22. März 2020 / 17:10 Uhr

Wegen Corona-Pandemie: Lothar Matthäus sitzt in Dubai fest - "Kommen hier nicht mehr weg"

Wegen Corona-Pandemie: Lothar Matthäus sitzt in Dubai fest - "Kommen hier nicht mehr weg"

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Lothar Matthäus sitzt wegen der Coronavirus-Krise in Dubai fest.
Lothar Matthäus sitzt wegen der Coronavirus-Krise in Dubai fest. © dpa/Getty Images
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Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus und seine Familie sitzen aufgrund der Corona-Pandemie in Dubai fest. Im Interview erklärt der "Sky"-Experte die Gründe dafür und spricht über seine derzeitige Situation sowie seine Sorgen mit Blick auf die weltweite Krise.

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Herr Matthäus – wie erleben Sie diese schwierigen Zeiten aufgrund der weltweiten Corona-Pandemie und den aktuellen Stillstand des Sports?

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Lothar Matthäus (59): Ich sitze mit meiner Familie, mit meiner Frau Anastasia und meinem Sohn Milan (fünf Jahre alt, d.Red.), in Dubai fest.

Wie kam es dazu?



Am Freitag vor einer Woche hat die DFL den Betrieb der Bundesliga bis Anfang April ausgesetzt und zwei Spieltage gestrichen. Mein Job als Sky-Experte ruht, daraufhin haben wir unsere Pläne geändert. Ursprünglich wollten wir Ende März Urlaub in Dubai machen – wie beinahe jedes Jahr, wenn in der zweiten März-Hälfte die Länderspiel-Pause ansteht. Also haben wir die Reise vorgezogen.

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Und nun?

Kommen wir vorerst nicht mehr weg hier. Aus doppeltem Grund: Nach Budapest kann ich nicht mehr einreisen – obwohl dort seit 16 Jahren mein Hauptwohnsitz ist. Die Ungarn haben die Grenzen dicht gemacht für alle, die keinen ungarischen Pass besitzen. Also kann ich nicht in meine Wohnung dort. Meine Frau ist Russin. Für sie ist es schwierig, aktuell nach Deutschland einzureisen, da sie keinen EU-Ausweis hat. Also kann ich auch nicht nach München in mein zweites Zuhause. Kann man da einen Flug riskieren, wenn die Einreise unsicher ist? Und das nächste Problem lautet: Flüge von Dubai nach Ungarn und Deutschland sind eingestellt, fast alle nach Europa auch. Da musst du erstmal Glück haben und noch Tickets ergattern. Als letzte Möglichkeit blieben Privatflieger. Es ist sehr belastend. Seit wir abgeflogen sind, kommen aus Deutschland jeden Tag neue Schreckensnachrichten, neue Zahlen von Infizierten. In Dubai fühlen wir uns aktuell sicherer.

Matthäus: "Das macht einen sehr nachdenklich"

Inwiefern?

Die Fallzahlen sind in den gesamten Vereinigten Arabischen Emiraten (rund 150 Infizierte, zwei Tote, Stand 22.03., d.Red.) nicht so hoch wie in Europa. In Dubai arbeiten sehr viele international anerkannte Ärzte, die aktuell auch nicht mehr ausreisen dürfen. Das ist kein Dritte-Welt-Land, die medizinische Versorgung ist exzellent. Bei der rasanten Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland stellen wir uns die Frage: will man derzeit überhaupt nach Deutschland? Andererseits: Wir vermissen unser gewohntes Umfeld, die Familie, die Freunde. Man ist komplett auf sich alleine gestellt. Das macht einen sehr nachdenklich.

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Wie leben Sie derzeit mit Ihrer Familie in Dubai, wie fühlt es sich dort an?

Ich komme seit rund 20 Jahren immer wieder nach Dubai, aber so habe ich die Stadt nie gesehen. Ausländer kommen nicht mehr ins Land, auch nicht mit einer Aufenthaltsgenehmigung. Die Auslastung in den Hotels beträgt lediglich rund zehn Prozent, Restaurants haben noch geöffnet, sind aber ziemlich leer. Also ist der Sicherheitsabstand zwischen den Tischen auf natürliche Art gegeben. Fitnessstudios oder Kids Clubs haben geschlossen. Im Hotel oder in den Shopping Malls wird jede Türklinke alle zwei Minuten desinfiziert. Absolute Sicherheit gibt es aber derzeit nirgendwo auf der Welt.

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Keine Angst, dass wie in anderen Ländern der Welt bald die Hotels geschlossen werden?

Nein. Noch nicht. Hier am Jumeirah Beach legen Hotelketten aber ihre Gäste zusammen, etwa aus fünf Häusern in eins. Es ist grotesk: Wir haben rund 30 Grad, herrliche Sonne, eigentlich wunderbar. Ich sitze auf der Terrasse und schaue aufs Meer - aber ins Ungewisse. Es ist kein Ende der Pandemie absehbar. Wer weiß, was morgen ist? Alles sehr traurig.

Matthäus: "Ich vermisse alle. Wir sind hier blockiert"

Wie sehr belastet Sie die Trennung von Ihrer Familie, vom Freundeskreis?

Sehr, ich vermisse sie alle. Wir sind hier blockiert. Meine Mutter ist 89, sie lebt in meiner Heimatstadt Herzogenaurach weitestgehend isoliert, geht kaum mehr raus und bekommt von dem Wahnsinn zum Glück wenig bis nichts mit. Mein Bruder Wolfgang lebt ebenfalls dort, auch sehr zurückgezogen.