränkt, wie die Regierungschefs der Länder und des Bundes am Mittwochabend vereinbart hatten. Demnach sollen im November Fitnessstudios, Schwimmbäder und Sportanlagen geschlossen bleiben, der Freizeit- und Amateursport wird – mit wenigen Ausnahmen – untersagt sein und Profisportveranstaltungen dürfen lediglich unter Ausschluss von Zuschauern stattfinden. So der Ansatz. Aber es bleiben offene Fragen. Die genaue Ausgestaltung der neuen Landesverordnung wird das Brandenburger Kabinett am Freitag beschließen, kündigte Regierungssprecher Florian Engels an. Eine MAZ-Nachfrage zu konkreten Punkten konnte daher am Donnerstag noch nicht beantwortet werden.

Anzeige

Wie bewertet der Landessportbund Brandenburg (LSB) die Pläne?

Dass der Trainings- und Wettkampfbetrieb erneut einen Monat flächendeckend ruhen soll, bezeichnet der LSB in einer Mitteilung als „herben Rückschlag“. Monatelang hätten die märkischen Vereine erfolgreich Hygienekonzepte entwickelt und diszipliniert befolgt, um den Sport wieder erlebbar zu machen. Daher sei es „deprimierend“, dass sie „nun für die zwischenzeitlich aufgetretene Sorglosigkeit, die Reisewut und den Leichtsinn Weniger bestraft werden“, sagt der LSB-Vorstandsvorsitzende Andreas Gerlach.

In Bildern: Die Brandenburger "Helden der Woche" der Saison 2020/21.

Stürmer André Rundau vom Kreisoberligisten SV Dallgow ist Brandenbugs Held der Woche. Zur Galerie
Stürmer André Rundau vom Kreisoberligisten SV Dallgow ist Brandenbugs "Held der Woche". ©

Wie können Breitensportler jetzt noch trainieren?

Die Beschlussvorlage vom Mittwoch besagt, dass der Individualsport von den Beschränkungen ausgenommen sein soll. Dieser könne allein, zu zweit oder auch mit mehreren Personen, sofern sie demselben Hausstand angehören, durchgeführt werden. Laufen und Radfahren in der Natur sind somit möglich. Und darüber hinaus? Tennis, Rudern, Segeln, Golf und Reitsport fallen theoretisch auch in den Bereich Individualsport, nur müsste die Verordnung dann einen Zugang zu entsprechenden Stätten unter Auflagen erlauben.

Wie reagiert der Fußball-Landesverband Brandenburg (FLB)?

Einige Landesverbände hatten nach den Entwicklungen der vergangenen Tage bereits erklärt, den Ligabetrieb auch schon an diesem Wochenende ruhen zu lassen. Der FLB habe nach einer Sitzung des eigenen Krisenstabs beschlossen, dass noch bis einschließlich Sonntag gespielt werden soll, hieß es in einer kurzen Stellungnahme. Wie mit Teams umgegangen werden soll, die nicht mehr antreten wollen, müsse noch abgestimmt werden, sagte Wilfried Riemer, Leiter für Spielbetrieb im FLB. „Natürlich muss es da auch eine vernünftige Begründung geben. Wir müssen aufpassen, dass der Wettbewerb nicht verzerrt wird.“ In weiteren Abstimmungsrunden wird die Verbandsführung entscheiden müssen, wie nach den vier spielfreien Wochen mit der Saison weiterverfahren wird. Riemer glaubt, dass der Ball im Dezember wieder rollen kann. Allerdings erscheint ein Wiedereinstieg ohne vorheriges Training nicht unproblematisch.

Fraglich ist, ob die gesamte Spielzeit 2020/21 mit allen Partien geschafft werden kann. Der Rahmenterminplan war auch ohne die Lockdown-Pause eng gestrickt. Der letzte Spieltag der Männer ist für den 19. Juni angesetzt, elf Tage vor dem turnusmäßigen Ende der Saison. Im vergangenen Sommer hatten sich die märkischen Vereine gegen eine Verlängerung der Spielzeit entschieden. Man werde, wenn die Vereine denn spielen wollen, Lösungen finden, betonte Riemer.

Wie sieht es in den anderen Teamsportarten aus?

