14. Mai 2020 / 07:13 Uhr

Lok Leipzigs Flügelflitzer Wolfram Löwe wird 75 und blickt zufrieden zurück

Lok Leipzigs Flügelflitzer Wolfram Löwe wird 75 und blickt zufrieden zurück

Frank Müller
Leipziger Volkszeitung
28. Mai 1977: 
Der Leipziger Wolfram Löwe erzielt im FDGB-Pokalfinale gegen Dynamo Dresden den 1:1-Ausgleich mit diesem Torschuss vor Hans-Jürgen Dörner (re.) und Udo Schmuck (M.). Dynamo gewinnt die Partie im Stadion der Weltjugend in Berlin mit 3:2.
Wolfram Löwe (l.) erzielt 1977 im FDGB-Pokalfinale gegen Dynamo Dresden den 1:1-Ausgleich. © imago images/Werner Schulze
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Nicht selten wussten die gegnerischen Stürmer ihn nur mittels Foul zu bremsen. Wolfram Löwe war stets flott unterwegs und feierte mit dem 1. FC Lok Leipzig den Sieg im FDGB-Pokal und legendäre Abende im Europapokal. Sein größter internationaler Erfolg: der Olympia-Sieg 1976 in Montreal.

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Leipzig. Wenn Wolfram Löwe zum Sprint ansetzte, hielten die Fans den Atem an, doch seine Gegenspieler besser nicht. Denn dann wären sie erst recht nicht hinter dem Flügelflitzer hergekommen. In aller Regel sahen sie auch bei optimaler Sauerstoffversorgung nur die Hacken des gebürtigen Markranstädters.

Matoul: "Es war sehr schön mit ihm zu spielen"

Heute ist der ehemalige Stürmer des 1. FC Lok Leipzig nicht mehr ganz so flott unterwegs, was zum 75. Geburtstag an diesem Donnerstag ja auch kein Beinbruch ist. Apropos Beinbruch: Es ist fast ein Wunder, dass ihm diese oder andere schwere Verletzungen erspart blieben, denn nicht selten wussten ihn die gegnerischen Verteidiger nur durch Fouls zu bremsen. Der Jenaer Rainer Schlutter hing sich einmal von hinten ganz hemmungslos an Löwes Trikot, was dabei völlig zerrissen wurde. Für die dadurch provozierten Ausschreitungen der Lok-Fans bekam der Verein eine Heimsperre für zwei Partien, während Schlutter glimpflich davonkam.

DURCHKLICKEN: Bilder aus der Karriere von Wolfram Löwe

17. Oktober 1973: Trainer Georg Buschner mit letzten Anweisungen für Frank Ganzera und Wolfram Löwe. Zur Galerie
17. Oktober 1973: Trainer Georg Buschner mit letzten Anweisungen für Frank Ganzera und Wolfram Löwe. ©

In Szene gesetzt, sprich steil auf die Reise geschickt, wurde Löwe am häufigsten von seinem kongenialen Offensivpartner Henning Frenzel, der zwar nicht ganz so schnell wie Löwe, dafür aber ein grandioser Techniker und Torjäger war. Löwe bereitete dann nicht selten Tore für Frenzel oder Hans-Bert Matoul, später auch für Dieter Kühn vor. Frenzel über Löwe: „Wir haben uns gut verstanden, wussten , was der andere wann tut. Wolfram hat von seiner Schnelligkeit gelebt, ich wusste ihn einzusetzen und er hat dann die Tore für mich oder andere eingefädelt.“ Mit „andere“ ist eben zum Beispiel Matoul gemeint. Der erinnert sich: „Wolfram war mein Sturmpartner, das passte hervorragend. Es hat viel Spaß gemacht, mit ihm zu spielen.“

Umjubelter Sieg gegen Benfica Lissabon

1962 war Löwe als Junior nach Probstheida gekommen, wurde dort ab 1964 Stammspieler bei Lok-Vorgänger SC Leipzig. Neben Einsätzen in Nachwuchs- und Olympia-Auswahlteams wurde er zwischen 1967 und 1977 stattliche 43 Mal in der Nationalmannschaft eingesetzt. Weil Löwe zwar schnell, aber mit dem linken Fuß nicht so versiert war, fragte ihn Auswahltrainer Karoly Soos einmal grob: „Hast Du Dein linkes Bein im Arsch?“ Das erzählt der Stürmer heute natürlich mit gelassenem Schmunzeln.

