19. Mai 2020 / 12:00 Uhr

Lothar Matthäus exklusiv: Kritik an DFB-Präsident Keller – "Neuer wird nichts Besseres finden"

Lothar Matthäus exklusiv: Kritik an DFB-Präsident Keller – "Neuer wird nichts Besseres finden"

Sebastian Harfst
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Großer Gewinner ist erst mal der Fußball: Sky-Experte Lothar Matthäus nach dem Bundesliga-Wiederbeginn.
"Großer Gewinner ist erst mal der Fußball": Sky-Experte Lothar Matthäus nach dem Bundesliga-Wiederbeginn. © imago images
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Spieltag eins nach der Corona-Zwangspause hat die Bundesliga am vergangenen Wochenende erfolgreich über die Bühne gebracht. Lothar Matthäus hat genau hingeschaut. Der Sky-Experte lobt Hertha BSC und den BVB, rügt DFB-Präsident Fritz Keller - und er hat einen Ratschlag an Bayern-Keeper Manuel Neuer.

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SPORTBUZZER: Herr Matthäus, wie bewerten Sie das spielerische Niveau nach der Bundesliga-Pause?

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Lothar Matthäus (59): Es war ähnlich wie nach der Sommerpause. Die Spieler müssen sich erst zurechtfinden. Aber ich habe schon tolle Gladbacher Spielzüge gesehen. Ich habe Dortmund spielerisch sehr gut gesehen. Bayern hat seinen Stiefel ein bisschen heruntergespielt. Freiburg hat in Leipzig sehr gut verteidigt. Leipzig hat viel probiert. Und der Höhepunkt war Hertha BSC, das verdient 3:0 gewonnen hat. Bruno Labbadia hat seinen Spielern gutgetan. Er hat der Hertha, die so viele negative Schlagzeilen hatte, offenbar geholfen.

Dennoch hat Hertha für den Aufreger des Spieltags gesorgt …



Bei der Geschichte mit dem Jubel war ich auch erschrocken, dass sich die Spieler so nah gekommen sind. Man muss sie aber verstehen: Die Herthaner hatten zuletzt wenig Grund zum Jubeln. Intern wird Bruno das Thema sicher noch mal ansprechen, denn natürlich steht man jetzt unter besonderer Beobachtung.

Großer Gewinner sind für Sie also die Berliner?

Großer Gewinner ist erst mal der Fußball! Es ist ein Highlight, wenn in England die Spiele live gezeigt werden, wenn wir Sonderberichte in den Zeitungen sehen. Der deutsche Fußball hat gezeigt, dass er bereit ist. Gemeinsam mit der Politik wurde dieser Weg gewählt und hervorragend rübergebracht. Sportlich würde ich sagen: Hertha überraschend, Dortmund eindrucksvoll. Aber auch andere Vereine haben Fußball gezeigt, wie man ihn vor der Coronapause gewohnt war.

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Was sagen Sie zur neuen Möglichkeit, fünf Wechsel vorzunehmen?

Ich habe festgestellt, dass fünf Auswechslungen zu viel sind. Die meisten Wechsel wurden in den letzten Minuten getätigt und hatten auf den Spielverlauf keinen Einfluss. Es ging darum, einen Spieler bei Laune zu halten oder Zeit von der Uhr zu nehmen. Dabei sollte eigentlich die Gesundheit der Spieler geschützt werden. Drei Wechsel reichen absolut.

Wie schnell werden nach der Coronapause die Mechanismen des Geschäfts wieder greifen? Um ein Beispiel zu nennen: Muss ein Trainer wie Schalkes David Wagner nach der Derbypleite um seinen Job fürchten?

Wir werden im Fußball weiter Härtefälle haben. Und wenn ein Trainer die Leistung nicht bringt, wird er es schwer haben, seinen Vertrag zu erfüllen. Wenn ein Verein meint, dass es mit einem Trainerwechsel getan ist, wird es wie in der Vergangenheit Entlassungen geben.

