18. April 2020 / 18:23 Uhr

Lokalmatador Melvin Senst vom RFV Seehausen sitzt weiter im Sattel

Lokalmatador Melvin Senst vom RFV Seehausen sitzt weiter im Sattel

Sport Lucki
Märkische Allgemeine Zeitung
Im Frühjahr 2010 gewann der damals 16-jährige Melvin Senst eine wichtige Prüfung bei seinem Heimturnier in Seehausen.
Im Frühjahr 2010 gewann der damals 16-jährige Melvin Senst eine wichtige Prüfung bei seinem Heimturnier in Seehausen. © Screenshot Frank Neßler
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Vor zehn Jahren: Melvin Senst gewinnt 2010 als Lokalmatador in Seehausen eine Springprüfung. Jahr für Jahr wird normalerweise mit dem Turnier des örtlichen Reit- und Fahrvereins (RFV) die Freiluft-Saison der Pferdesportler in der Region eröffnet. Die Auflage 2020 der Veranstaltung ist jedoch ein Opfer der Corona-Pandemie.

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"Für die Pferde bleibt nur die Koppel“, sagt Erhard Clemens, langjähriger Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins (RFV) Seehausen, „sie können sich derzeit nicht mal ihr Futter verdienen.“

Eigentlich wollten die Pferdesportler aus der Region am Sonntag (19. April) die diesjährige Grüne Saison eröffnen. Traditionell wie seit Jahren mit dem Turnier in Seehausen. Doch die Corona-Pandemie macht den Pferdesportlern einen dicken Strich durch die Rechnung. Die 55. Auflage des Reitturniers in Seehausen musste abgesagt werden.

„Das ist sehr schade“, sagt Matthias Buhle, der Nachfolger von Clemens im Amt des RFV-Vorsitzenden, „wir hätten in diesem Jahr wieder den VR-Bank-Cup für junge Reiter und erneut ein Hindernisfahren im Programm gehabt.“ Nach Buhles Worten gab es bereits zahlreiche Nennungen für den Start der Pferdesportler in die Freiluftsaison. Zwei der insgesamt sieben Prüfungen der Leistungsschau in Seehausen hatten bis zur Abbruchentscheidung schon ihre maximale Teilnehmeranzahl erreicht.

Coronabedingt kann nun jedoch nicht um Freiluft-Schleifen geritten werden. Der Turnierplatz in Seehausen wirkt in diesen Tagen verwaist. Schade nicht nur für die Pferdesportler aus Seehausen. Ihr Turnier ist ein sportlich und kultureller Höhepunkt in der Region. Es ist weit über die Grenzen von Brandenburg hinaus bekannt. Bis zu 155 Reiterinnen und Reiter aus nahezu 70 Vereinen mit 250 Pferden aus Sachsen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Berlin und Brandenburg nahmen in Spitzenzeiten daran teil.

Matthias Buhle (l.), Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins Seehausen, und sein langjähriger Vorgänger Erhard Clemens bedauern es, dass das diesjährige Reitturnier aufgrund der Corona-Pandemie ausfällt. Für die Pferdeleistungsschau wäre es die 55. Auflage gewesen.
Matthias Buhle (l.), Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins Seehausen, und sein langjähriger Vorgänger Erhard Clemens bedauern es, dass das diesjährige Reitturnier aufgrund der Corona-Pandemie ausfällt. Für die Pferdeleistungsschau wäre es die 55. Auflage gewesen. © Frank Neßler

Manch ein pferdesportlicher Stern ist in der Geschichte des Turniers aufgegangen. So wie vor zehn Jahren der von Melvin Senst. Als zweifacher Landesmeister, 2008 und 2009 sicherte er sich den Titel im Vierkampf, überließ der damals 16-Jährige bei seinem Heimspiel nichts dem Zufall. Mit Erfolg: Lokalmatador Senst vom RFV Seehausen nutzte seinen Heimvorteil und belohnte sich 2010 für das intensive Training im Vorfeld des Wettbewerbs. Er gewann auf „Echnaton” die Stilspringprüfung Klasse A*, 2. Abteilung.

Zehn Jahre später hat Senst sein pferdesportliches Hobby zum Beruf gemacht. Der gelernte Groß- und Einzelhandelskaufmann ist seit August 2016 als sogenannter Bereiter selbstständig tätig. In Neuendorf bei Niemegk hat er Stallungen gepachtet. Als Bereiter, einer Spezialisierungsrichtung innerhalb des Berufs Pferdewirt, bildet Senst junge Reitpferde nach Kundenwünschen aus. Zehn bis 14 Tiere betreut er derzeit in Neuendorf. „Viel Arbeit, sie ist sehr zeitaufwendig“, erklärt Senst.

Auch als Reitsportler hat er in der zurückliegenden Dekade sehr viel Zeit im Sattel verbracht. Dabei war er auch erfolgreich. Einen seiner größten Triumphe feierte Melvin Senst dabei im vergangenen Jahr. Er gewann beim Weltcup-Springen im Januar 2019 in Leipzig die internationale Barrierenspringprüfung. Die aktuelle Pandemie engt jedoch auch seine sportlichen Ambitionen für dieses Jahr ein. Virusbedingt finden momentan keine Turniere statt. Alles ist in der Corona-Krise abgesagt worden.

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Bleibt nur Optimismus. „Ich hoffe, dass es Mitte oder Ende Mai mit Wettbewerben auf regionaler Ebene mit dem Turniersport weiter gehen kann“, erklärt Senst, „es ist schon schade, dass das Turnier in Seehausen als Auftakt in die Saison nun wegfallen muss.“ Dass es ausgerechnet seinen Heimatverein getroffen hat, bedauert Senst sehr. „Das Turnier des RFV Seehausen wurde immer gut angenommen“, sagt der in der Lutherstadt Wittenberg geborene 26-Jährige. Zusammen mit seiner Freundin und den drei kleinen Kindern lebt er in Zahna-Elster, nur wenige Kilometer hinter der brandenburgischen Landesgrenze in Sachsen-Anhalt.

Senst ist nach eigenen Worten von Kindesbeinen an von Pferden und dem Reitsport begeistert. „Ich hatte eigentlich schon immer mit den Tieren zu tun“, sagt er, „und wenn man Spaß dabei hat, von klein an mit den Pferden groß geworden ist, dann entwickelt sich eben solch eine Leidenschaft.“