31. Januar 2021 / 17:06 Uhr

Loris Karius hadert mit seiner Rolle bei Union Berlin

Loris Karius hadert mit seiner Rolle bei Union Berlin

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
Loris Karius wurde am Samstag für den verletzten Andreas Luthe eingewechselt.
Da geht's lang: Für Loris Karius war der Wechsel zu Union Berlin bislang kein Schritt in die richtige Richtung. © imago images/Contrast
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Der Ersatztorwart des Berliner Fußball-Bundesligisten hatte sich sein Engagement in der Hauptstadt anders vorgestellt. Daran ändern auch die Einsatzminuten gegen Borussia Mönchengladbach wenig.

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Loris Karius dürfte sich am Samstag vorgekommen sein wie ein Feuerwehrmann. Plötzlich und ganz unvermittelt musste der Ersatztorwart des 1. FC Union Berlin zum Einsatz ausrücken, ohne jede Vorwarnung. „Es ist nicht ganz einfach bei den Temperaturen, als Torhüter läufst du dich ja auch nicht warm“, erklärte die Nummer zwei der Berliner, dessen Mannschaft nach Toren von Robin Knoche (31. Minute) und Gästestürmer Alassane Pléa (59.) ein 1:1 (1:0) gegen Borussia Mönchengladbach schaffte.

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Und immerhin: als Karius in seinem 92. Bundesligaspiel – dem ersten nach fast fünf Jahren – ab Minute 69 ins Tor rückte, blieb der Kasten sauber. Dass die Karten im Kampf ums Berliner Tor nun neu gemischt werden, scheint trotz Karius’ tadelloser Leistung aber eher unwahrscheinlich.

Union Berlin in Noten: Die Einzelkritik zum Remis gegen Borussia Mönchengladbach.

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Union Berlin in Noten: Die Einzelkritik zum Remis gegen Borussia Mönchengladbach. ©

„Ich wüsste nicht, wieso eine Debatte ausbrechen sollte. Andi hat es bis dahin sehr gut gemacht“, sagte Unions Trainer Urs Fischer am Samstagabend. Eine abschließende Diagnose stand da zwar noch nicht fest, fürs nächste Spiel am Samstag bei Mainz 05 – Karius’ altem Arbeitgeber, ausgerechnet – sollte es für Luthe den ersten Anzeichen nach aber reichen. Er wisse schon, so Fischer weiter, dass Karius nicht ganz zufrieden sei, aber „er akzeptiert seine Rolle, er macht das gut, auch, wenn es ihm nicht so gefällt“.

Dass dem Torhüter, der nur vom FC Liverpool ausgeliehen ist, der Platz hinter Andreas Luthe nicht schmeckt, war Karius auch bei seiner Einwechslung in der 69. Minute anzumerken. Fünfeinhalb Minuten brauchte er, um Schuhe und Stutzen zu richten, seinen Bankplatz auf der Tribüne zu verlassen und bemerkenswert bedächtig, mehr schlaff als straff wirkend, zwischen die verwaisten Pfosten des Berliner Tores zu trotten. Dort schob er dann ordentlich Dienst. „Loris hat uns den Punkt festgehalten, so muss es sein“, sagte Knoche. „Es war ganz okay“, fand Karius.

Den Einsatz des Ersatztorwarts bedingt hatte ein Zusammenprall zwischen Luthe, Knoche und dem Gladbacher Stürmer Marcus Thuram, nachdem Luthe über Schwindelgefühle klagte. Und wenn einem schwindelig ist, sollte man eben besser den Platz verlassen, Loris Karius kann darüber ein Liedchen singen.

2018 hatte ihn Real Madrids Sergio Ramos im Champions-League-Finale rüde gerammt, Karius patzte in der Folge schwer, sein damaliger Club Liverpool verlor 1:3 – und Karius den Karriereweg. Auch in Köpenick hat er ihn noch nicht wiederentdeckt, mehr als 90 triste Minuten bei der 2:3-Heimniederlage im DFB-Pokal gegen Zweitligist Paderborn schenkte ihm Trainer Fischer bis Samstag nicht.

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Anspruch und Wirklichkeit klaffen weit auseinander. „Ich sehe mich eigentlich schon ganz klar im Tor“, sagte Karius nach dem Spiel bei Sky. Als „extrem bitter“ bezeichnete er seine Lage. Und so richtig aufhellend dürfte auch der Samstagnachmittag für ihn nicht gewesen sein. Stolze 15 Minuten hatte es gedauert, ehe Karius im Spiel mal einen Ballkontakt erhielt – beim Abstoß. „Das zeichnet uns als Union ja schon die ganze Saison aus, dass wir extrem gut verteidigen“, sagte Karius. „Nix neues“, sei das gewesen.

Dieses Mal mühte sich eben auch Champions-League-Teilnehmer Mönchengladbach vergebens, Pléas feinem Ausgleichstor noch einen weiteren Treffer folgen zu lassen und drei Punkte aus Köpenick zu entführen.

Union reichte derweil eine Freistoßsituation für einen Punkt: Marcus Ingvartsen fand Knoche, der sein erstes Saisontor erzielte. Der Rest war stabile Defensivarbeit und in der Nachspielzeit ein aufmerksamer Karius, der Thurams Kopfballversuch klärte.  „Ein richtiges Union-Berlin-Spiel“, attestierte Gladbachs Trainer Marco Rose der Fischer-Elf, die nun weiß, dass sie sich auch auf ihren zweiten Torwart jederzeit verlassen kann. Dass der aber kein Retter sein will, der selten gebraucht wird, versteht sich von selbst.