01. Juni 2021 / 07:49 Uhr

Lok Leipzigs Trainer Civa mahnt: "Nicht irgendwelche wahnsinnigen Dinger machen"

Lok Leipzigs Trainer Civa mahnt: "Nicht irgendwelche wahnsinnigen Dinger machen"

Anton Kämpf
Leipziger Volkszeitung
Coach Almedin Civa führte Lok Leipzig zum ersten Sachsenpokalsieg der Vereinsgeschichte.
Coach Almedin Civa führte Lok Leipzig zum ersten Sachsenpokalsieg der Vereinsgeschichte. © Picture Point
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Bei seiner Amtsübernahme im Sommer 2020 fand Almedin Civa beim 1. FC Lok Leipzig nur einen Ein-Mann-Kader vor. Doch das schockte den damals 48-jährigen Fußballlehrer nicht. Er formte eine eingeschworene Einheit, die am vergangenen Samstag den Sachsenpokal holte. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der Coach der Blau-Gelben über das Finale, die folgende Feier und die neue Saison.

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Leipzig. Biergeduscht herzte Almedin Civa seine Männer nach dem ersten Sachsenpokaltitel in der Geschichte des 1. FC Lokomotive Leipzig. Vor einem Jahr fand Wolfgang Wolfs Nachfolger einen Kader vor, der aus nur einem Akteur bestand, und formte in seiner ersten Regionalliga-Saison für die Blau-Gelben einen DFB-Pokal-Teilnehmer. Ein Gespräch über Titelparty, siegessichere Gefühle und die neue Saison.

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Herr Civa, haben Sie sich bei der Feier als Trainer zurückgenommen?

Nö, ich hab alles genossen. Auf dem Platz, im Bus und auf der Bühne. Meine Frau war auch da, sie konnte im Auto auf der Hinfahrt nur den Ton des Livestreams hören. Wir saßen ganz, ganz lange in meinem Büro mit dem Vorstand und später irgendwann sind wir mit ein paar Leuten, nicht mit der Mannschaft, in den Joseph Pub. Wir haben getrunken und gelacht. Unter der Saison bin ich diszipliniert und Profi, aber wenn ich mich riesig freue, dann lebe ich das auch aus. Wenn ich der Meinung bin, ich singe, dann singe ich. Wenn ich der Meinung bin, ich muss weinen, dann weine ich. Diesen Pokal nimmt uns keiner.



Mit dem Sachsenpokal in der Vitrine und dem Auftritt im DFB-Pokal vor Augen – die Vorfreude auf die neue Spielzeit muss groß sein.

Die Euphorie musst du mitnehmen, im Umfeld und in der Mannschaft. Wir müssen trotzdem weiter gucken, nicht irgendwelche wahnsinnigen Dinger aus der Euphorie heraus zu machen. Vieles können wir uns nicht leisten. Zum Glück ist der Vorstand derselben Meinung.

Was haben Sie gedacht, als Sie in der blau-gelben Connewitzer Straße empfangen wurden?

Es war nicht nur das, sondern auch der Abgang. Da kriegst du Gänsehaut. Ich weiß, was das den Leuten bedeutet – diese Gier nach etwas Gutem, etwas Schönem. Alles lief friedlich ab, alles war sensationell – ein absolut perfekter Tag. Ich hab viel mitgemacht, das reiht sich ziemlich weit oben ein. Ich freue mich so für das Team. Die scheiß sieben Monate Pause haben sich gelohnt.

Waren Sie sich wirklich sicher, dass Ihr Team gewinnen würde. Woher kam diese Gewissheit?

Ich war mir so sicher, weil ich die Jungs jeden Tag gesehen habe. Ende März, Anfang April hatten wir ein kleines Loch, da hat man gemerkt: Sie werden müde, sie haben kein Ziel.

DURCHKLICKEN: Das war das Finale zwischen Lok Leipzig und Chemnitz

Da ist das Ding! Lok Leipzig ist Sieger im Finale des Sachsenpokals. Zur Galerie
Da ist das Ding! Lok Leipzig ist Sieger im Finale des Sachsenpokals. © Christian Modla

Und dann?

Dann kam die Entscheidung zum Pokal. Wir wussten, dass wir spielen. Ein paar Tage später habe ich gedacht: Wow, die wollen das unbedingt. Nach dem Halbfinale wusste ich: Das kann nicht schiefgehen. Trotzdem mussten wir uns konzentrieren. Ich hab die Woche vor dem Finale nix Besonderes mehr gemacht, nur das, woran die Jungs gewöhnt sind. Unter der Woche haben wir kaum über den Pokal gesprochen.

Wackelte dieses Gefühl nach Leon Heynkes Platzverweis?

Vor der Verlängerung hab ich den Jungs gesagt: Es ist egal, wir haben das besprochen, für unser Spiel ist es unwichtig, ob zwei oder drei hinten sind. Wir dürfen die Bälle nicht nach vorne kloppen und wir spielen unser Ding. Ich hab mir noch mal viele Szenen angesehen. Wir hatten so viele Hochkaräter in der Verlängerung trotz der Unterzahl. Man kann den Jungs nur ein Kompliment machen.

Wie erleichtert war Leon Heynke?

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Ich hab zwei Mal rübergeguckt, hab in seinen Augen Spannung und Leere gesehen. Der macht ein Riesenspiel, nur zwei Fouls, aber leider Gottes waren es auch zwei gelbe Karten.

Hat ihn das auch auf der Feier noch beschäftigt?

Ich hoffe nicht, wir haben gescherzt: Der Pokal ist so groß wie deine Tochter, wir stecken sie da rein. Er hat mich gefragt: Alme, bin ich jetzt beim DFB-Pokal gesperrt? Ich meinte: Na klar. Aber ich bin mir sicher, dass er spielen darf.

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Ausgerechnet Djamal Ziane, der dienstälteste Lokspieler, der bereits als Kind für den VfB auflief, entscheidet das Finale.

Wenn man so eine Geschichte schreiben würde, würde jeder sagen, der Autor oder der Regisseur ist schlecht. Alle Spieler hätten es verdient gehabt, aber mit Djamal hat es den Richtigen getroffen.

Ihre Spieler haben jetzt 14 Tage Urlaub – können sie den Knopf ebenfalls auf Pause drücken?

Ja, man sollte abschalten. Ich habe viel vorgearbeitet, wir haben 19 Spieler. Daheim in Berlin werde ich trotzdem ein bisschen was machen. Es geht nur um ein paar Details, ein bisschen Telefoniererei. An dem einen oder anderen Tag werde ich aber nicht rangehen.