18. November 2020 / 17:02 Uhr

Wer könnte eigentlich Bundestrainer? Die möglichen Kandidaten für eine Löw-Nachfolge

Wer könnte eigentlich Bundestrainer? Die möglichen Kandidaten für eine Löw-Nachfolge

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die möglichen Nachfolger von Bundestrainer Joachim Löw: (von links) Jürgen Klopp, Thomas Tuchel, Hansi Flick, Ralf Rangnick, Stefan Kuntz und Matthias Sammer.
Die möglichen Nachfolger von Bundestrainer Joachim Löw: (von links) Jürgen Klopp, Thomas Tuchel, Hansi Flick, Ralf Rangnick, Stefan Kuntz und Matthias Sammer. © Getty Images/Montage
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Die Diskussion um die Zukunft von Bundestrainer Joachim Löw hat durch die historische 0:6-Niederlage gegen Spanien mächtig an Fahrt aufgenommen. Doch wer käme für eine Nachfolge des 60-Jährigen aktuell überhaupt in Frage? Der SPORTBUZZER analysiert mögliche Kandidaten.  

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Es wird einsam um Joachim Löw. Nach dem historischen 0:6-Debakel in Spanien machte sich der gedemütigte Bundestrainer mit seinen überforderten Nationalspielern noch vor dem Morgengrauen auf die Heimreise. Der Sonderflieger nach Düsseldorf mit Zwischenstopp in München hatte Sevilla noch gar nicht verlassen, da prasselten auf Löw über alle Kanäle schon bohrende Fragen und klare Forderungen ein - die nach einem Rücktritt inklusive. Doch wer wäre überhaupt ein geeigneter Nachfolger für am längsten im Amt stehenden Nationaltrainer der Welt (seit 2006). Der SPORTBUZZER analysiert die möglichen Kandidaten.

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Jürgen Klopp

Es ist nur logisch, dass der erfolgreichste deutsche Trainer der letzten Jahre genannt wird, wenn es kurz- oder mittelfristig um Löws Nachfolge geht. Immer mal wieder wurde der Trainer des FC Liverpool (Vertrag bis 2024) auch schon auf seine Bundestrainer-Ambitionen angesprochen. Bislang reagierte der 53-Jährige jedoch stets ausweichend. Er sage dazu immer das Gleiche, meinte der aktuelle englische Meistertrainer und Welttrainer von 2019 auch im SPORTBUZZER-Interview, "weil es die Wahrheit ist: Ich stehe hier noch vier Jahre unter Vertrag. Aus heutiger Sicht habe ich absolut vor, das auch mindestens zu erfüllen. Ich sage mindestens!"

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Nach seiner Zeit als Coach sei es "sinnvoll, einen anderen Blick auf das Leben zu haben und sich nicht am Wochenende im Regen an die Seitenlinie zu stellen und sich mit anderen Trainern oder Mannschaften auseinanderzusetzen". Da wäre ein Job als Bundestrainer mit einigen ausgewählten Länderspielterminen im Jahr durchaus passend. Zumal Klopp gerade von der Heim-EM 2024 angetan sein könnte, wofür er jedoch vorzeitig aus seinem Vertrag austreten müsste. Apropos Vertrag: Kürzlich hat der Ex-BVB-Coach einen Vertrag mit Adidas abgeschlossen, was beim einen oder anderen in der Branche die Gerüchte um einen Job beim DFB anheizte, der von dem Sportartikelhersteller ebenfalls ausgerüstet wird.

Thomas Tuchel

Stand jetzt wird sein Vertrag bei Paris Saint-Germain am Saisonende nach dann drei Jahren auslaufen. Allein deshalb wäre er ein heißer Kandidat - jedoch erst nach der EM. Der ehemalige Dortmund-Coach gilt indes als unbequemer Typ, der in Vergangenheit immer mal wieder mit seinen Vorgesetzten aneckte. Beim BVB führte auch sein Verhältnis zu Vereinsboss Hans-Joachim Watzke zur Trennung nach zwei sportlich extrem erfolgreichen Spielzeiten, unter anderem mit dem Pokalsieg 2017. Auch in Paris kam es trotz Erfolgen wie zwei Meisterschaften und dem Einzug ins Champions-League-Finale 2020 zu Reibereien mit Sportdirektor Leonardo, der eine Vertragsverlängerung erstmal auf Eis gelegt hat. Bittet Tuchel um eine vorzeitige Vertragsauflösung, würde man sicherlich eine Lösung finden.

Hansi Flick

Die Sport Bild tituliert den Mann, der mit dem FC Bayern in der vergangenen Saison das Triple gewann, bereits als "Schatten-Bundestrainer". Hintergrund ist, dass sein Name als Löw-Nachfolger bereits beim DFB gefallen sein soll. Und obwohl Flick in München für seine Arbeit von allen Seiten mit Lob überschüttet wird, gibt es einige Dinge, die dem 55-Jährigen gegen den Strich gehen soll. So zeigte sich der Trainer bereits "alles andere als glücklich" darüber, dass der Klub sein Vertragsangebot an Leistungsträger David Alaba zurückgezogen hat.

