14. Oktober 2021 / 17:05 Uhr

Lok Leipzig Co-Trainer Robert Weiße: Vom Unterricht zum Training und zurück

Lok Leipzig Co-Trainer Robert Weiße: Vom Unterricht zum Training und zurück

Anton Kämpf
Leipziger Volkszeitung
Almedin Civas rechte Hand: Lok Leipzigs Co-Trainer Robert Weiße
Almedin Civas rechte Hand: Lok Leipzigs Co-Trainer Robert Weiße © Christian Modla
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Am Mittwochabend stand Robert Weiße als Co-Trainer von Lok Leipzig vor 3000 Fans an der Seitenlinie, am Donnerstag muss sich der Lehrer vor seiner Schulklasse behaupten.

Leipzig. Nach Lok Leipzigs bitterem Pokalaus gegen Budissa Bautzen piesackten die Jugendlichen der Oberschule Ihmelstraße noch ihren Lehrer Robert Weiße, nach dem furiosen 3:2-Erfolg gegen den Chemnitzer FC werden die Spitzen gegen Weiße wohl wieder weniger. „Wir sprechen darüber auf dem Pausenhof. Da kommen natürlich auch Schüler von anderen Verein aus der Stadt“, scherzt Weiße. Der 32-jährige Sport- und Gemeinschaftskundelehrer ist seit diesem Sommer Co-Trainer bei Lok, unterstützt Chefcoach Almedin Civa mit Rat und Tat, steht am Mittwochabend in Chemnitz beim 3:2-Sieg vor über 3000 Menschen an der Seitenlinie und kocht Donnerstags Kaffee im Lehrkraftzimmer.

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Loks Trainergespann kennt sich

„Viele der Kollegen oder Schüler kommen ins Stadion, sind nach dem Spiel am Zaun“, erzählt Weiße. Lehrer und Co-Trainer auf Viertliganiveau – das sei ein immenser Aufwand. „Zum größten Teil kann ich die Fußballeinheiten am Nachmittag mitmachen. Jetzt kommen wieder Herbstferien, wo ich viel unterstützen kann“, berichtet der vielbeschäftigte Weiße. „Ich koordiniere alles so, dass ich bestmöglich unterstützen kann. Mal gehe ich vom Unterricht zum Training und dann wieder zum Unterricht.“

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Loks Trainergespann kennt sich aus Babelsberger Zeiten, in denen Weiße als U19-Coach unter anderem Civas Sohn trainierte. Der neuerliche Kontakt entstand durch eine Anfrage Weißes, der im Zuge seiner A-Lizenz in Probstheida hospitieren wollte. „Dadurch wusste Almedin, dass ich in Leipzig bin.“

Bevor der Vater einer wenigen Monate alten Tochter seinen Lebensmittelpunkt in die Messestadt verlegte, wagte er gemeinsam mit seiner Frau noch ein Auslandsabenteuer in Kanada – und arbeitete auf der anderen Seite der Welt für eine Fußballakademie des großen FC Barcelona. Die Katalanen haben neben der weltberühmten La Masia in Spanien viele Akademien auf dem Globus, schicken sportliche Leiter in die Welt, um den Barca-Stil zu predigen.

Samstag gegen Tasmania

„In einem Trainingskatalog sind Übungen vorgegeben. Die waren jedoch anpassbar. Spiele und Trainings wurden aufgenommen und anschließend gemeinsam ausgewertet. Da habe ich ganz viel mitgenommen“, berichtet Weise. Ein Satz, den er häufig zu hören bekam: „Robert, denk nicht so deutsch. Einfach mal laufen lassen und schauen was passiert.“

Mit Tiki-Taka im Gepäck ging es schließlich nach Leipzig, bei Lok arbeitet der gebürtige Thüringer nun zum ersten Mal mit Erwachsenen. „Prinzipiell machen sie ähnliche Fehler wie Jugendspieler. Der Unterschied ist, dass gestandene Spieler auf dem Feld stehen, die wissen, was man macht, die die Ausbildungen durchlaufen haben“, freut sich Weiße über zuverlässige Profis in Probstheida, denen er mit didaktischen Ansätzen begegnet. „In der Schule ist man im Mittelpunkt. Jeder Schüler weiß, was du an hast, was du gesagt hast. Diese Gelassenheit nehme ich mit ins Training. Und ich komme aus der Pädagogik. Man merkt, wer ein Gespräch braucht und wer nicht.“


Die helfenden Hände für Civa, der vergangene Saison noch eine One-Man-Show betreiben musste, scheinen Früchte zu tragen. Platz drei trotz einer Partie weniger, der Abstand auf die Tabellenspitze kann mit einem Sieg auf zwei Pünktchen schrumpfen. „Es ist eine super Mannschaft, die die Spiele als Team gewinnt. Und durch die Trainingssteuerung haben wir keine Langzeitverletzten“, zählt Weiße Gründe für den Liga-Höhenflug auf. Am Sonnabend kann dies im Heimspiel gegen Tasmania (OstSport.TV, 13 Uhr) bestätigt und Spitzen auf dem Schulhof verhindert werden.