25. September 2020 / 16:42 Uhr

Lok Leipzig gegen Energie Cottbus: Die Torhüter im Fokus

Lok Leipzig gegen Energie Cottbus: Die Torhüter im Fokus

Anton Kämpf
Leipziger Volkszeitung
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Beim Remis in Rathenow unterlief Jannes Tasche ein Patzer, der seinem Team drei Punkte kostete. Lok Leipzigs Trainer Almedin Civa stellt sich aber von den Neu-Probstheidaer. © Picture Point
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Der 1. FC Lok empfängt am Sonntag Energie Cottbus. Nach seinem folgenschweren Patzer in Rathenow stellt sich Coach Civa vor Keeper Jannes Tasche.

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Leipzig. Eintagsfliegen leben tatsächlich nur wenige Stunden. Nahrungsaufnahme ist für die ausgewachsenen Insekten nicht möglich, ihr einziges Ziel an ihrem besonderen Tag ist die Fortpflanzung. Nach links und rechts wird nicht geschaut, Geduld ist keine Tugend, nachdem die Weibchen die 9000 Eier abgelegt haben, hat für Herr und Frau die Stunde geschlagen.

„Ich bin keine Eintagsfliege, ich habe auch kein Kurzzeit-, sondern ein Langzeitgedächtnis“, stellt Almedin Civa auf der Pressekonferenz vor dem Heimspiel am Sonntag (13.30 Uhr) seines 1. FC Lok Leipzig gegen Energie Cottbus klar. Dabei ging es jedoch nicht etwa um Biologie und Sechsfüßer, vielmehr wurde über eine andere, im Fußball gerne als eigene angesehene, Spezies philosophiert – Torhüter.

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Der 1. FC Lok kämpft Energie Cottbus nieder, holt einen 3:2-Sieg gegen die Lausitzer. Zur Galerie
Der 1. FC Lok kämpft Energie Cottbus nieder, holt einen 3:2-Sieg gegen die Lausitzer. © Picture Point

Diese spielen in den vergangenen Monaten in Probstheida eine zuweilen heikle Rolle. Seit dem dicken Patzer von Ex-Keeper Fabian Guderitz im Relegationshinspiel gegen den SC Verl, der, wendet man eine Milchmädchenrechnung an, den Aufstieg kostete, ist das Erbe zwischen den Pfosten seit dem verletzungsbedingten Abgang von Benjamin Kirsten eine gewisse Bürde.

Zu spüren bekam dies am Mittwoch gegen Optik Rathenow Lok-Torwart Jannes Tasche. Dem 21-jährigen Schlussmann flutschte der Ball in der 90. Minute folgenschwer durch die Hände, Rathenow glich zum 2:2-Endstand aus – nach dem 1:1 gegen Chemnitz das zweite unglückliche Remis in Folge.

Auf die Frage, ob Lok ein Torwartproblem hätte, antwortete Coach Civa schließlich mit einem flammenden Appell. „Es ist schade, dass Spieler auf wenige Sachen reduziert werden“, leitet er seine zehnminütige Ansprache ein. „Was interessiert mich die Vergangenheit? Für mich ist wichtig, wie er arbeitet. Und da ist er Top.“ In der laufenden Spielzeit bestritt Tasche alle sieben Spiele, letzte Saison kam der 1,90 m große Keeper insgesamt nur auf fünf Partien – auch daher Civa fordert Geduld und stellt sich vor seine Nummer eins. Er würde Tasche zwar auch „rausnehmen, um ihn zu schützen. Doch unabhängig, ob er spielt oder nicht: Diese Diskussion ist Müll“. Auch wenn eine solche Situation brutal sei für einen Torhüter, gegen Cottbus werde er definitiv auflaufen, bestätigt der 48-jährige Bosnier.

Ausfallen wird dagegen Damir Mehmedovic, der Österreicher zog sich eine Muskelverletzung zu. Ebenfalls fraglich ist David Urban: Der Innenverteidiger, beim letzten Aufeinandertreffen mit den Cottbussern als Freistoßschütze erfolgreich, hat sich einen dreifachen Nasenbeinbruch zugezogen. „Wir werden sehen, wie die Atmung funktioniert“, wartet Civa ab. Eine Schutzmaske im typischen Batman-Design sei dennoch schon angefertigt worden. Als möglicher Ersatz käme Neuzugang Luca Sirch in Frage. „Ich hätte keine Bedenken“, steht Civa einem Debüt grundsätzlich nicht im Wege.

Doch passen muss alles, denn zum Abschluss der englischen Woche reisen die Lausitzer mit breiter Brust in die Messestadt. „Sie haben eine Bombentruppe, müssten ganz oben stehen“, warnt Loks Chefcoach. Dessen Gegenüber Dirk Lottner hat erst vor dem britischen Spielrhythmus den Posten des entlassenen Sebastian Abt übernommen und prompt seine ersten beiden Partien gewonnen. Durch die sechs Punkte hat sich der FCE rehabilitiert, mit einem Dreier im Bruno-Plache-Stadion wäre man punktgleich mit Lok.

Maßgeblichen Anteil am Lausitzer Aufwind hat Stürmer Felix Brügmann. In den letzten sieben Tagen traf er zwei Mal, bereitete ein Tor vor, hat nun sieben Scorerpunkte auf seinem Konto. Wie Brügmann traf auch der Probstheider Angreifer Djamal Ziane am Mittwoch, beide haben vier Saisontore – kann sich einer morgen im inoffiziellen Stürmerduell in der Torschützenliste absetzen?

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Unabhängig vom Ergebnis: Almedin Civa fordert Geduld und Ruhe, weist immer wieder daraufhin, in welcher misslichen Lage sich der Club noch im Juni befand und möchte die Entwicklung als Großes und Ganzes betrachtet wissen. Dahingehend hat der A-Lizenz-Inhaber doch eine Gemeinsamkeit mit Eintagsfliegen. Bevor diese ihre einzigartigen Stunden als ausgewachsenes Fluginsekt ausleben, harren sie als Larven geduldig drei Jahre (!) lang am Wassergrund aus und bereiten sich akribisch darauf vor, am Tag der Tage aus ihrer Larvenhaut zu schlüpfen.