DURCHKLICKEN: Lok Leipzig im Europapokal

3. Oktober 1973 - Nach dem Sieg auswärts gewinnt der 1. FC Lok Leipzig auch daheim gegen den AC Turin und zieht in die zweite Runde des UEFA-Cups ein. (@ Archiv) Zur Galerie
3. Oktober 1973 - Nach dem Sieg auswärts gewinnt der 1. FC Lok Leipzig auch daheim gegen den AC Turin und zieht in die zweite Runde des UEFA-Cups ein. (@ Archiv) ©

Einen seiner vielen spektakulärsten Auftritte hatte er, als er mit Lok im Messe-Cup am 21. Dezember 1966 vor 75 .000 Zuschauern im Zentralstadion gegen Benfica Lissabon, damals im europäischen Fußball das Maß der Dinge , 3:1 gewann und die Portugiesen schließlich aus dem Wettbewerb kegelte. Im gleichen Jahr hatte er mit Lok schon den Inter-Cup gewonnen. In der Saison 1973/74 schaffte es Löwe mit den Blau-Gelben gar bis ins UEFA-Cup-Halbfinale, wo mit Tottenham Hotspur erst das dritte englische Team ein Stoppzeichen setzte. Neben Wolverhampton und Ipswich hatten auch der AC Turin sowie Fortuna Düsseldorf gegen Löwe und Co. die Segel streichen müssen.

Mit der Olympia-Auswahl holte Löwe 1976 in Montreal gar Gold. Bei der WM 1974 stand er in vier von sechs Spielen der DDR-Elf auf dem Rasen. Die größten nationalen Erfolge Löwes waren der Pokalgewinn 1976 und – weit zuvor – die Vizemeisterschaft 1966/67. Der Tiefpunkt folgte schon zwei Jahre später mit dem Abstieg in die DDR-Liga, wonach aber die sofortige Rückkehr in die DDR-Oberliga gelang.

"Sportlich und beruflich vieles richtig gemacht"

Nach seinem Karriereende 1980 arbeitete Löwe als Ingenieur für Fahrzeugtechnik bei der Bahn. Heute lebt er als Rentner in Leipzig und blickt neben den 43 Einsätzen in der DDR-Auswahl auf 321 Oberligaspiele mit beachtlichen 87 Toren sowie 30 europäische Pokalspiele (11 Treffer) zurück.

Kickende Nachfahren hat Löwe nicht. Seine beiden Töchter sind „normal sportlich“, von den vier Enkelkindern (ein Mädchen, drei Jungs) spielen zwei Enkelsöhne aktiv Bowling. „Rückblickend habe ich sportlich und beruflich vieles richtig gemacht. Ich habe stets mit viel Ehrgeiz an mir gearbeitet, wobei mir viele geholfen haben, nicht zuletzt meine Frau. Sie musste unsere beiden Töchter meist allein erziehen“, bekennt der Jubilar.

Die Feier zum 75. wollte er schon vor Corona „nicht übertrieben“ abhalten. Seine alten Kameraden wie Henning Frenzel, Manfred Geisler, Andreas Bornschein und nicht zuletzt Karl Drößler, von Löwe bis heute mit Hochachtung „mein Kapitän“ genannt, sieht er (außer derzeit) ohnehin einmal wöchentlich in der Lok-Sauna. Sie werden nicht die einzigen Gratulanten sein.