24. Juli 2020 / 08:25 Uhr

"Es ist Zeit, loszulassen": Ex-VfL-Coach Wolfgang Wolf beendet Trainer-Karriere

"Es ist Zeit, loszulassen": Ex-VfL-Coach Wolfgang Wolf beendet Trainer-Karriere

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
In Wolfsburg war am längsten, bei Lok Leipzig war er zuletzt: Wolfgang Wolf.
In Wolfsburg war am längsten, bei Lok Leipzig war er zuletzt: Wolfgang Wolf. © Boris Baschin
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Er war Bundesliga-Urgestein und Bundesliga-Trainer, passte fünf Jahre lang schon vom Namen her so gut wie kein anderer zum VfL Wolfsburg. Eines ist Wolfgang Wolf dabei immer geblieben: Pfälzer. Jetzt beendet er im Alter von 62 Jahren seine Trainer-Karriere: "Es ist eben auch mal Zeit, loszulassen."

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Keiner war seit Beginn der Profi-Neuzeit so lange Trainer beim VfL Wolfsburg wie er – und bei keinem Verein saß Wolfgang Wolf so lange auf der Bank wie beim VfL. Jetzt ist für den 62-Jährigen Schluss: Wolf beendet seine Trainerlaufbahn. „Ich habe im September Geburtstag und gleichzeitig 40. Hochzeitstag“, sagt er. „Jetzt ist es Zeit, der Familie mal was zurückzugeben.“

Dass Wolf in der vergangenen Saison überhaupt noch einmal einen Trainerjob übernommen hatte, war so schon nicht geplant. Beim Viertligisten Lok Leipzig, wo sein Sohn Patrick aktiv war, wollte er eigentlich nur mal zuschauen. Doch die Vereinsverantwortlichen dort überredeten ihn, auszuhelfen, als erst ein Sportdirektor und dann auch ein Trainer gesucht wurden. Mit Wolf als Coach blieb der Traditionsklub ohne Niederlage, scheiterte aber in den Aufstiegsspielen zur 3. Liga aufgrund der Auswärtstorregel an Verl (2:2 und 1:1). „Hätten wir den Aufstieg geschafft“, so Wolf, „hätte ich noch ein halbes Jahr weitergemacht.“ So aber ist sofort Schluss – seinen Nachfolger Almedin Civa hat er noch mit ausgesucht, Transfers noch mit eingefädelt, unter anderem die Verpflichtung von Torwart Jannes Tasche vom VfL Wolfsburg II.

Darum wechselten die Trainer des VfL Wolfsburg

1997/98: Aufstiegstrainer <b>Willi Reimann</b> wurde im Team respektiert, herzlich war sein Umgang mit den Spielern nie. Nach der Winterpause wurden Risse sichtbar; als die WAZ enthüllte, dass Manager Peter Pander Reimanns Defizite im Umgang mit den Spielern ausgleichen sollte, war der Trainer sauer („Dann kann ich ja hinwerfen“), der VfL nahm die Aussage als Rücktritt. Uwe Erkenbrecher wurde für ein Spiel Interimscoach, dann folgte <b>Wolfgang Wolf</b>, der mit drei 1:0-Siegen in Folge startete. Zur Galerie
1997/98: Aufstiegstrainer Willi Reimann wurde im Team respektiert, herzlich war sein Umgang mit den Spielern nie. Nach der Winterpause wurden Risse sichtbar; als die WAZ enthüllte, dass Manager Peter Pander Reimanns Defizite im Umgang mit den Spielern ausgleichen sollte, war der Trainer sauer („Dann kann ich ja hinwerfen“), der VfL nahm die Aussage als Rücktritt. Uwe Erkenbrecher wurde für ein Spiel Interimscoach, dann folgte Wolfgang Wolf, der mit drei 1:0-Siegen in Folge startete. ©

Beim VfL war er fünf Jahre lang Chefcoach, löste 1998 Aufstiegstrainer Willi Reimann ab, legte zum Start mit drei 1:0-Siegen nacheinander den Grundstein für den Klassenerhalt in der Bundesliga – was damals angesichts der bescheidenen Wolfsburger Möglichkeiten noch als Sensation galt. Ein Jahr später erreichte er mit dem VfL sogar den UEFA-Cup. „VW“, so erinnert er sich, „stieg ja erst später ein“.

Mario Basler war ein Thema beim VfL Wolfsburg!

Mit der GmbH-Gründung 2001 und dem Umzug in die VW-Arena ein Jahr später machte Volkswagen dann ernst. „Wenn man durch die Kabinen geht, sieht man immer noch, dass da Ideen von mir drinstecken“, erzählt Wolf, „dass ist etwas, das bleibt.“ Und er verrät bei der Gelegenheit, dass im Zuge der Stefan-Effenberg-Verpflichtung 2001 nicht nur Ciriaco Sforza (Kaiserslautern, Bayern) ein Alternativ-Kandidat beim VfL war – sondern auch der damalige Lautern-Star Mario Basler. Wolf: „VW wollte einen prominenten Neuen. Die drei Namen standen damals auf der Tafel. Ich denke, Effenberg war eine gute Entscheidung.“

DURCHKLICKEN: Sie trainierten die Probstheidaer von 1991 bis heute

Jürgen Sundermann - 28. Mai 1991 bis 30. Juni 1993 Zur Galerie
Jürgen Sundermann - 28. Mai 1991 bis 30. Juni 1993 ©

Als die VfL-Ansprüche wuchsen, musste Wolf schließlich im März 2003 gehen. Dass er seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag nicht verlängern würde, war schon vorher klar. Es folgten Trainer-Stationen beim 1. FC Nürnberg, 1. FC Kaiserslautern, Skoda Xanthi, Kickers Offenbach und Hansa Rostock. „Ich habe keine Wahl bereut, habe überall gern gearbeitet.“ Einzig die Entscheidung, 2005 nach Kaiserslautern zu gehen und dafür ein Angebot des VfB Stuttgart auszuschlagen, würde er heute noch einmal überdenken. „Aber Kaiserslautern war eine Herzenssache“, sagt er – das Chaos, das damals bei den Pfälzern herrschte, habe er allerdings unterschätzt. Ausgerechnet in Wolfsburg stieg er 2006 nach einem 2:2 mit dem FCK ab.

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Vor den Toren Kaiserslauterns in Tiefenthal geboren, blieb Wolf seiner Heimat immer verbunden, spielte von 1976 bis 1988 selbst für die Roten Teufel, ehe er bei den Stuttgarter Kickers und beim VfR Mannheim die aktive Karriere ausklingen ließ. Seit ein paar Jahren ist Bad Dürkheim seine Heimat, seine Mutter wohnt noch im 20 Kilometer entfernten Tiefenthal, die Familie steht für ihn ab sofort mehr denn je im Mittelpunkt.

Der Fußball mit seiner ganzen Schnelllebigkeit habe „auch ein bisschen an Reiz verloren“, sagt er, „gerade in Profi-Klubs herrscht heute überall Ungeduld.“ Dass jemand wie er damals in Wolfsburg fünf Jahre bei einem Verein bleibt, „gibt es ja heute nur noch in Freiburg“. Vielleicht mal als Hobby einen A-Klassen-Klub coachen und Vereinen beratend zur Seite zu stehen – das könnte er sich vorstellen. „Aber irgendwann“, so sagt er, „ist eben auch mal Zeit, loszulassen.“