21. März 2021 / 17:52 Uhr

Lomazs führt BG Göttingen mit Galavorstellung zum Sieg gegen Bonn

Lomazs führt BG Göttingen mit Galavorstellung zum Sieg gegen Bonn

Andreas Fuhrmann
Göttinger Tageblatt
Göttingens Rihards Lomazs (rechts) wuchs gegen die Telekom Baskets Bonn über sich hinaus.
Göttingens Rihards Lomazs (rechts) wuchs gegen die Telekom Baskets Bonn über sich hinaus. © Swen Pförtner
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Oneman-Show von Rihards Lomazs und ein nervenstarker Aubrey Dawkins: Mit 102:99 (45:50/87:87) nach Verlängerung hat die BG Göttingen am Sonntag in der Basketball-Bundesliga ihr Heimspiel gegen die Telekom Baskets Bonn gewonnen. Dabei steigerte sich die BG nach der Pause und war am Ende das Team mit der größeren Cleverness.

Die Partie begann mit einem Fehlstart der Gastgeber: Die BG war noch gar nicht richtig auf dem Parkett, da führten die Gäste bereits mit zehn Punkten (13:3, 3. Minute). Bonn traf aus allen Lagen, und die Veilchen vertändelten die Bälle. Als sich Luke Nelson zweimal in Folge einen Turnover leistete, musste BG-Coach Roel Moors bereits die erste Auszeit nehmen.

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Eine goldrichtige Entscheidung, wie sich im Anschluss zeigte. Die BG war plötzlich voll da und drehte auf wie die Lautsprecher in der Halle. Auf einmal klappte bei den Veilchen alles. Vor allem Lomazs wuchs über sich hinaus. Zwölf Punkte hatte der Guard nach fünf Minuten auf dem Konto, war Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Veilchen. Als Lomazs nach fünf Minuten zur ersten Führung der BG traf (18:17), nahmen die Gäste ihre erste Auszeit.

BG Göttingen - Telekom Baskets Bonn 2020/21

Tolle Moral, großer Kampf: Die BG Göttingen hat mit einer Energieleistung und viel Charakter einen Sieg gegen die Telekom Baskets Bonn eingefahren. Zur Galerie
Tolle Moral, großer Kampf: Die BG Göttingen hat mit einer Energieleistung und viel Charakter einen Sieg gegen die Telekom Baskets Bonn eingefahren. © Swen Pförtner

Danach entwickelte sich ein Spiel auf Augenhöhe. Bonn fing sich wieder, und die BG agierte um einiges konzentrierter als noch zu Beginn. Die Partie wogte hin und her, und wenn Deishuan Booker mit dem Buzzer getroffen hätte, wäre die BG mit einer Führung ins zweite Viertel gegangen. So aber lag Bonn hauchdünn mit 31:29 in Front.

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Und diese Führung bauten die Gäste zu Beginn des zweiten Viertels weiter aus. Wieder war die BG nicht auf der Höhe, wieder zog Bonn davon. Erst Marvin Omuvwie konnte den nächsten Lauf der Bonner stoppen und auf 32:37 verkürzen.

In der Folge wussten sich die Veilchen oft nur durch Fouls zu helfen, und es lag allein an der unterirdischen Freiwurfquote der Bonner (50 Prozent), dass die BG im Spiel blieb. Ohnehin bekleckerten sich beide Teams nicht mit Ruhm.

Lomazs macht den Unterschied

Nur einer stach hervor, und das war weiterhin Lomazs, der Mitte des zweiten Durchgangs erneut aufdrehte und seine Farben nach 34:41 wieder auf 43:44 heranführte – natürlich mit einem Dreier. 25 Punkte hatte der Guard zu diesem Zeitpunkt knapp drei Minuten vor der Pause erzielt. Spitze!

Schade nur, dass ansonsten keiner seiner Mitspieler mithalten konnte. Tai Odiase und Luke Nelson erzielten in den ersten 20 Minuten nicht einen Punkt. Auch Aubrey Dawkins tauchte bis zu diesem Zeitpunkt der Partie weitgehend ab.

MagentaSport Highlights: BG Göttingen - Telekom Baskets Bonn

Unterdessen brachte Omuwvie die BG gar wieder in Front, aber diese Führung war nicht von langer Dauer. Unerklärlich, dass sich jetzt, wo die BG wieder dran war, erneut leichte Fehler und falsche Entscheidungen einschlichen. Und so war es für Bonn ein Leichtes, die Partie zu drehen und mit einem 50:45 in die Pause zu gehen.

BG Göttingen bleibt in Schlagdistanz

Und die BG? Die durfte sich einerseits freuen, noch in Schlagdistanz zu liegen. Andererseits gab es viel Redebedarf, vor allem in Sachen Defense. 16:8 Fouls standen zur Halbzeit zu Buche, und das lag beileibe nicht nur an den recht kleinlich pfeifenden Schiedsrichtern.

