11. Oktober 2021 / 17:52 Uhr

Lok Leipzigs Bogdan Rangelov: "Da vergesse ich, ob ich für Real oder Lok spiele"

Lok Leipzigs Bogdan Rangelov: "Da vergesse ich, ob ich für Real oder Lok spiele"

Anton Kämpf
Leipziger Volkszeitung
Bogdan Rangelov fühlt sich bei Lok Leipzig wohl.
Bogdan Rangelov fühlt sich bei Lok Leipzig wohl. © Christian Modla
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Als junger Fußballer lebte Bogdan Rangelov in Belgrad in einer WG mit Star-Kicker Luka Jovic zusammen, heute läuft er für den 1. FC Lok Leipzig auf. Im SPORTBUZZER-Interview sprach er über seine besondere Verbindung mit Coach Almedin Civa, seine Zeit in Leipzig und Ex-Mitbewohner Jovic gesprochen.

Leipzig. „Der eine landet bei Zidane, der andere bei Civa“, witzelt Lok Leipzigs Trainer Almedin Civa über seinen Schützling Bogdan Rangelov, der in der Jugend mit Real-Star Luka Jovic in Belgrad kickte. Seit dem Sommer wirbelt der 24-jährige Rangelov in der Probstheidaer Offensive. Wir haben mit ihm im SPORTBUZZER-Interview über seine bisherige Karriere, seinen Weg in die Regionalliga und Freundschaften im Profifußball gesprochen.

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SPORTBUZZER: Beim Pokal-Aus in Bautzen mussten Sie verletzungsbedingt zuschauen. Ist die Niederlage schon verarbeitet?

Rangelov: Es war enttäuschend. Wir haben sie nicht unterschätzt, hatten einfach einen schlechten Tag. Es ist schade, aber jetzt müssen wir uns voll auf die Liga fokussieren und am Mittwoch in Chemnitz punkten. Wir sind Sportler und müssen positiv bleiben, nach vorn schauen.

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Die Abwehspieler des FSV Budissa Bautzen können Robert Berger (Lok Leipzig) durch ein Foul stoppen. Zur Galerie
Die Abwehspieler des FSV Budissa Bautzen können Robert Berger (Lok Leipzig) durch ein Foul stoppen. ©

Wie haben Sie sich in Leipzig und bei Lok eingelebt?

Ich habe mich von Anfang an wohlgefühlt. Ich kenne den Trainer seit langem und weiß genau, was Alme (Lok-Trainer Almedin Civa – d.A.) von mir will. Und die Stadt Leipzig ist genau das, was mir guttut. Sie ist klein und schick – alles was man braucht, gibt es hier. Ich wohne in Dölitz – da habe ich Ruhe, höre keine Straßenbahn und kann gut schlafen.

Wie kam der Kontakt zu Lok zustande?


Ich hatte schon letztes Jahr fast täglich Kontakt mit Alme und hatte ja in Babelsberg nur noch ein Jahr Vertrag. Aber wir haben damals nicht über einen Wechsel geredet. Ab Januar haben wir auch über die Zukunft gesprochen. Da meinte er: Ich hab' richtig Bock auf dich, du passt genau in mein System. Dann haben wir ein paar Stunden geredet und dann hat alles geklappt. Wenn du mit Alme über deine Zukunft sprichst, musst du dir keine Sorgen machen.

Wie wichtig ist Alemedin Civa als Trainer und Bezugsperson für Sie?

Er ist ein sehr wichtiger Mensch für mich, zum Glück habe ich ihn. Er ist Freund, Bruder und Trainer. Mit ihm kann ich über alles reden, zum Beispiel wenn ich ein Problem zu Hause habe. Er versteht alles. Es ist eine besondere Beziehung. Wir sprechen die selbe Sprache, er kommt aus Bosnien, ich aus Serbien. Es ist sehr wichtig für mich und meinen Kopf, wenn man mit dem Trainer auch über andere Themen als Fußball redet. Wenn du nur über Fußball nachdenkst, machst du dir den Kopf kaputt. Du musst auch irgendwann an etwas anderes denken.

Wie lenken Sie sich ab?

Ich mag Bücher, lese sehr viel. Ich schaue auch gerne einen guten Film, gehe gerne spazieren oder draußen etwas essen.

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Sie leben erst seit 2019 in Deutschland. Gab es früher schon Kontakt hierher?

Ich war als Kind jeden Sommer oder Winter für zwei Wochen im Urlaub hier mit meiner Familie. Mein Vater ist in Stuttgart aufgewachsen, jetzt lebt meine Familie wieder dort. Wegen des Jugoslawienkrieges und der Politik sind sie oft hin und her gezogen. Meine Großeltern haben auch lange in Deutschland gearbeitet. Mit zwölf hatte ich die Möglichkeit, zum VfB Stuttgart zu gehen. Aber ich habe mich für Roter Stern Belgrad entschieden.

Welche Eindrücke haben sich dort besonders eingebrannt?

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Wenn wir gegen Partizan Belgrad gespielt haben, war es ein Derby wie Dortmund gegen Schalke. Da kommen viele Zuschauer, egal ob wir 18 oder 16 Jahre alt sind. Wir haben fast jedes Jahr die Liga gewonnen, es war eine gute Zeit.

Warum ging es im nächsten Schritt für Sie nach Griechenland?

Ich hätte auch beim Roten Stern bleiben können, aber es war eine schwierige Zeit für den Club. Es gab sechs Jahre in Folge keinen Titel, daher wurden viele alte Leute geholt. Dann habe ich einen Vertrag bei Paok Saloniki bekommen für drei Jahre.

Ein Wechsel ins Ausland – wie war das für einen 18-Jährigen?

In Thessaloniki war Vladimir Ivic Trainer. Er hat mir sehr geholfen. Die Anfangsphase war schwierig.

Beim Roten Stern haben Sie sich ein Zimmer mit Luka Jovic geteilt?

Wir haben eineinhalb Jahre in einer WG zusammengelebt. Wir waren die ganze Zeit zusammen, haben Fußball geschaut. Dann ist er zu Benfica Lissabon und ich bin zu Paok gewechselt.

Ist es normal, dass der Kontakt in einer solchen Freundschaft im Profifußball immer weniger wird?

Das ist normal. Am Anfang hatten wir fast jeden Tag Kontakt, aber jetzt spielt er für Real Madrid, hat ein Kind, eine Frau – er hat viel zu tun. Ich bin bei Lok Leipzig und hab auch meine Probleme, mein Leben, meine Familie. Viele alte Kumpels spielen jetzt Champions League.

Trauern Sie einer solchen Karriere hinterher?

Wenn ich auf dem Platz bin, bin ich sehr glücklich. Da vergesse ich, ob ich für Real Madrid oder Lok Leipzig spiele oder für einen Achtligisten, ob in der serbischen oder deutschen Liga. Das ist mir egal, Fußball ist einfach Spaß für mich.