Der Brandenburger Verband im Volleyball hatte diese Woche schon den Nachwuchsspielbetrieb eingestellt. Am Donnerstagabend kündigte er zudem an, dass auch bei den Erwachsenen mit sofortiger Wirkung bis Ende November nicht aufgeschlagen wird. Die Handballer gehen sogar einen Schritt weiter: Das Präsidium habe beschlossen, den Spielbetrieb bis Ende dieses Jahres ruhen zu lassen, teilte der Verband am Abend mit. "Es wird angestrebt die Spieltage von November/Dezember komplett auf die „Pandemie-Sperrtermine“ sowie die für den HVB-Pokal vorgesehenen Spieltage im Jahr 2021 zu verlegen, sofern dies dann möglich ist", hieß es. Am Wochenende könne noch gespielt werden, insofern beide Mannschaften einer Paarung dies möchten. Im Basketball hat die Saison noch gar nicht begonnen, der Start in Brandenburg war zuletzt bereits in den Dezember verschoben worden.

Was ist Profisport?

Wer in diese Kategorie fällt, kann auch im November Spiele absolvieren – allerdings ohne Zuschauer. Im Fußball betrifft es die erste Liga der Frauen sowie die erste bis dritte Liga der Männer. In den Herren-Regionalligen verschwimmen die Grenzen zwischen Profis und Amateuren. „Wir haben keine Profiliga“, sagte Holger Fuchs, Geschäftsführer des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV), dem SPORTBUZZER. Der NOFV teilte mit, dass der Spielbetrieb in seinen Ligen am Wochenende noch aufrechterhalten bleiben soll, also auch in der Regionalliga Nordost. Dann folge man den behördlichen Vorgaben für die Einstellung des Amateurspielbetriebs.

Im Volleyball wird der Strich mit sofortiger Wirkung zwischen 2. Bundesliga und 3. Liga gezogen, sodass der SC Potsdam (1. Liga Frauen), die Netzhoppers KW-Bestensee (1. Liga Männer) sowie der SV Lindow-Gransee (2. Liga Männer) noch weiterspielen können. Im Basketball zählen die Teams bis einschließlich der 2. Bundesliga ProB, wo die TKS 49ers aus Potsdam-Mittelmark und Lok Bernau aus dem Barnim spielen, als Profis. Ein großes Fragezeichen steht hinter der 3. Liga im Handball. Dort sind der VfL Potsdam und Oranienburger HC als Brandenburger Männerteams vertreten, bei den Frauen spielt der Frankfurter HC. Die Drittligisten sollen am Wochenende spielen, Anfang nächster Woche will der Deutsche Handballbund (DHB) dann ihren genauen Status „eruieren“, wie es hieß. Sollte die 3. Liga dabei auf eine Stufe mit den zwei höchsten Spielklassen gestellt werden, müssten die Clubs laut Hygienekonzept auch Corona-Test vor allen Spielen vornehmen – das wäre aber enorm kostenintensiv.

In Bildern: Die Brandenburger "Bilder der Woche" der Saison 2020/21.

<b>Das sind die Brandenburger Bilder der Woche der Saison 2020/21.</b> Zur Galerie
Das sind die Brandenburger "Bilder der Woche" der Saison 2020/21. ©

Welche Regelungen gelten für Leistungssportler an den Stützpunkten und Sportschulen?

Eine Antwort darauf konnte Brandenburgs Regierungssprecher Florian Engels mit Verweis auf die Beratungen am Freitag noch nicht geben. Beim ersten Lockdown ab März galten zunächst Ausnahmen für Bundeskaderathleten mit Olympiaperspektive. Schrittweise wurden die Möglichkeiten dann erweitert. Die Sportschüler konnten mit der Schulwiederöffnung in den Betrieb zurückkehren. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat die Bundesländer am Donnerstag aufgefordert, das Training der Olympia-, Perspektiv- und Nachwuchskader 1 und 2 trotz des Teil-Lockdowns weiter zu gewährleisten. „Ebenso wie in den Profiligen, die weiter trainieren dürfen und ihre Wettkämpfe ohne Zuschauer austragen müssen, ist eine Unterbrechung des langfristigen Leistungsaufbaus kontraproduktiv und gefährdet die Chancen unserer Athleten für die Olympischen Spiele Tokio 2021 und Peking 2022“, teilte der DOSB mit.