Mit Spannung wird ebenfalls erwartet, wie (kritisch) er sich dazu äußern wird, dass der auslaufende Vertrag des unter ihm wiedererstarkten Jerome Boateng nicht verlängert werden soll. Und dann ist da noch das generell nicht gänzlich harmonische Verhältnis zu Sportvorstand und Kaderplaner Hasan Salihamidzic, von dessen Transferpolitik Flick zumindest nicht hellauf begeistert sein soll. Dass beim DFB zudem einige ehemalige Weggefährten wie Torwarttrainer Andreas Köpke und DFB-Direktor Oliver Bierhoff arbeiten, und Joti Chatzialexiou (44), Sportlicher Leiter der Nationalmannschaften, sowie Meikel Schönweitz (40), Cheftrainer der U-Nationalmannschaften, für die Entwicklung beim Verband zuständig sind, käme ihm gelegen. Zu diesen Personen hat Flick weiterhin einen guten Draht. Dass er den auch zu den (National-)Spielern pflegt, dürfte mittlerweile jedem bekannt sein. Ein kurzfristiges Doppelmandat ist nahezu ausgeschlossen.

Ralf Rangnick

Es ist rund ein Jahr her, dass der 62-Jährige zum wiederholten Male offen darüber sprach, dass er sich das Amt eines Nationaltrainers grundsätzlich gut vorstellen könne. Im Doppelpass am vergangenen Sonntag jedoch reagierte Rangnick relativ kurz angebunden auf die Frage zur Löw-Nachfolge: "Es gehört sich auch nicht, immer wieder darüber zu reden. Das ist eine Unsitte, das hat mich schon immer gestört, als ich noch selbst Trainer war." Ausschließen wollte er ein solches Engagement dann aber auch nicht komplett: "Grundsätzlich ist das Amt des Bundestrainers für keinen deutschen Trainer ein Amt, das ihn nicht interessiert." Rangnick hatte sich in dem Sport1-Interview vor einem Jahr sogar bereits einige Gedanken dazu gemacht, wie er das Bundestrainer-Amt ausfüllen könnte: "Ich würde den Fokus darauf richten, mich im permanenten Austausch mit den Klubs zu befinden, mir regelmäßig ihre Trainingseinheiten anzuschauen und dadurch die zukünftigen Talente mitzuentwickeln." Gerade im Nachwuchsbereich, den Jahrgängen 2001 bis 2005, prognostizierte Rangnick zuletzt einen großen Nachholbedarf beim DFB. Das deutet jedoch auch an, dass der schwer steuerbare Fußball-Entwickler als Bundestrainer womöglich versuchen würde, einen ganzheitlichen Einfluss im Verband zu nehmen. So wie er es in Hoffenheim und auch bei RB Leipzig bereits getan hatte - mit großem Erfolg jedenfalls. Aber ob das auch beim DFB so gewünscht wäre?

Stefan Kuntz

Das Thema Löw-Nachfolge ploppte bereits bei der U21-EM im vergangenen Jahr auf, als Kuntz seine Mannschaft nach dem Gewinn des EM-Titel 2017 auch zwei Jahre später wieder ins Finale geführt hatte - dort unterlag man dann übrigens Spanien, einige Spieler standen nun auch am Dienstagabend für die Iberer auf dem Feld. Erfolgscoach Kuntz jedenfalls wies die Diskussion deutlich zurück, mit der Begründung, dass sie "nicht genug Respekt vor Jogi Löw" zeige. "Wir haben einen wirklich guten Bundestrainer", sagte er. Löw hatte in diesen Tagen allerdings selbst erklärt: "Wir haben zwei Trainer beim DFB, die absolut die Fähigkeiten haben, Bundestrainer zu werden: Stefan Kuntz und Marcus Sorg.“ Und im Gegensatz zu dem aktuellen Co-Trainer der A-Elf ist Kuntz es bereits gewohnt, im Rampenlicht zu stehen. Der Ex-Profi kann ein Entertainer sein, gilt als Kumpel-Typ, der er einen engen Draht zu den Spielern pflegt. Inhalt wird er unterstützt von seinen kompetenten Assistenten Antonio di Salvo und Daniel Niedzkowski, der auch den Fußball-Lehrer-Lehrgang beim DFB leitet.

Matthias Sammer

Es ist etwas ruhig geworden um den Dortmunder Meistertrainer von 2002, der mit dem BVB auch das UEFA-Pokal-Finale erreichte - und über seine Trainerzeit in Dortmund (2000 bis 2004) und beim VfB Stuttgart (2004 bis 2005) sagt: "Das kam zu früh. Ich war zu jung, war vom Persönlichkeitsprofil her noch nicht gefestigt." Aktuell arbeitet er im Hintergrund als externer Berater für seinen Ex-Klub, Vereinschef Hans-Joachim Watzke schätzt dabei nach eigener Aussage die "ungeschminkten Analysen“ und "eine unbequeme, aber von Vertrauen geprägte Diskussionskultur“. Bereits von 2006 bis 2012 stand Sammer beim DFB als Sportdirektor und Nachwuchskoordinator (ab 2010) unter Vertrag. Anschließend war Sammer vier Jahre (2012-2016) lang als Sportvorstand beim FC Bayern tätig. Nach einem im April 2016 erlittenen leichter Schlaganfall erfolgte am 10. Juli 2016 auf eigenen Wunsch die Auflösung seines noch bis 2018 gültigen Vertrags. Sammer erklärte, dass er "diese Intensität nicht mehr wollte", die im operativen Bundesliga-Geschäft herrscht. In der Saison 2017/18 arbeitete er als Eurosport-Experte. 2017 schloss er eine Rückkehr ins Profi-Geschäft zumindest nicht gänzlich aus. Er wolle das von der "Gefühlswelt abhängig machen. Ich kann jetzt nicht sagen, was ich in zwei oder drei Jahren fühle.“ Sein Vater Klaus sagte nach dem Aus der DFB-Auswahl bei der WM 2018 über eine mögliche Löw-Nachfolge: "Ich glaube nicht, dass er es machen würde."