Im dritten Viertel konnte sich kein Team entscheidend absetzen. Lomazs traf weiter nach Belieben und schraubte sein Punktekonto auf unglaubliche 34 Punkte (am Ende 38). Odiase und Nelson trafen immer noch nicht. Und Bonn? Die Gäste verpassten es ein ums andere Mal, sich deutlich abzusetzen. Das lag aber auch am Einsatz der BG, die jetzt vor allem kämpferisch auf der Höhe war in einer verkrampften, aber immer spannender werdenden Partie. Mit 67:70 aus Sicht der BG ging es ins Entscheidungsviertel.

Veilchen in der Crunchtime voll da

Und hier rieb sich manch Beobachter die Augen. Die BG war plötzlich voll da, hielt dagegen und brachte Bonn in große Schwierigkeiten. Folge: Die Baskets schmissen reihenweise die Bälle weg. Mitte des letzten Viertels lagen die Veilchen vor allem durch Punkte von Dawkins mit 82:75 in Front. Die spannende Frage: Konnten sie diese Führung endlich mal wieder über die Zeit retten? Die Antwort: nein und ja.

Wieder waren es vor allem die individuellen Fehler, die der BG das Genick zu brechen drohten – neben einigen fragwürdigen Entscheidungen der Schiedsrichter. Weidemann verdribbelte sich, Booker spielte im Fastbreak einen Fehlpass, Lomazs vertändelte den Ball. Und so kam Bonn wieder ins Spiel und lag kurz vor Schluss mit 87:85 in Führung. Dank einer starken Einzelleistung von Dawkins glich die BG aber noch aus – und rettete sich in die Overtime.

Overtime: Nichts für schwache Nerven

Und die war nichts für schwache Nerven. Erst lag Bonn vorne, dann kurz vor Schluss nach einem Wahnsinns-Dunk von Dawkins die BG (98:94). Bonn konterte mit fünf Punkten in Folge. Aber der erfahrene Harper Kamp traf nervenstark zum 100:99 für die Veilchen. Und dann?

Dann erkämpften die Göttinger mit starker Defense den Ball und zogen das Foul. Zwei Freiwürfe 1,6 Sekunden vor Schluss. Dawkins blieb locker, traf beide Freiwürfe – und sicherte damit einen äußerst knappen, aber verdienten Sieg, den die Spieler zu Recht ausgelassen feierten.


BG-Trainer Moors zufrieden

BG-Trainer Moors war dementsprechend zufrieden. Das Spiel habe aber auch gezeigt, „wie nah ein gutes und schlechtes Gefühl beieinander liegen“. Er habe viel Gutes von seinen Spielern gesehen, aber auch einiges Schlechtes.

Das Wichtigste aber sei gewesen, dass sein Team 45 Minuten gekämpft habe, sagte Moors. „Das war ein Charakter-Sieg, den brauchten wir.“ Jetzt gehe es darum, besseren Basketball zu spielen. Die Partie sei noch von zu vielen Fehlern geprägt gewesen.

BG-Chef Meinertshagen erleichtert

BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen zeigte sich erleichtert nach dem Sieg. "Das war ein Spiegelbild der Saison", sagte der BG-Chef. "Sehr gute Phasen und schlechte haben sich abgewechselt, es war ein ständiges Hin und Her." Mit dem besseren Ende für die Veilchen.

Vor allem im ersten Viertel sei die Defense der BG zu schwach gewesen, sagte Meinertshagen. "In der zweiten Halbzeit war es dann wirklich besser. Positiv war besonders, dass wir heute unbedingt gewinnen wollten, das Selbstvertrauen war da." Man müsse aber auch ehrlich sein, dass Bonn das Spiel ebenso hätte gewinnen können.

Ein Sonderlob des BG-Chefs gab es für Harper Kamp, der den entscheidenden Korb gemacht habe. Und Lomazs sei natürlich überragend gewesen, sagte Meinertshagen. Diese Leistung habe es aber auch gebraucht, weil es bei anderen wie Odiase und Nelson nicht so gut gelaufen sei.

Der Sieg sei enorm wichtig, sagte Meinertshagen, weil es unten in der Tabelle sehr eng zugehe. "Ich bin froh, dass wir uns endlich aus dem Loch nach dem Frankfurt-Spiel herausgekämpft haben."

Statistik

BG Göttingen – Telekom Baskets Bonn 102:99 (87:87, 45:50)

Die Viertel im Überblick: 29:31, 16:19, 22:20, 20:17, 15:12    

BG Göttingen: Booker (8 Punkte/1 Dreier, 5 Assists), Weidemann (7/1), Nelson, Vargas (5/1), Onwuegbuzie (n.e.), Kramer, Omuvwie (6/1), Lomazs (38/7), Mönninghoff (3/1), Kamp (16/2, 6 Rebounds), Odiase (2), Dawkins (17/2).

Telekom Baskets Bonn: Hamilton (29 Punkte/2 Dreier), Pollard (6), Thompson IV (6, 11 Rebounds), Micovic (19/2), Hudson (6/1), DiLeo (9, 5 Assists), Gailius, Kratzer (6), Binapfl (2), de Oliveira (n.e.), Philmore (16/2), Lukosius (n.e.).

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