Die Sportwelt blickt auf die Bundesliga: Die Pressestimmen zum Restart

Die Rückkehr der Bundesliga aus der Corona-Zwangspause wurde auch im Ausland aufmerksam verfolgt. Der <b>SPORT</b>BUZZER hat die Reaktionen der internationalen Presse zusammengefasst. Zur Galerie
Die Rückkehr der Bundesliga aus der Corona-Zwangspause wurde auch im Ausland aufmerksam verfolgt. Der SPORTBUZZER hat die Reaktionen der internationalen Presse zusammengefasst. ©

Matthäus über DFB-Präsident Keller: "In Freiburg war er sympathischer"

Hinter den Kulissen scheint es zu brodeln. Karl-Heinz Rummenigge hat gegen den DFB und Präsident Fritz Keller geschossen, nachdem der den Profifußball angegriffen hatte. Wer hat Recht?

Ich bin ganz klar auf Kalle Rummenigges Seite. Auch beim DFB hat man in den letzten Jahren verschwenderisch agiert, deswegen muss man genau überlegen, was man sagt. Auch die Leute vom DFB fliegen zum Pokalendspiel in der Business Class, da fliegt keiner Economy innerhalb Deutschlands. Mich stört, wenn man immer nur auf andere deutet. Wir sollten uns doch gerade jetzt gegenseitig unterstützen. In Freiburg war mir Fritz Keller sympathischer, da hat er sich um Freiburg gekümmert, das konnte er. Als DFB-Präsident ist er in einer anderen Position. Wenn er was sagen will, kann er das, aber er sollte auch aufpassen, dass in seinem Haushalt alles funktioniert. Und wenn ich die Verhältnisse in Deutschland mit denen in Frankreich vergleiche, wenn ich einen Neymar sehe, wenn ich einen Mbappé sehe – da ist ein goldenes Steak Kindergarten.

Viele berufen den Vorreiterstatus der Bundesliga im Weltsport. Wird sie diesem Status gerecht?

Am Wochenende hat weltweit alles Bundesliga geschaut. Natürlich ist man da Vorreiter. Diesen Ruf genießen wir in Deutschland: Wenn es jemand schafft, dann sind das die Deutschen. Darauf sollten wir stolz sein. Im Zusammenspiel von DFL, Klubs und Politik war das ein Gesamtpaket, um das uns alle Länder auf der Welt beneiden.

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Matthäus: "DFL und Seifert haben eine vorbildliche Arbeit geleistet"

Tut die Bundesliga Deutschland gut?

Natürlich, die Bundesliga ist ein Aushängeschild für Deutschland. Das wurde jetzt wieder gezeigt. Die DFL mit Christian Seifert an der Spitze hat eine vorbildliche Arbeit geleistet, ohne sich selbst wichtig zu nehmen.

Am Wochenende gab es beim FC Bayern wieder unterschiedliche Aussagen über die Vertragsverhandlungen mit Manuel Neuer. Was ist da los?

Das gehört zum Spiel. Genauso wie Trainer vor dem Spiel nicht verraten, ob sie mit Dreier- oder Viererkette spielen. Ich bin überzeugt davon, dass Manuel Neuer in den nächsten Jahren beim FC Bayern spielt, und der FC Bayern wird froh sein, Manuel Neuer zu haben. Aber Manuel Neuer kennt natürlich seinen Marktwert und sieht, was andere verdienen. Und er ist der Kapitän des FC Bayern und der Nationalmannschaft. Er ist einer der besten Torhüter der Welt, vielleicht sogar der beste, und er kostet keine Ablöse, wenn er verlängert. Das gehört zum Gesamtpaket. Natürlich finde ich es schade, was da gerade passiert. Das ist nicht FC-Bayern-like. Bei Hansi Flick und Thomas Müllers Vertragsverlängerungen ist auch niemand an die Medien gegangen. Doch am Ende wird Manuel Neuer den Vertrag verlängern, denn er wird nichts Besseres finden. Es gibt ja fast keine besseren Vereine. Und wenn er die Champions League noch einmal gewinnen will, ist er beim FC Bayern gut aufgehoben.