15. Mai 2020 / 07:37 Uhr

Lok Leipzigs Ex-Trainer Joppe: "Habe Grundstein für die mögliche Meisterschaft gelegt"

Lok Leipzigs Ex-Trainer Joppe: "Habe Grundstein für die mögliche Meisterschaft gelegt"

Anton Kämpf
Leipziger Volkszeitung
Björn Joppe
Björn Joppe ist bereit wieder einen Verein zu trainieren. © Andre Kempner
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Björn Joppe steht vor dem Umzug nach Osnabrück, aber nicht aus sportlichen Gründen. Wie es für den ehemaligen Coach von Lokomotive Leipzig weitergeht, was er von der Quotientenregelung hält und ob er Groll gegen seine alten Weggefährten hegt, verrät er im SPORTBUZZER-Interview. 

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Leipzig. Björn Joppe sitzt im Auto, als er angerufen wird. In zwei Wochen wird er nach Osnabrück ziehen, früher spielte er beim VfL in der zweiten Liga, viele ehemalige Kollegen leben in der niedersächsischen Stadt. „Es ist sehr schön, dort werde ich meinen Lebensmittelpunkt haben“, verrät der Ex-Trainer des 1. FC Lok Leipzig im Interview dem SPORTBUZZER-Reporter Anton Kämpf. Joppe räumte im Oktober seinen Posten, nachdem das nahezu komplette Lok-Team trotz des zweiten Platzes und erst einer Niederlage – ausgerechnet gegen Chemie – nicht mehr hinter dem 41-jährigen Wuppertaler stand.

Herr Joppe, die Zeiten sind ungewiss und schwierig. Wie geht es Ihnen?

Mir geht es gut, ich kann mich nicht beschweren.

Wie sehen denn Ihre Zukunftspläne aus, wann kehren Sie zurück an die Seitenlinie?

Es kriegt ja jeder überall mit, dass es im Sport ein bisschen schwierig ist, jetzt als Arbeitsloser einen Job zu kriegen. Ich kenne auf jeden Fall jede Regionalliga-Mannschaft auswendig. Und da ist erst einmal die Frage: Wann beginnt die Saison? Viele Vereine wissen gar nicht, wie sie die Verträge gestalten sollen und wie sie planen können. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Trainer, die vor der Corona-Zeit vielleicht Probleme hatten, jetzt wieder fest im Sattel sind. Ich liege immer mal irgendwo auf dem Tisch, wie zuletzt bei Sportfreunde Lotte oder Fortuna Köln, aber es gibt noch nichts Konkretes.

Bevor Sie Cheftrainer in Probstheida wurden, waren Sie im Nachwuchsbereich tätig. Könnten Sie sich das auch wieder vorstellen oder spielt das keine Rolle mehr in ihren Gedanken?

Was heißt keine Rolle? Man muss in der Zeit vielleicht auch etwas umdenken. Aber klar ist: Wenn dann nur eine U19, weil die nah am Herrenbereich ist. Ich wäre gerne Cheftrainer in der Regionalliga oder in der Oberliga. Ich kann mir auch vorstellen, ab der dritten Liga bei ambitionierten Vereinen als Co-Trainer zu arbeiten, da gab es auch vor Corona Gespräche. Die Zeiten haben sich geändert, teilweise hätten auch Oberligisten gerne Fußballlehrer. Da muss man als Trainer auch mal Geduld haben.

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Bei Lok mussten Sie Rainer Lisiewicz mit ins Boot holen, da Ihnen die nötige A-Lizenz gefehlt hatte. Wie weit sind Sie, diese zu bekommen?

Ich habe letztes Jahr im Oktober die Elite-Jugend gemacht. Nun ist generell die Frage, ob die Kurse stattfinden werden. Wenn alles glatt läuft, habe ich im Januar 2021 meinen A-Lizenz-Kurs.

Seit Oktober sind Sie nicht mehr bei Lok Leipzig. Pflegen Sie noch Kontakt zu Ihren alten Arbeitskollegen, zu Spielern und/oder Verantwortlichen?

Der Kontakt ist abgeflacht, wenn dann mit Nicky Adler. Wir verstehen uns ganz gut und hatten auch den Gedanken, die A-Lizenz gemeinsam zu machen.

