02. November 2020 / 16:39 Uhr

"Werden 2020 nicht mehr spielen": Das sagen die Vereine der Landesliga Nord zum Lockdown

"Werden 2020 nicht mehr spielen": Das sagen die Vereine der Landesliga Nord zum Lockdown

Jens Niggemeyer
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Eilveses Trainer Thassilo Jürgens blickt skeptisch aufs Spielfeld.
Eilveses Trainer Thassilo Jürgens blickt skeptisch aufs Spielfeld. © Thomas Bork
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Es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, wann der kleine Fußball wieder eine Pause einlegen musste. "Ein bisschen offen war vielleicht, inwieweit es den Freizeitsport betrifft, weil es ja nicht wirklich Probleme mit Corona-Fällen gegeben hat.“

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Jetzt haben sie es wieder gemacht: Zum zweiten Mal in diesem Jahr haben Bundesregierung und Ministerpräsidenten dem gesamten Land einen Shutdown verordnet. Und folgerichtig geht auch der Amateurfußball in den vorzeitigen Winterschlaf.

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Sportanlagen geschlossen, weder Mannschafts- noch Kleingruppentraining möglich, nicht mal physische Kontakte von mehr als zwei Spielern respektive Trainern sind erlaubt. Dazu die Ungewissheit, wann der Staat überhaupt wieder das normale Kicken erlaubt – der SPORTBUZZER hat sich einmal unter den Landesliga-Trainer der Region umgehört, wie sie mit der aktuellen Situation umzugehen gedenken.

Die Bilder der Saison 2020/21 in Hannovers Amateurfußball

Levestes Sascha Romaus überwindet Kirchdorfs Schlussmann Jens Trampenau und trifft zum vermeintlichen 1:1-Ausgleich. Zur Galerie
Levestes Sascha Romaus überwindet Kirchdorfs Schlussmann Jens Trampenau und trifft zum vermeintlichen 1:1-Ausgleich. ©

Überrascht vom Lockdown war keiner der Trainer. In der Nordstaffel bringt es Thassilo Jürgens, Coach des Tabellenführers STK Eilvese, folgendermaßen auf den Punkt: „Es war nur eine Frage der Zeit. Ein bisschen offen war vielleicht, inwieweit es den Freizeitsport betrifft, weil es ja nicht wirklich Probleme mit Corona-Fällen gegeben hat.“

Da kaum damit zu rechnen sei, dass nach der November-Pause im Dezember – zudem noch ohne vorherige Übungseinheiten – gespielt werde, hätten die Spieler jetzt erst einmal Pause. „Sie haben alle ein Laufprogramm und ihr Stabi-Übungen, mehr gibt’s derzeit nicht.“

"Werden kaum wie geplant durchkommen"

Entscheidend werde sein, wann man wieder auf den Platz dürfe und mit wie viel Personen. „Die Pläne haben wir natürlich. Wir können schnell reagieren, ob in Kleingruppen oder als gesamte Mannschaft.“  Ziel sei es, diese Corona-Saison irgendwie zu Ende zu bringen. „Wir wollen in erster Linie die Klasse halten, entweder, indem wir in der Vorrunde unter die ersten drei kommen oder über die Abstiegsrunde.“

Sein Kollege Marko Orsolic sieht dem weiteren Saisonverlauf eher skeptisch entgegen: „Dieses Jahr werden wir nicht mehr spielen“, sagt der Coach des TSV Stelingen. Und mit Blick darauf, dass allein in der Vorrunde noch zwölf Begegnungen zu absolvieren seien und es im Winter und Frühjahr ja gewöhnlich witterungsbedingt regelmäßig zu Ausfällen komme, prognostiziert Orsolic fatalistisch: „Die Saison werden wir kaum wie geplant durchbekommen.“ Ergo gebe es für die Spieler aktuell auch keine konkreten Vorgaben. „Die Jungs gehen laufen, wenn ihnen danach ist.“

„Jetzt ziehen wir wieder eine Fresse“

Für Pascal Preuß ist die aktuelle Situation ein wenig wie ein Déjà-vu. „Im vergangenen Frühjahr waren wir gut drauf, und dann wurde nach dem 10:0 in Barsinghausen der Stecker gezogen“, erinnert sich der Coach des TSV Krähenwinkel/Kaltenweide. „Jetzt erwischt es uns nach zuletzt vier Siegen in Folge wieder. Beschissener hätte es nicht laufen können.“

Nach dem jüngsten Pokal-Triumph gegen den SV Ramlingen/Ehlershausen habe man noch ordentlich gefeiert, „jetzt ziehen wir wieder eine Fresse“.

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In den nächsten Wochen würden seine Schützlinge lediglich ein wenig  im Konditionsbereich arbeiten. „Wir haben da eine Lauf-App, da kriegen sie ein paar Hausaufgaben, die ich auch kontrollieren kann.“

Ansonsten sei erst mal nichts geplant. „Klar ist, dass wir vor dem Start ins neue Jahr vier bis sechs Wochen Vorbereitung benötigen.“ Deshalb sei er eher skeptisch, dass die Vorrunde regulär zu Ende gespielt werden könne. „Wir müssten ja bis zum Ende der Saison englische Wochen spielen und würden im Prinzip von Platz zu Platz hetzen.“

"Einfach Wahnsinn"

Martin Mohs gibt sich realistisch: „Viele englische Wochen anzusetzen, dürften schwierig werden, weil die wenigsten einen Kunstrasen haben, auch mit Flutlicht sieht es hier und da schlecht aus. Dazu kommen die jahreszeitlich bedingten Spielabsagen“, zählt der Trainer des Heeßeler SV einige Problembereiche auf. Er sei da eher pessimistisch.

Des Weiteren sei es natürlich fatal, dass bei einem etwaigen positiven Test sofort 14 Tage Quarantäne drohten. „Es ist schließlich nur ein Hobby. Das macht irgendwann der Arbeitgeber nicht mehr mit.“ Die aktuelle Situation sei „einfach Wahnsinn“.

Große Pläne für die Spieler gebe es nicht. „Wir geben denen schon etwas mit.“ Wichtig sei für ihn allerdings, überhaupt in Kontakt zu bleiben. „Die Jungs wollen ihrem Hobby nachgehen, auch als Ausgleich zu Beruf oder Studium, sie wollen Spaß haben und sich im Wettkampf messen. Das alles wird ihnen momentan genommen.“