26. Juni 2020 / 12:24 Uhr

Lok-Keeper in bester Gesellschaft: Berühmte Torwart-Patzer der vergangenen Jahre

Lok-Keeper in bester Gesellschaft: Berühmte Torwart-Patzer der vergangenen Jahre

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Fabian Guderitz verursachte den Ausgleich im Spiel zwischen dem 1. FC Lok und dem SC Verl.
Fabian Guderitz verursachte den Ausgleich im Spiel zwischen dem 1. FC Lok und dem SC Verl. © Christian Modla
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Der 1. FC Lok Leipzig kassiert in der 88. Minute gegen den SC Verl doch noch den Ausgleich, nach einem haarsträubenden Fehler seines Keepers Fabian Guderitz. Die Gefühlslage des 23-Jährigen kann man sich als Beobachter kaum vorstellen. Dennoch: Er befindet sich in bester Gesellschaft. Auch andere Torhüter legten bereits spektakuläre Patzer hin.

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Leipzig. Es war ein Bild des Jammers. Unmittelbar nach dem verhängnisvollen 2:2 zog sich Fabian Guderitz zunächst das Trikot über den Kopf. Nach Abpfiff trottet er - getröstet von Teamkameraden und Trainer - mit gesenktem Haupt vom Platz. In der 88. Minute segelte eine Bogenlampe auf sein Tor zu. Den Ball über den Kasten zu lupfen, wäre die leichteste Übung gewesen. Aber der 23-Jährige hatte offenbar anderes im Sinn, vielleicht das Leder zu fangen und schnell nach vorn abzuwerfen, um seiner Mannschaft noch einen Angriff zu ermöglichen. Das passierte aber nicht. Statt dessen glitt Guderitz der Ball zwischen den Händen hindurch und fiel hinter ihm in die Maschen - 2:2.

Für den 1. FC Lok Leipzig könnte dieser Gegentreffer ein ganz entscheidender, ein besonders tragischer, ein möglicherweise die Existenz beeinflussender sein. Denn zwei Gegentore sind für die Probstheidaer im Rückspiel der Aufstiegsrelegation beim SC Verl eine schwere Hypothek. Denn für die Spiele um den Gang in die 3. Liga gelten Europapokalregeln. Sprich: Auswärtstore werden stärker gewichtet.

Dass Guderitz mit seinem Lapsus nicht der Einzige ist, dürfte ihn am Tag danach wenig trösten. Dennoch: In der Vergangenheit gab es zahlreiche spektakuläre (und auch lustige) Torwartpatzer. Wie man dank unsicherem Zugriff seinem Heimatland die WM-Rückkehr nach geschlagenen 12 Jahren gründlich verderben kann, weiß bespielsweise Igor Akinfeev. Der russische Torhüter stand im ersten Gruppenspiel gegen Südkorea 2014 zwischen den Pfosten und war kurzzeitig nicht Herr seiner Hände. Lee Keun-ho wusste das zu nutzen. Immerhin: Der eingewechselte Alexander Kerschakow glich eine Viertelstunde vor Ultimo noch aus.

Wer erinnert sich noch an Hans-Jörg Butt? Der Keeper während seiner Zeit bei Bayer 04 Leverkusen auch für die Ausführung der Strafstöße verantwortlich. Folgerichtig schritt er am 17. April 2004 im Gastspiel bei Schalke 04 auch zum Punkt, verwandelte sicher. Der Rückweg in seinen Kasten hätte zum Triumphzug werden können. Hätte. Denn die Knappen reagierten schnell, führten den Anstoß aus. Und während Butt sich im Zurücklaufen weiter feiern ließ, zog Mike Hanke aus 50 Metern einfach mal ab, der Ball landete im Bayer-Tor.

Dass große Spiele nicht vor katastrophalen Momenten schützen, weiß Loris Karius. Der 26. Mai 2018 hätte zum größten Moment seiner Kariere werden können. Im Champions-League-Finale traf der Keeper mit dem FC Liverpool auf Real Madrid. Mit gleich zwei quasi unglaublichen Fehlern ermöglichte er den Spaniern das 1:0 (Karim Benzema) und das 3:1 (Gareth Bale) und damit den Titel.

Auch Titanen wanken bisweilen. Oliver Kahn, unumstrittener Rückhalt beim FC Bayern und in der Deutschen Nationalelf kann ein Lied davon singen. Im WM-Finale 2002 ist er es, der den Brasilianern zum WM-Titel verhilft, weil er einen eigentlich leichten Ball aus unerklärlichen Gründen wegprallen lässt. Ronaldo bedankt sich.

Und dann war da noch dieser eine, quasi der Vater aller Torwartpatzer ever. Verursacher Tomislav Piplica, damals in Diensten von Energie Cottbus, nimmt es inzwischen mit Humor. Am 7. April 2002 hieß der Gegner der Lausitzer Borussia Mönchengladbach. Die im Abstiegskampf befindlichen Hausherren führten 3:2. Aber dann zog Marcel Witeczek fünf Minuten vor Ultimo ab, Radoslav Kaluzny fälschte ab und Piplica.... legte sich den Ball filmreif ins Netz.

Piplicas Standing bei den Fans hat der Patzer übrigens nicht geschadet. Der 51-Jährige ist nicht nur in der Lausitz Kult, war in seiner aktiven Zeit stets ein Muster an Einsatzbereitschaft. Da schwärmte selbst der so strenger Energie-Trainer Eduard "Ede" Geyer in den höchsten Tönen. „Pipi hatte im kleinen Finger mehr Mentalität als viele andere im ganzen Körper“, pflegte er über seinen wilden und ausflugsfähigen Keeper zu sagen. „Er konnte und wollte immer.“