08. Oktober 2020 / 20:48 Uhr

Lothar Matthäus legt bei Kritik am DFB nach: "Spiele wie gegen die Türkei braucht kein Mensch"

Lothar Matthäus legt bei Kritik am DFB nach: "Spiele wie gegen die Türkei braucht kein Mensch"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Rekordnationalspieler Lothar Matthäus lässt kein gutes Haar an Länderspielen wie dem des DFB-Teams gegen die Türkei am vergangenen Mittwoch.
Rekordnationalspieler Lothar Matthäus lässt kein gutes Haar an Länderspielen wie dem des DFB-Teams gegen die Türkei am vergangenen Mittwoch. © imago images/Eibner/Sportfoto Rudel/Montage
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Rekordnationalspieler Lothar Matthäus hat seine nach dem Länderspiel gegen die Türkei geäußerte Kritik am DFB und an Bundestrainer Joachim Löw bekräftigt. "Spiele wie gegen die Türkei braucht kein Mensch", sagte Matthäus der "Bild" unter anderem - und wählte auch ansonsten deutliche Worte.

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Rekordnationalspieler Lothar Matthäus hat am Donnerstag als Reaktion auf das 3:3-Unentschieden der deutschen Nationalmannschaft im Test-Länderspiel gegen die Türkei nochmals deutliche Kritik am DFB und an Bundestrainer Joachim Löw geäußert. Unter anderem warf er dem DFB vor, rein sportlich weniger reizvolle Partien wie die gegen die Türken nur aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus aus zu tragen. "Spiele wie gegen die Türkei braucht kein Mensch. Kein Verein und kein Spieler will sie. Das ist nur eine Vermarktungsgeschichte, mit solchen Spielen macht sich der DFB nur die Taschen voll", wetterte der 59-Jährige, der seit einigen Jahren als Experte beim TV-Sender Sky tätig ist, in einem Interview mit der Bild. Zuvor hatte Matthäus dem Bundestrainer ebenfalls via Bild bereits taktische Fehler vorgeworfen.

Matthäus kritisiert Claim "Die Mannschaft"

Matthäus arbeitete sich auch am vom DFB in den vergangenen Jahren etablierten Claim "Die Mannschaft" als Synonym für das Nationalteam ab. "Es heißt DIE Mannschaft, wie sie Oliver Bierhoff (DFB-Direktor, Anm. d. Red.) als Marke getauft hat. Aber dann wollen wir DIE Mannschaft auch sehen. Die Leute vor dem Fernseher werden verarscht", schimpfte der Weltmeister von 1990 und ergänzte: "Wir wollen in der Nationalmannschaft die Besten der Besten sehen." Matthäus spielte damit wohl darauf an, dass Löw für den Test gegen die Türkei auf die hoch belasteten Profis des FC Bayern und von RB Leipzig verzichtete, die im August beide am Finalturnier der Champions League in Lissabon teilgenommen und daher eine kompliziertere Vorbereitung auf die neue Saison hatten.

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Stattdessen kamen in Köln am Mittwochabend einige Akteure zum Zuge, die in ihren Vereinen aktuell keinen Stammplatz haben - etwa die beiden Dortmunder Nico Schulz oder der erstmals ins A-Nationalteam berufene Mahmoud Dahoud. Für Matthäus eine unverständliche Nominierungspraxis. "Früher galt: Wer kein Stammspieler im Klub ist, hatte in der Nationalmannschaft nichts zu suchen", meinte der Ex-Profi. Auch über die Nominierung eines Akteurs wie Luca Waldschmidt von Benfica Lissabon habe er sich gewundert. "Ich habe nichts gegen diese Spieler, sind sind auch nicht schlecht", versicherte Matthäus: "Aber das ist keine Werbung für den deutschen Fußball. Und wenn es darauf ankommt, wird Löw diese Spieler auch nicht mehr einsetzen."

Matthäus: "Kleiner Bruch" zwischen Ex-Nationalspielern und DFB

Matthäus hatte bereits am vergangenen Wochenende deutlich gemacht, dass er aktuell nicht gut auf den DFB zu sprechen ist. Hintergrund ist offenbar eine veränderte Strategie des Verbandes im Umgang mit ehemaligen, verdienten Nationalspielern, die angeblich nicht mehr zu aktuellen Länderspielen eingeladen werden, was per E-Mail kommuniziert worden sein soll. Matthäus war demnach in die Organisation eines Treffens ehemaliger Weltmeister eingebunden - anders als der DFB. Bei Sky hatte der 59-Jährige gesagt: "Wir wollen den DFB auch gar nicht dabei haben." Es herrsche Unmut über einige Entscheidungen des Verbandes und gebe einen "kleinen Bruch" zwischen den Altgedienten und dem DFB. Jedoch deutete Matthäus auch an, dass er bereit zu einer Aussöhnung sei ("Für mich ist alles reparabel").