06. April 2020 / 11:05 Uhr

Lok Leipzigs Trainer Wolf lehnt Saisonabbruch ab: "Wir können doch warten, wir haben doch Zeit"

Lok Leipzigs Trainer Wolf lehnt Saisonabbruch ab: "Wir können doch warten, wir haben doch Zeit"

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Lok Leipzigs Coach Wolfgang Wolf will die Saison zu Ende spielen.
Lok Leipzigs Coach Wolfgang Wolf will die Saison zu Ende spielen. © Christian Modla
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Die Frage, wie mit der bis auf Weiteres unterbrochenen Regionalliga-Saison verfahren wird, beschäftigt Fans und Verantwortliche des 1. FC Lok Leipzig in besonderer Weise. Denn die Blau-Gelben liegen auf Aufstiegskurs. Ein Saisonabbruch, im schlimmsten Fall ohne Auf- und Absteiger, käme da einer Katastrophe gleich.

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Leipzig. Wie könnte es weitergehen? Diese Frage treibt Wolfgang Wolf und die Verantwortlichen des 1. FC Lok Leipzig in diesen Tagen in besonderer Weise um. Die Blau-Gelben stehen in bester Ausgangsposition für den angepeilten Aufstieg in die 3. Liga. Zwar rangieren die Probstheidaer aufgrund der schlechteren Tordifferenz auf Platz zwei der Regionalliga Nordost. Allerdings haben sie eine Partie weniger absolviert als Tabellenführer Altglienicke. Auch deshalb will der Trainer und Sportdirektor in Personalunion die Saison unbedingt zu Ende spielen, egal wann es wieder losginge und wie lange es dauern würde.

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"Dann haben wir eben keine Winterpause"

 „Es wäre doch sehr schade, wenn wir um unsere Chance gebracht würden. Ich verstehe diese Problematik mit dem 30. Juni nicht. Wir können doch warten, wir haben doch Zeit“, so Wolf am Montag bei „Sport im Osten“. Es sei doch kein Problem einen Spielervertrag, um zwei oder drei Monate zu verlängern.

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Dass sich die kommende Saison dann verschieben würde, sieht er ebenfalls unkritisch. „Dann haben wir eben keine Winterpause. Aber die brauchen wir hier in unseren Breiten inzwischen auch nicht mehr.“ Man müsse sich schon die Frage stellen, wer einen vorzeitigen Abbruch wirklich wollen kann. „Doch eigentlich nur die, die absteigen könnten.“ Das einzig gerechte Szenario sei deshalb, die Saison zu Ende zu bringen, und zwar inklusive der Relegationsspiele, die für den Ersten der Regionalliga Nordost anno 2020 noch anstehen würden.

Misswirtschaft von Jahrzehnten nicht belohnen

Dass er die Quadratur des Kreises fordert, weiß der Lok-Coach, der sagt: „Ich sehe keine einfache Lösung.“ Denn Partien vor leeren Rängen will Wolfgang Wolf nicht unbedingt absolvieren. „Im Gegensatz zu den Bundesliga können die Regionalligen kein ganzes Jahr ohne Zuschauer spielen. Wir haben keinen TV-Topf, finanzieren uns wesentlich über die Zuschauereinnahmen.“ Auch die Einnahmen aus Sponsorenverträgen seien im Moment fraglich. „Gerade Firmen, die so 15.000 bis 20.000 Euro pro Jahr geben, denken nach Corona vielleicht auch erstmal an sich. Und das ist auch ok.“ Bei den Blau-Gelben haben laut Wolf aktuell rund die Hälfte der Sponsoren zugesagt, auch 2020/21 an Bord zu bleiben.

Der 62-Jährige sieht hier vor allem den Deutschen Fußball-Bund in der Pflicht. „Da muss ein Fonds angelegt werden, um die Vereine zu unterstützen.“ Für die teilweise bereits angekündigten Planinsolvenzen der Proficlubs hat er keinerlei Verständnis. „Man kann die Misswirtschaft von Jahrzehnten doch jetzt in der Krise nicht belohnen. Da müssen genauso neun Punkte abgezogen werden wie sonst auch.“

Erfolg der Soli-Aktion dank guter Arbeit

Wolfgang Wolf selbst verbringt die Corona-Zwangspause in der pfälzischen Heimat. In der Zeit, in der am Sonntag das Derby zwischen Lok und dem Ortsrivalen BSG Chemie angepfiffen worden wäre, war er mit Frau und Sohn Fahrrad fahren. Erst nach Ostern will er wieder nach Leipzig kommen. „Dann werden wir uns zusammenhocken und versuchen zu klären: Wie geht‘s weiter? Wann geht‘s weiter?“ Momentan wisse er ja nicht einmal, wann er wieder mit seinen Jungs trainieren könne.

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01.12.1984: Oberligaderby zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und der BSG Chemie Leipzig. Endstand 4:0. Im Bild: P. Schöne. Zur Galerie
01.12.1984: Oberligaderby zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und der BSG Chemie Leipzig. Endstand 4:0. Im Bild: P. Schöne. © LVZ

Dank der vom Verein ins Leben gerufenen Soli-Aktion „Leute, macht die Bude voll“ konnten die Probstheidaer fehlende Einnahmen aus den weggefallenen Heimspielen ausgleichen. Dass das Projekt so gut läuft - Stand Montagvormittag kamen für das virtuelle Spiel am 8. Mai mehr als 100.000 Euro zusammen – sieht Wolf auch der guten Arbeit des Vereins und der Mannschaft geschuldet. „Ich glaube, wenn wir im Niemandsland der Tabelle stünden, wäre das nicht so wie es jetzt ist.“