08. September 2020 / 08:58 Uhr

Wechsel, Taktik, "Ausreden": Lothar Matthäus mit scharfer Kritik an Bundestrainer Joachim Löw

Wechsel, Taktik, "Ausreden": Lothar Matthäus mit scharfer Kritik an Bundestrainer Joachim Löw

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Lothar Matthäus übt nach dem Nations-League-Auftakt scharfe Kritik an Bundestrainer Joachim Löw.
Lothar Matthäus übt nach dem Nations-League-Auftakt scharfe Kritik an Bundestrainer Joachim Löw. © imago images / Geisser / ULMER Pressebildagentur / Montage
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Lothar Matthäus knöpft sich Joachim Löw vor: Der Rekordnationalspieler listet nach dem Doppel-Remis zum Start der Nations League auf, was der Bundestrainer hätte anders machen müssen. 

Nach den beiden Unentschieden gegen Spanien (1:1) und in der Schweiz (1:1) hat Rekordnationalspieler Lothar Matthäus scharfe Kritik an Joachim Löw geübt und die Fortsetzung der deutschen Sieglos-Serie in der Nations League vornehmlich auf die Entscheidungen des Bundestrainer zurückgeführt. Zur Erinnerung: Das DFB-Team hatte in beiden Partien eine Führung aus der Hand gegeben und wartet in dem noch jungen Wettbewerb nun saisonübergreifend seit sechs Spielen auf den ersten Dreier.

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"Als Erklärung wurde vom Bundestrainer unter anderem die körperliche Verfassung, die aktuell nicht optimalen Bedingungen und Ähnliches angeführt. Das mag vielleicht zutreffend sein und trotzdem empfinde ich die Aussagen teilweise als Ausreden und Floskeln", schreibt Matthäus in seiner Sky-Kolumne: "Den anderen Nationalmannschaften geht es schließlich ähnlich und trotzdem schaffen sie es, überzeugende Siege einzufahren. (...) Nur wir haben im sechsten Spiel dieses Wettbewerbs immer noch keines gewonnen. Wir dürfen nicht vergessen, wer wir sind und was wir repräsentieren. Diese Partien sind für unser Standing und unser Image sehr wichtig."

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Löw hatte nach der Begegnung gegen Spanien darauf verwiesen, dass der durch die Corona-Pandemie durcheinander geratene Terminplan die Fitnesszustände bei seinen Spieler erheblich beeinflusst habe und manche Kicker "auf dem Zanhfleisch" gingen. Dennoch brachte er drei Tage später in der Schweiz nur einen neuen Feldspieler von Beginn an. Matthäus kritisiert:"Wenn man zum Entschluss kommt, dass die Spieler körperlich nicht bei einhundert Prozent sind und sein können, wieso verändere ich meine Startaufstellung nur auf einer Position, nämlich Ginter für Can. Fehlt das Vertrauen in den Rest des Kaders? Wieso gebe ich dem dynamischen Julian Brandt nicht eher eine Chance?"

Matthäus kritisiert Löw-Aussage

Der Weltmeister von 1990 weiter: "Im Oktober werden wir voll angreifen, sagte Löw. Wieso haben wir das nicht jetzt schon getan? Ich habe mich ehrlich gesagt über taktischen Maßnahmen, die Positionierung einiger Spieler und die Auswechslungen gewundert." So hatte der Bundestrainer gegen Spanien beim Stand von 1:0 die beiden Offensivkräfte Leroy Sané und Timo Werner vom Feld genommen und dafür die Abwehrspieler Matthias Ginter und Robin Koch gebracht. Für Matthäus eine regelrechte Einladung an den Gegner, das Kommando zu übernehmen.

Matthäus: Can wurde seiner Stärke beraubt

"Das Signal, dass man dadurch an den Gegner aussendet, ist ganz klar. Ab jetzt dürft ihr den Ball haben und wir haben zwei Akteure weniger auf dem Feld, die Tempo und Torgefahr ausstrahlen. Und genauso ist es gekommen. Die Spanier konnten viel mehr ins Risiko gehen, weil sie wussten, ohne Werner und Sane kann ihnen bei einem Ballverlust nicht mehr allzu viel passieren. Das Ergebnis ist nur eine Konsequenz daraus. Ich habe diese Wechsel nicht nachvollziehen können", meint der Sky-Experte, der sich zudem darüber echauffiert, dass Emre Can "überall eingesetzt wurde, nur nicht auf seiner besten Position, nämlich im zentralen, defensiven Mittelfeld."