08. Juni 2020 / 07:23 Uhr

Lok Leipzigs Corona-Meisterschaft: auf der Couch, ohne Fans und mit begrenztem Wert

Lok Leipzigs Corona-Meisterschaft: auf der Couch, ohne Fans und mit begrenztem Wert

Anton Kämpf
Leipziger Volkszeitung
lokplache
Ein Meistertitel ist weniger wert, wenn man ihn nicht mit seinen Fans ausgiebig feiern kann. © Andre Kempner
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Der 1. FC Lokomotive Leipzig verbucht den größten Vereinserfolg seit seiner Neugründung, feiert jedoch aus zweierlei Gründen nicht.

Leipzig. Wenn der FC Bayern München zum achten Mal in Folge die Meisterschale entgegennimmt, wird die ganz große Sause coronabedingt ausfallen. Doch auch ohne Hygieneregeln wäre die Euphorie beim deutschen Rekordmeister sicherlich nicht grenzenlos gewesen, zu sehr haben sich Spieler und Fans an die Schale gewöhnt. Freuen werden sich alle dennoch – Geburtstage werden auch jedes Jahr mit Vorfreude erwartet.

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Meisterschaft "im Stillen und Leisen"

Eine Meisterfeier blieb auch beim 1. FC Lok Leipzig aus – jedoch nicht aus Titelgewohnheit. Eine Uffta vor der Kurve, eine Ehrenrunde durch das Plache-Stadion, Bierduschen, Pokalübergabe – die Probstheidaer konnten und wollten nicht in den Genuss solcher Rituale kommen, nachdem sie ihren ersten Titel seit dem Gewinn der Oberliga Nordost 2015/16 verbuchen konnten. Am Freitag kürte der NOFV Lok aufgrund des Punkteschnitts zum Regionalliga-Sieger.

Doch wie wird eine Meisterschaft am grünen Tisch gefeiert? „Wirklich klassisch auf der Couch“, berichtet Djamal Ziane. Stürmerkollege Matthias Steinborn fackelte ebenfalls kein Feuerwerk ab und machte es sich auf seinem Sofa gemütlich. „Ich hab mir dann noch einen Film angeschaut“, erzählt er von seiner unvergesslichen Titelnacht. Co-Trainer Nicky Adler war am Abendspeisen mit Familie. „Es ist eine Meisterschaft, aber im Stillen und Leisen“, so der zum 30. Juni scheidende Assistent von Wolfgang Wolf.

Staffelsieg nur Wert für die Statistik

Dieser gönnte sich immerhin einen Vino, fand die ganze Sache jedoch „eigentlich ganz komisch, ohne Fans“, und spricht damit seinem Angriffsduo aus dem Herzen. Zustimmung der Seinen gibt es auch, wenn er auf die Euphoriebremse drückt: „Davon können wir uns nichts kaufen.“

Tatsächlich hat der Staffelsieg nur Wert für die Statistik. Das Ziel ist weiterhin der Aufstieg in die dritte Liga. Dafür müssen die Leipziger die Relegation gegen West-Vertreter SC Verl gewinnen. Am 20. Juni werden die Verler beim Verbandstag offiziell in die Entscheidungsspiele geschickt, am 30. Juni laufen bis auf Paul Schinkes Kontrakt sämtliche Verträge der Lok-Spieler aus. Die zehn Tage könnten historisch werden.

Aber sie könnten auch die Saison komplett entwerten, befürchtet Adler: „Ich will mir gar nicht ausmalen, dass wir nicht aufsteigen. Dann bedeutet alles nichts. Als Corona-Meister wollen wir jetzt auch aufsteigen.“


Bei Aufstieg automatische Vertragsverlängerung für Steinborn

Ziane ist sich der Bedeutung der nächsten Wochen ebenfalls bewusst. „Das wäre ein Schritt für die Vereinsgeschichte, da kannst du eine neue Messlatte setzen. Das ist auch nicht so ein bisschen Profitum, sondern das ist dann richtig krass“, hat der 28-jährige Leipziger Respekt. Auf den Titel ist er trotz der Umstände stolz: „Klar freue ich mich lieber, vor einer vollen Hütte die Meisterschaft zu gewinnen. Aber wir brauchen uns nicht zu verstecken, Wir haben es uns verdient.“

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Dem gebürtigen Berliner Steinborn würde bei einem Drittligaaufstieg Vertragsverhandlungen erspart bleiben, sein Arbeitspapier würde sich automatisch um zwei Jahre verlängern. Einen Verbleib in Probstheida kann er sich genau wie Ziane auch in Liga vier vorstellen.

"Sportlich fair ist anders“

Eine Schlammschlacht vor Gericht muss Lok nicht fürchten. Obwohl VSG Altglienicke und Energie Cottbus immer wieder mit Klagen drohten, werden beide den NOFV-Beschluss nicht anfechten. Wütende Worte gab es trotzdem.

„Freunde werden wir nicht mehr, so wie der Wolfgang Wolf sich von Anfang an verhalten hat. Der hat nur Druck gemacht. Immer nur die Quotientenregelung ins Spiel gebracht. Dass wir Herbstmeister waren, zählte nicht. Ein Entscheidungsspiel wollte er auch nicht. Sportlich fair ist anders“, kritisiert VSG-Manager Daniel Böhm in der B.Z.. Dennoch drücke er Leipzig in den Aufstiegsspielen die Daumen. Sein Co-Trainer Torsten Mattuschka wetterte beim rbb: „Die Leute, die sowas entscheiden, haben wahrscheinlich nie Fußball gespielt. Echt zum Kotzen, dass wir so ein Ding in die Fresse kriegen.“ Cottbus-Präsident Auth findet: „Wir müssen es so akzeptieren, auch wenn es für uns keine gerechte Meisterschaftsentscheidung ist.“