Es hieß, die Mannschaft stand nicht mehr hinter Ihnen, es gab Meinungsverschiedenheiten und Unzufriedenheit trotz des sportlichen Erfolgs. Hegen Sie Groll?

Groll habe ich überhaupt nicht. Ich muss sagen, ich hatte das Glück, dass ich eine große Traditionsmannschaft trainieren durfte. Und ich glaube auch, es war ganz gut. Ich habe in der ersten Saison Lok gerettet und schließlich den Grundstein für die mögliche Meisterschaft gelegt. Hinzu kommt, dass es meine erste Station im Profibereich war – man macht nie alles richtig, man lernt nie aus.

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Jürgen Sundermann - 28. Mai 1991 bis 30. Juni 1993 Zur Galerie
Jürgen Sundermann - 28. Mai 1991 bis 30. Juni 1993 ©

Sie sprechen es an: Lok wird wohl am grünen Tisch Meister. Verfolgen Sie die Diskussionen rund um die Regionalliga Nordost? Wie würden Sie die Saison zu Ende bringen?

Ich hänge mit dem Herzen an Lok und der Mannschaft, daher würde ich mir die Quotientenregelung wünschen – dann sind wir Meister. Für den neutralen Zuschauer ist es jedoch schwierig. Denn ganz ehrlich: Es gibt keine fairste Lösung, auch wenn das viele so kommunizieren.

Wieso nicht?

Egal welches Szenario, du kannst nie alle zufrieden stellen. Ich sehe das so, dass der Verband endlich eine Entscheidung treffen muss. Ich finde es kurios und nicht vorteilhaft, sich immer mit den Vereinen zusammenzusetzen. Auf einen Nenner kommt man eh nicht. Die Verbände sollten sich untereinander zusammensetzen und eine einheitliche Lösung finden.

Der Nordostdeutsche Fußballverband wartet auch auf die DFB-Entscheidung zur dritten Liga.

Ich frage mich, wieso gewartet wird. Man hätte vor Wochen schon eine Entscheidung treffen müssen. Die Dritte Liga kann die Regionalligen null interessieren. Sie werden eh nicht aufstocken, da ist es egal, ob die spielen. Ich halte aus neutraler Sicht auch eine zweigleisige dritte Liga für nicht gut. Zurzeit hat sie einen hohen Stellenwert, allein durch die Vielzahl an Traditionsmannschaften. Man könnte sie fast schon 3. Bundesliga nennen. Zwei Staffeln würden sie abwerten.

Bis zur Niederlage gegen Chemie in der Hinrunde und Ihrem darauffolgenden Abschied waren Sie ungeschlagen in der laufenden Spielzeit. Sollte Lok Staffelsieger im Nordosten werden, würden Sie sich auch als Meister sehen?

Die Chemie-Pleite wird mir lange anhängen. (lacht) Als ich übernommen habe, waren wir auf Platz 17. Als ich gegangen bin, waren wir Zweiter. Klar rechne ich mir einen hohen Anteil zu.

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Am 6. Oktober 2019 standen sich die BSG Chemie Leipzig und der 1. FC Lok Leipzig zum 103. Mal gegenüber. Zur Galerie
Am 6. Oktober 2019 standen sich die BSG Chemie Leipzig und der 1. FC Lok Leipzig zum 103. Mal gegenüber. ©

Trotz der Unstimmigkeiten zum Schluss, würden Sie ihren alten Weggefährten gratulieren?

Natürlich gratuliere ich. Das ist Fußball, wir wissen, wie es funktioniert. Heute wirst du hochgehoben, morgen bist du der Arsch.

Wie sehr kann man sich über eine Meisterschaft am grünen Tisch freuen?

Ich glaube, die Spieler hätten die Meisterschaft lieber sportlich errungen. Am Ende ist es so: Wenn man Meister ist, ist man Meister. Da kann man auch mal drei Bierchen trinken. Lok hat eine überragende Saison gespielt. Die Spiele gegen Cottbus oder Meuselwitz, das Spektakel gegen Nordhausen. Die Mannschaft hat es verdient, weil sie den attraktivsten Fußball gespielt hat.